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Mord

Kardelen starb nebenan

05.02.2009 | 18:52 Uhr
Kardelen starb nebenan

Die DNA-Spuren beweisen, dass die achtjährige Kardelen nur wenige Schritte von der elterlichen Wohnung in Paderborn entfernt missbraucht wurde. Dem mutmaßlichen Täter Ali Kur droht ein Prozess in der Türkei.

Er ist noch immer aufgebracht, und will auf keinen Fall seinen Namen genannt wissen. Der Inhaber jenes Herner Reisebüros, der dem mutmaßlichen Mörder der achtjährigen Kardelen ahnungslos zur Flucht verhalf. Er sei daran gewöhnt, dass seine Landsleute manchmal von jetzt auf nun Tickets für einen Flug in die Türkei benötigten, zumeist wegen erkrankter Angehöriger. Und so sei er nicht misstrauisch gewesen. Aber nun ist er einfach nur noch wütend. „Dieser Schweinehund. . .!” Dass jemand glauben könnte, er hätte mit dem Mörder etwas zu tun. . ., daran mag er gar nicht denken.

In der Wohnung missbraucht und getötet

Der Fall Kardelen und – noch – kein Ende. Inzwischen steht fest, dass Kardelen tatsächlich in der Wohnung ihres Nachbarn missbraucht und getötet worden ist. „Wir haben DNA-Spuren von Kardelen identifizieren können und fanden weitere Hinweise darauf, dass sie dort von Ali K. getötet wurde”, erklärt der Paderborner Polizeisprecher Michael Biermann. Kardelen, das türkische Mädchen, war am 12. Januar spurlos verschwunden. Nach aufwendiger Suche wurde sie drei Tage später in einem Waldstück am Möhnesee gefunden. Nackt, missbraucht und erstickt.

Am Mittwoch lüftete die Polizei die Identität des mutmaßlichen Täters. Ali Kur ist 29 Jahre und lebte Tür an Tür mit der Familie des Mädchens in der Paderborner Südstadt. Der Türke kam 2001 nach Deutschland, wohnte bis 2007 in Herne und ist arbeitslos. Am Tag nach der Tat flüchtete Ali Kur zusammen mit seiner 26-jährigen Frau Zehra, indem sie sich von einem Herner Freund, dem 32-jährigen Ari K., mit dessen Auto abholen ließen, Flugtickets besorgten und noch mitten in der Nacht in Köln/Bonn ein Flugzeug bestiegen. Die nächsten Tage, das weiß die Polizei inzwischen, verbrachte Ali Kur bei Verwandten in Izmir.

Der Freund soll nichts vom Verbrechen gewusst haben

„Wir sind sicher, dass wir ihn bald finden werden”, sagt Michael Biermann. Der Herner Freund habe die Kurs chauffiert, ohne von dem Verbrechen zu wissen. Die Polizei geht davon aus, dass sich Ali Kur noch in der Türkei aufhält, vermutlich in der Nähe des ostanatolischen Tunceli, wo sein Vater lebt. Auch in der Türkei hat der Mord an der Achtjährigen für Aufsehen und Empörung gesorgt. Das Fahndungsfoto Ali Kurs ist dort sehr präsent.

Das Bundeskriminalamt steht über einen in der Türkei stationierten BKA-Beamten in Kontakt mit den dortigen Behörden. Diese haben bereits angekündigt, Ali Kur habe aufgrund seiner türkischen Staatsangehörigkeit keinen Anspruch auf Auslieferung.

Inzwischen konzentriert sich die immer noch 42-köpfige Mordkommission vor allem auf die Frage, wie der mutmaßliche Täter sein Opfer vom Tatort in Paderborn zum Möhnesee schaffen konnte. Da Ali Kur, der keinen Führerschein hat, in den vergangenen Monaten desöfteren mit verschiedenen Autos in Paderborn unterwegs war, vermuten die Fahnder, er habe sich noch am Tag der Tat einen Wagen geliehen und die Leiche weggeschafft. Kurs Ehefrau Zehra könnte dabei nach Ansicht der Polizei zumindest Mitwisserin gewesen sein.

Die Kinder in der Siedlung dürfen nicht mehr raus

Der Schock über die Tat sitzt tief. Vor allem in der türkischen Siedlung der Paderborner Südstadt, in der Kardelen gelebt hat. So eng war man all die Jahre, so viele Kinder sind hier schon groß geworden. So wie Ali Ehmaci, der junge Mann, der im Haus gegenüber von Kardelen wohnt. In den Sommern spielte er dort bis elf, zwölf Uhr nachts. Wie auch schon sein Vater. Doch nun, nach Kardelens Tod, ist alles anders. „Sie lassen ihre Kinder jetzt nicht mehr nach draußen”, sagt Ali Ehmaci.

Empörung über diese Tat, wohin man hört. In den türkischen Teestuben von Herne, wo Ali Kur einige Jahre lebte, wo seine Frau Zehra 2006 ein paar Monate einen Ein-EuroJob im Streichelzoo des Stadtgartens Wanne annahm. Kummer und Wut auch in der Ditib-Moschee von Paderborn, in der die Trauerfeier für Kardelen stattfand. Nebenan, in dem türkischen Cafe´ soll Ali Kur öfter beim Kartenspiel, an den Automaten gesehen worden sein. Mehr als „Hallo!” habe er nie gesagt.

In der Landespolizeischule Stukenbrock warten indes die Leichenspürhunde auf ihren Einsatz. Denn irgendjemand hat Ali Kur sein Auto geliehen, und wenn die tote Kardelen damit transportiert wurde, die Hunde werden es riechen.

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Hayke Lanwert

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Kommentare
05.02.2009
23:44
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #1

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