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Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse

10.06.2009 | 08:20 Uhr
Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse

Essen. Als wäre eine Krise nicht genug, kommen die Probleme nun im Doppelpack. Können wir es uns leisten, inmitten der Wirtschaftskrise Milliarden in die Bekämpfung des Klimawandels zu investieren? Ein Kongress beschäftigt sich erstmals mit den gesellschaftlichen Konsequenzen der Erderwärmung.

Lohnt sich Klimaschutz? Vor allem jetzt in Zeiten der Finanzkrise? Der Klimaökonom Prof. Ottmar Edenhofer beantwortet die Frage prompt mit einer Gegenfrage: „Worum geht es eigentlich – um eine Bedrohung für unseren Wohlstand oder um die Gefährdung unserer Lebensgrundlagen?”

Die Wurzel beider Krisen: Wirtschaften auf Kosten anderer

Prof. Ottmar Edenhofer, Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) Quelle: PIK

Edenhofer, Inhaber des weltweit einzigen Lehrstuhls für die Kosten des Klimawandels, ist überzeugt, dass beide Krisen – die des Klimas und die der Finanzmärkte – einen gemeinsamen Nenner haben: das Wirtschaften auf Kosten anderer. „Eines hat sich in unser Denken eingebrannt: Ökonomisches Wachstum und das Verbrennen fossiler Energieträger gehen Hand in Hand”, sagt Edenhofer bei dem Klimakongress des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) und der Stiftung Mercator in Essen. Erstmals stellt eine große internationale Klimatagung die Frage, wie Kultur und Gesellschaft auf die Erderwärmung reagieren werden.

Der hohe Ölpreis sei ein Desaster für die Klimaschutzpolitik, führt Edenhofer aus. Je teurer das Barrel werde, desto stärker werde der Druck, auf die klimaschädliche Kohle zurückzugreifen: „Kohle ist das größte Umweltproblem des 21. Jahrhunderts”, spitzt Edenhofer zu. Und es erschrecke ihn zu beobachten, dass es weltweit eine Renaissance dieses Energieträgers gebe. Der kanadische Klimaforscher Thomas Homer-Dixon weist darauf hin, dass in wenigen Jahrzehnten der Höhepunkt der Ölforderung erreicht sein wird. „Der Griff zur Kohle wird die Folge sein”, sagt er.

Jetzt und heute handeln

Die Klimaforscher sind besorgt. Hans Joachim Schellnhuber und Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung mahnen, mit der Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes endlich zu beginnen. „Wir haben noch fünf, sechs Jahre Zeit, um den Anstieg der Emissionen zu stoppen”, sagt Schellnhuber, der Bundeskanzlerin Angela Merkel berät. „Es ist ein Skandal, dass wir jetzt erst die ersten Baby-Schritte machen, obwohl wir seit Jahren die Folgen des Klimawandels wissenschaftlich beschreiben.”

Stefan Rahmstorf zeigt bei seinem Vortrag auf, dass der Mensch einen Prozess in Gang gesetzt habe, der sich selbst zu verstärken droht. Die Wälder und Meere dieser Welt würden weniger CO2 speichern, das arktische Eis und das Grönland-Eisschild schmilze dramatisch schneller, als es sich die Wissenschaftler vorstellen konnten. Schellnhuber richtete des Blick auf die wichtige Rolle des Regenwaldes, der große Mengen CO2 binde und somit den Klimawandel bremse. „Doch der Regenwald wird abgeholzt. Es ist verrückt.” Es sei, als sitze die Menscheit in einem Bus und schneide die Bremsseile durch, verdeutlich Schellnhuber die Lage. Potenziert werde die Erwärmung durch das Auftauen der Permafrostböden in Sibirien, wodurch riesige Mengen Klimagase frei werden. Rahmstorf: „Die Zeit läuft uns davon.”

Die Klimaforscher appellieren, dass der Anstieg der Temperaturen auf der Erde im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter in diesem Jahrhundert auf zwei Grad beschränkt werden müsse. Dies gäbe ein wenig Sicherheit, die Klimaveränderungen womöglich beherrschbar zu machen. Edenhofer nennt das „eine der größten historischen Herausforderungen der Menschheit”. Schellnhuber nennt es „die Neuerfindung der Industriegesellschaft”. Edenhofer hält es für machbar, die Kosten etwa für die Investitionen in saubere Energien zu stemmen. Ein bis zwei Prozent des Bruttosozialprodukts müssten Volkswirtschaften jährlich aufwenden, um den Übergang in ein kohlenstoffarmes Zeitalter einzuleiten. „Wenn wir zögern, wird es noch teurer.”

