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Ermittlungen

Klüngelei unterm Dom

12.02.2009 | 19:29 Uhr

Köln/Essen. Der frühere Chef der Stadtsparkasse Köln, Gustav Adolf Schröder, lässt wegen staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen sein Amt als Finanzchef der RAG-Stiftung ruhen. In Köln ist darüber eine Schlammschlacht entbrannt.

Ohne Köln wäre die Welt ärmer. Der Dom, der Karneval, der Rhein und natürlich: der Klüngel. Das gepflegte Miteinander – „mer kenne uns, mer helfe uns” – scheint Kölner Funktionären ebenso in die Wiege gelegt wie die kölsche Redewendung: „Lass uns mal über die Sache reden: Was wird aus mir?”

Der frühere Chef der Stadtsparkasse Köln, Gustav Adolf Schröder, lässt wegen staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen sein Amt als Finanzchef der RAG-Stiftung ruhen. In Köln ist darüber eine Schlammschlacht entbrannt.

Köln wäre nicht Köln, würde es nicht mit immer neuen Affären aufwarten: ob die Müllofen-Affäre um Trienekens, ob der SPD-Spendenskandal, der Neubau der Messehallen oder die jüngste Sparkassen-Affäre, deren Ausläufer nun Essen erreicht haben. Gustav Adolf Schröder, Finanzchef der RAG-Stiftung, der die Mehrheit an Evonik gehört, lässt sein Amt ruhen, Stiftungschef Wilhelm Bonse-Geuking übernimmt kommissarisch. Formal muss das Kuratorium noch abstimmen.

Verdachts auf Untreue und Vorteilsgewährung

Hintergrund sind staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen des Verdachts auf Untreue und Vorteilsgewährung (WAZ v. 12.2.). Schröder soll in seiner Amtszeit als Stadtsparkassenchef dem Bürgermeister Josef Müller (CDU), ehemals von Beruf ein Postbote, einen Beratervertrag über 300 000 Euro gegeben habe – ohne Gegenleistung. Frühere staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Schröder sind allesamt im Sande verlaufen. Doch diesmal scheinen die Beteiligten den Eindruck gewonnen zu haben, es könnte ernster sein als sonst.

Die Anwälte von Schröder jedenfalls ließen wissen, ihr Mandat habe es sich zur Aufgabe gemacht, „den Interessen der Stadt Köln” entsprechend der politischen Vorgaben „soweit wie möglich zu dienen”. Manche sagen, genau das ist das Problem von Köln.

Zudem machte bislang die CDU in Köln – auch der CDU-Bundestagsabgeordente Rolf Bietmann hatte einen Beratervertrag der Sparkasse – eine arg schlechte Figur. So dürfte es manchem nicht unrecht gewesen sein, dass nun ein Mann ins Rampenlicht rückt, der der SPD nahe steht. Schröder wurde von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) in den Stiftungsvorstand geschickt, nachdem ihm der eigentlich auserkorene Bundesfinanzminister Hans Eichel abhanden gekommen war.

In Köln tobt eine Schlammschlacht

Nun hat Schröder zwar einen „tadellosen Job in der Stiftung” gemacht, wie man dort betont – ein Investor für Evonik ist gefunden, die Milliardenerlöse sind sicher angelegt. Dennoch dürfte Schröders Hintergrund als Kölner Sparkassenchef für die Zukunft der Stiftung eine Rolle spielen. In Köln tobt eine Schlammschlacht. Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) spricht von einem „System Schröder”, und der Vorstandschef Artur Grzesiek gibt die Klüngel-Bremse.

„Falsch” findet der etwa, dass eine Sparkasse einen Golfplatz betreibt und gibt die Losung aus: „Lieber mehr Distanz.” Vor allem aber ist Grzesiek wild entschlossen, alles bei der angeschlagenen Großsparkasse aus dem Keller zu räumen, was zu finden ist. Wer weiß, was noch kommt? Äußerst unwahrscheinlich ist es, dass Schröder aus dem ruhenden Amt zurückkehrt. Ende April sei definitiv Schluss, sagen Eingeweihte. CDU-Fraktionsvize Christian Weisbrich fordert jetzt schon den Rücktritt. „Wenn Wittke zurücktreten muss, muss Schröder dreimal zurückreten.”

Stiftung personell und strategisch neu ausrichten

Stiftungschef Wilhelm Bonse-Geuking und der Vorsitzende des Kuratoriums, Ulrich Hartmann, werden sich wohl auf die Suche nach einem Nachfolger machen. Dabei reden die geborenen Mitglieder des Kuratoriums, allen voran Peer Steinbrück als Finanzminister, Jürgen Rüttgers als NRW-Ministerpräsident und IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt ein Wörtchen mit.

