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Konzerne und die Kunst: Unternehmenskultur Ruhr

15.04.2010 | 17:57 Uhr

Essen. Der insolvente Warenhauskonzern Karstadt will seine gesammelten Kunstwerke verkaufen, um Geld zu machen. Auch die NRW-Konzerne Eon, Ruhrgas und Evonik haben Tausende von Kunstwerken gesammelt. An einen Verkauf ist nicht gedacht. Im Gegenteil: Eine Ausstellung ist geplant.

Als Elisabeth Kessler-Slotta die Vorstandsebenen diverser deutscher Unternehmen betrat, sah sie Gemälde in einer Vielfalt und Qualität, die auch eine erfahrene Kunsthistorikerin verblüffen konnten. Die Werke hängen in Foyers, Chefbüros oder Konferenzräumen. Kurzum: Sie sind im engeren Wortsinne Unternehmenskultur von Konzernen, Banken und Sparkassen.

Allein die Sammlung des Düsseldorfer Energiekonzerns Eon wäre geeignet, ein großes Publikum anzulocken. Zum Eigentum des Unternehmens gehören Werke so namhafter Künstler wie Jackson Pollock, Gerhard Richter, Andreas Gursky, Thomas Demand, Bill Viola und Günther Uecker. Die Sammlung umfasst Malerei, Fotografie, Videoarbeiten, Skulpturen und Arbeiten auf Papier. Das zum Eon-Bestand gehörende Pollock-Bild „Number 5 (Elegant Lady)“ ist eines der Hauptwerke der zurzeit im Düsseldorfer Museum Kunst Palast gezeigten Ausstellung „Le grand geste“.

Feininger, Lüpertz, Baselitz

Auch die Eon-Konzerntochter Ruhrgas hat über viele Jahre Kunst angekauft und kann sich mit den Werken großer Künstler schmücken, darunter Lyonel Feiniger, Otto Piene, Felix Müller, Markus Lüpertz und Georg Baselitz. Kulturförderung und Kunst seien „ein Teil der Corporate Identity“, zu Deutsch: der Unternehmenspersönlichkeit von Eon.

Der Essener Evonik-Konzern verfügt ebenfalls über eine beachtliche Kunstsammlung: mehr als 2000 Werke im Wert von mehreren Millionen Euro. Am Konzernsitz Essen befinden sich Arbeiten von Josef Albers, Günther Uecker, Imi Knoebel und Per Kirkeby.

Kunsthistorikerin Elisabeth Kessler-Slotta spricht von „ganz unterschiedlichen Beweggründen“ der Unternehmen, Kunst zu sammeln. Gelegentlich deckten sich Strategien zur Geldanlage mit Interessen der Firmenchefs. Der Evonik-Konzern begründet die eigene Sammelleidenschaft unter anderem mit dem Anliegen, „eine inspirierende Atmosphäre für ein kreatives Arbeitsklima zu schaffen“.

Ausstellung in Bochum geplant

Ein Teil der Firmen-Sammlungen soll beim Ruhr.2010-Projekt „Unternehmensgalerie Ruhr“ gezeigt werden. Für die 100 Werke starke Ausstellung im Museum Bochum (31. Oktober-Februar 2011) öffnen 35 Unternehmen ihre Schatzkammern.

Ulf Meinke

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