Eine Frage der Gerechtigkeit sei es, die noch nutzbaren fossilen Energien zu verteilen. „Enteignet die Ölscheichs und die Kohlebarone dieser Welt”, sagt Edenhofer.

Jürgen Polzin, Christopher Onkelbach



Kommentare
11.06.2009
10:58
Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse
von dickschaedel | #10

Meiner Meinung nach liegt das Problem an der Überbevölkerung. Unser Planet hat eine feste unveränderliche Größe und damit natürliche Grenzen. Bei Tieren wird durch Jäger hilfreich (?) eingegriffen und der Bestand reduziert. Nur der Mensch breitet sich aus ohne Grenzen. Ich spreche hier nicht davon, mal wieder einen richtigen Krieg anzuzetteln - Gott bewahre wenns ihn gibt....
Es geht darum, was wir alles anstellen um uns ausbreiten zu können: Regenwälder werden abgeholzt, Küstenabschnitte werden erweitert (Dubai), an der Nordsee Greetsiel Landgewinnung, Chinas riesiger Stausee zur Energiegewinnung usw.
Man sollte auch berücksichtigen, Klimawandel gab es schon immer auf diesem noch immer wunderbaren Planeten. Nur jetzt wird er auf ca. 100 Jahre reduziert. Die Erde ist aber schon ein paar Jahre älter...

10.06.2009
10:53
Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse
von karopulfer | #9

Klimaschutz auf europäisch: Worte statt Taten.
Alles nur geschwafel.
Auf Worte folgen Worte ,stattTaten.

10.06.2009
10:36
Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse
von karopulfer | #8

Die Klimaforscher sind Wanderprediger,die das Volk mit Unheilsbotschaften ängstigen,dadurch lasse sich erstaunlich viel Geld abknöpfen,was von der Regierung sehr unterstützt wird.
den Herren Schellenhuber und Ramsdorf bleit ja nichts anderes überig als Unheilsbotschaften zu verbreiten sie werden von der Regierung bezahlt,und die hatgerne Katastrophenankündigungen um wieder eine Umweltsauerei ins leben zu rufen.

10.06.2009
10:28
Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse
von realist2 | #7

Kompletter Realitätsverlust!

Die Klimakirche macht weiter wie immer, die GLOBALE ERWÄRMUNG wurde nur in KLIMAWANDEL umbenannt, weil die Globaltemperturen außerhalb aller IPCC-Prognossen seit vielen Jaheren sinken
(http://www.woodfortrees.org/plot/hadcrut3vgl/from:2002/trend/plot/uah/from:2002/trend/plot/rss/from:2002/trend/plot/gistemp/from:2002/trend/plot/hadcrut3vgl/from:2002/plot/uah/from:2002/plot/rss/from:2002/plot/gistemp/from:2002). Nach den Klimapfarrern nun also noch die Klimaökonomen. Den Schwachsinn bezahlen überproportional die armen Menschen, die unter den in Deutschland künstlich erhöhten Energiepreisen leiden.
Die letzte Nummer hieß: Ozonloch, wir sterben alle an Hautkrebs, wenn wir nicht alle ganz schnell viele neue Geräte kaufen.
http://www.wetteronline.de/wotexte/redaktion/klimawandel/2009/06/08_oz.htm

10.06.2009
00:26
Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse
von karlosdallos | #6

CDUs Wirtschaftsrat setzt weiter auf Wachstum.
Mehr können die nicht.

Als wäre Ressource ohne Ende verfügbar.

Nahrungsmittel im Tank. Danach Sprit aus Biomasse.

Frag mal einen Bauern was Biomasse ist.
Das ist BODEN.

Und wenn der weg ist, bleibt Stein und Sand.

09.06.2009
22:22
Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse
von Irgentwasistimmer | #5

@ #4
Guter Link. Past perfekt zur gestrigen Diskussion....
Die Namen Rahmsdorf/Schellnhuber findet man in Deutschland in jeder Veröffentlichung zum Klimawahn.
Aber jetzt gibts ja einen KLIMAÖKONOM....


