Kampf der Kulturen 2.0
16.01.2009 | 10:56 Uhr 2009-01-16T10:56:30+0100NETZHAUT Neues Jahr, altes Problem: die Privatsphäre eines jeden Bürgers erodiert schneller als die Gletscher schmelzen und fast alle schauen tatenlos zu. ...
... BKA-Gesetz und Vorratsdatenspeicherung aus dem Hause Big Brother Schäuble wurden nahezu widerspruchslos durchgewinkt und man wünschte sich plötzlich Frau Leutheusser-Schnarrenberger zurück in ein Ministeramt.
Hier werden Gesetze von Menschen gemacht, die den Gegenstand ihrer Gesetzgebung und die tatsächlichen Implikationen nicht vollständig erfasst haben. Das ist kein intellektuelles Problem, sondern ein kulturelles. Jedem ist völlig einleuchtend, dass man nicht ohne einen Durchsuchungsbefehl fremde Haustüren eintreten und Wohnungen auf den Kopf stellen kann, schließlich ist die Privatsphäre ein hohes Gut.
Und genau wegen dieser Wertschätzung der Privatsphäre leuchtet mir nicht ein, warum man den Computer ohne strenge richterliche Überprüfung einfach ausspähen dürfen sollte. Denn für die meisten Menschen meiner Generation ist der Inhalt der Festplatte elementarer Bestandteil ihrer Privatsphäre. Mein Rechner enthält die intimsten Spuren meines Lebens. Liebesbriefe ebenso wie Familienfotos, Steuererklärungen so wie Bankgeschäfte. Das Eindringen in diesen digitalen Raum sollte strengen, überprüfbaren Regeln unterliegen.
Für die Generation Schäuble ist der Computer jedoch bestenfalls ein Arbeitsgerät, mit dem man sich notgedrungen arrangiert. Die meisten Dokumente wandern ausschließlich als Ausdruck in die Ablage und digitale Spuren hinterlässt man eher versehentlich. Dennoch sollte der Schutz meiner Privatsphäre nicht einfach so in diesem kulturellen Graben versenkt werden dürfen.
Katharina Borchert ist Chefredakteurin des Internetportals DerWesten
0mitdiskutieren