Denkbar ist auch, dass Bonse-Geuking eine neue Phase für die Stiftung einläutet. Der Personalchef Ulrich Weber sollte ursprünglich eine Übergangszeit an Bord bleiben, ist mithin überfällig. So könnte sich die Stiftung personell und strategisch neu ausrichten. Wohlwollend hat man in Düsseldorf jüngst Bonse-Geu-kings Einlassungen zu den Kirchturm-Problemen des Ruhrgebiets vernommen. Der Dom war damit nicht gemeint.

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Thomas Wels

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Kommentare
13.02.2009
08:11
Klüngelei unterm Dom
von Meinemal | #5

Da wendet sich der Mensch mit Grausen. Aber Adenauer hat sich schon im letzten Jahrhundert mehrmals seine Wohnung auf Kosten der Kölner Steuerzahlers renovieren lassen. Und der letzte SPD-Kämmerer, Name vergessen, hat auch die Hand ordentlich aufgehalten und leckere Pöstchen bezogen. Egal wer in Köln regiert, einmal an der Macht, werden sie von einem Versorgungsvirus befallen, der dermaßen Kohle in die eigene Kasse spült, dass dem Normaljecken eigentlich das Kölschglas aus der Hand fallen müßte. Immerhin, vom Postboten zum Millionär, Köln schafft Zukunft.

13.02.2009
00:14
Klüngelei unterm Dom
von radieschen | #4

Wer das Trauerspiel verfolgt, kann nur laut nach Aufklärung rufen. Jetzt aber endlich einmal.

12.02.2009
22:15
Klüngelei unterm Dom
von Selbstständiger | #3

Tango Korrupti - Ausgetanzt!

Das von Affären geschüttelte Köln ist um einen Skandal reicher: Die Beraterverträge der Sparkasse KölnBonn an verdiente CDU-Kommunalpolitiker erschüttert die politische Klasse der Domstadt in ihren Grundfesten. Nicht nur der berüchtigte Oberklüngler RolfBietmann steht im Verdacht, 900.000 Euro ohne erkennbare Gegenleistung abgesahnt zu haben. Diesmal hat es zudem auch das joviale Gesicht der Kölner CDU, den wohl letzten Sympathieträger und Vertreter des kleinen Mannes der Christdemokraten, Ex-Bürgermeister Jupp Müller, erwischt. Auch der ach so volksverbundene Jupp soll 300.000 Euro von den Einlagen der Sparkassenkunden erhalten haben, ohne irgendwelche adäquate Leistungen erbracht zu haben! In der heutigen Ratssitzung hat die Fraktion pro Köln deshalb eine Aktuelle Stunde zu den Vorkommnissen eingebracht und zudem den Antrag gestellt, das Geschäftsgebahren zwischen Rolf Bietmann und der Sparkasse offen zu legen. Die Fraktionsvorsitzende Judith Wolter wird dazu in der Ratssitzung um 15.30 Uhr Stellung beziehen und klare Worte finden. Die Reden der engagierten Rechtsanwältin und Korruptionsbekämpferin finden Sie hier vorab:

http://pro-koeln.org/artikel09/100209_korrupti.htm

Virtuelle Scheinwelt der Medien

Die Ratsmitglieder der Fraktion pro Köln waren ein prägender Faktor der Ratssitzung am 10. Februar 2009 – aber die Kölner Medien erwecken den Eindruck, die Altparteien wären im Rat unter sich gewesen, pro Köln hätte an der Sitzung gar nicht teilgenommen. Insgesamt standen fünf pro-Köln-Anträge und ein von der pro-Köln-Fraktion eingebrachter Antrag auf Durchführung einer Aktuellen Stunde zur „Funktion von Beraterverträgen stadtnaher Unternehmen in der Kölner Kommunalpolitik“ auf der Tagesordnung. Weil aber CDU, SPD, Grüne und FDP einen gemeinsamen Antrag zum gleichen Thema nachgeschoben haben, wurde nur dieses Papier medial thematisiert. Judith Wolter und Manfred Rouhs haben den versammelten Repräsentanten des etablierten Polit-Klüngels im Zusammenhang mit Beraterverträgen, Sparkassen-Geldern und dem Verdacht von Untreue und Vorteilsnahme umfassend die Leviten gelesen – aber leider unter Ausschluß der Öffentlichkeit, abgesehen von einer handvoll Zuschauer im Ratssaal, die sich eine quälend lange Ratssitzung angesehen haben, die bis kurz vor Mitternacht dauerte.

http://pro-koeln.org/artikel09/110209_sw.htm

12.02.2009
21:24
Klüngelei unterm Dom
von Frau über 50 | #2

Gustav Adolf Schröder für die RAG ein Fehlgriff,
seine Vergangenheit war bekannt!!!

12.02.2009
20:54
Blockierter Kommentar.
von Beatrix.Gutmann | #1

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