GNADE

09.06.2009
21:46
Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse
von Slushy | #4

sprichdichaus hat es mit seinem letzten Satz auf den Punkt gebracht. Die ganzen Thesen haben nur ein Ziel: Dem Bürger unter Argumenten, deren Richtigkeit er in seinem Leben nicht mehr nachvollziehen kann, noch tiefer in die Tasche zu greifen. 100 Milliarden sollen pro Jahr für diesen Irrsinn geopfert werden, die jeder von uns finanzieren wird.

Und bitte nicht auf Al Gores Klimamärchen beziehen, der Zauber hat inzwischen u.a. durch gerichtlich bestätigte Fehler seine Wirkung verloren.

Wenn wir in 1.325 Tagen, 2 Stunden und 7 Minuten nicht den Wandel eingeleutet haben, explodiert die Insel! Irgendwie erinnert mich die ganze Show an eine beliebte TV Serie.

Dass Menschen auf dieser Welt Versorgungsprobleme haben, wird man garantiert nicht durch Klimaschutz verhindern. Das ist eine Sache der Entwicklung, nicht der dort herrschenden Temperaturen.


Hier mal die andere Meinung, in der auch auf kontraproduktiven Klimaschutz, Herrn Rahmstorf und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung eingegangen wird:

http://www.faz.net/s/rubc5406e1142284fb6bb79ce581a20766e/doc~eae5a892e63b34a00a0d89f0186ea3247~atpl~ecommon~scontent~afor~eprint.html

09.06.2009
20:13
Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse
von renegade | #3

@ #2
Dem stimme ich zu.
Im Grunde ist der Prozess nicht mehr aufzuhalten. Leider.
Das wollen die Politiker der Welt aber nicht sagen, weil sonst der Globale Markt zusammen brechen würde.

Al Gore hat es in seiner Klima-Doku (Okt. 2006) schon ausgeführt.
Jede Menge Umwelt-Dokus im Fernsehen zeigen auch schon lange die Irrwege auf.
Klimakonferenzen gibt es nicht seit gestern aber greifbares kommt nicht dabei heraus.
Außer vielleicht der Emissionshandel.
Neun Milliarden Menschen adäquat zu versorgen ist nicht möglich. Es geht nicht einmal mit den jetzt 6,7 Mrd. Individuen. In weiten Teilen Asiens, Afrikas, Mittel- und Südamerikas, sogar Russlands herrscht Mangel an allem Möglichen was für Bewohner der westlichen Industriestaaten selbstverständlich ist.
Lange Rede, kurzer Sinn - die Reparatur der Schäden auf der Erde braucht viele Generationen Zeit und ist nachträglich mit Technik nicht zu machen. Nur mit dem vernünftigen Umgang mit dem Planeten und seinen Resourcen,

www.home-2009.com/us/index.html

09.06.2009
19:42
Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse
von sprichdichaus | #2

Das Klima werden wir auch mit Milliarden Euros nicht reparieren können, vielleicht lediglich mit Vernunft und Verstand auf den jetztigen Stand halten. Wenn man über Deutschlands Grenzen mal hinwegsieht gibt es aber leider nicht sehr viele Staaten die es mit dem Umweltschutz ernst nehmen , eher nur Lippenbekenntnisse .
Und , wieviel deutsche Firmen stellen ihre Waren in Ländern her die den Begriff Umweltschutz nicht kennen , lassen sich aber trotzdem in Deutschland als Umweltfreundliches Unternehmen darstellen und auszeichnen. Nun, viel zu retten wird es da wohl nicht geben , dafür aber zukünftig viele Griffe unserer Regierung in die Brieftaschen der Bürger - für den Umweltschutz.

09.06.2009
19:08
Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse
von Meinemal | #1

Und wie soll das mit dem Wohlstand weitergehen ? Autofahren, in die Ferien fliegen, Glotze sehen, jeden Tag warm duschen und den Kühlschrank immer voll ? Und das für demnächst 9 Mrd. Menschen ? Schon vor 20 Jahren hätte der Umschwung auf erneuerbare Energien einsetzen müssen. Aber noch immer sitzen die Lobbyisten von Kohle. Gas, Uran und Öl auf den Schoss der Mächtigen und bedienen diese mit Aufsichtsratsposten, Nebenjobs und Energiedeputaten. Und diese so genannten Energieexperten erstellen Horrorszenarien en masse, damit der eigene Posten gesichert bleibt. Na ja, wenn der Mensch erst einmal weg ist, kann sich die Natur wieder erholen !

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