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Kirchen-Aufruhr um Holocaust-Leugner

27.01.2009 | 16:14 Uhr

Essen. Die päpstliche Rehabilitierung eines Traditionalisten-Bischofs, der den Holocaust leugnet, hat für großen Aufruhr innerhalb der Kirche, aber auch außerhalb gesorgt. Die katholischen Bischöfe gingen auf Distanz. Und der Vatikan reagierte gestern Abend mit einer ungewöhnlichen Erklärung.

Papst Benedikt hatte am Wochenende die Exkommunikation von vier Bischöfen aufgehoben, die der ultratraditionalistischen Pius-Bruderschaft angehören. Sie lehnen unter anderem das Zweite Vatikanische Konzil ab. Einer dieser Bischöfe ist Richard Williamson, der in einem Fernsehinterview das Ausmaß des Holocaust und die Existenz von Gaskammern der Nazis geleugnet hatte. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft in Regensburg.

Die Deutsche Bischofskonferenz distanzierte sich deutlich von seinen Aussagen. Sie seien „inakzeptabel” und gehörten nicht zur Lehre der katholischen Kirche, erklärte ihr Sprecher Matthias Kopp. Williamson habe sich verpflichtet, die Lehre der Kirche anzuerkennen. Dazu gehöre, dass sich auch Johannes XXIII. und Johannes Paul II. verpflichtet hätten, gegen jede Form von Antisemitismus vorzugehen. Williamson müsse „früher oder später” seine Äußerungen zurückziehen. Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff, der für die Beziehungen zum Judentum zuständig ist, wies darauf hin, dass die vier Bischöfe suspendiert seien und ihr Weiheamt nicht ausüben dürften. Von ihnen werde erwartet, dass sie sich „unmissverständlich und glaubwürdig” hinter die Lehre der Kirche stellten.

Zentralräte der Juden und Katholiken reagieren empört

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) reagierte auf die Rehabilitierung mit „Entsetzen und Empörung”. Der Zentralrat der Juden in Deutschland nannte sie „einen Schlag ins Gesicht der jüdischen Gemeinschaft und ein Stück Provokation”.

Am Montagabend dann, als die Empörung über die Rehabilitierung ein extrem starkes Ausmaß erreicht hatte, nahm der Vatikan in seiner Zeitung „Osservatore Romano” Stellung. Er wies die Medienkritik entschieden zurück. Mit der Rücknahme der Exkommunikation von vier Bischöfen habe sich der Papst keinesfalls vorkonziliare Positionen zu eigen gemacht. Es wäre beleidigend zu behaupten, der Papst würde das Konzil, wenn auch nur zum Teil, an irgendjemanden verraten. Ebenso vermessen, so das Blatt, wäre die Frage, ob der Papst die Ökumene oder den Dialog mit den Juden zur Debatte stelle. Die Rücknahme der Exkommunikation sei „nach einem falschen Drehbuch abgelaufen”.

Angelika Wölk

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