Internetmord: Hamburger sieht sich ferngesteuert
14.01.2009 | 18:40 Uhr 2009-01-14T18:40:00+0100Essen. Rund 150 Frauen hatte er über Kontakt-Börsen im Internet kennengelernt und getroffen. Zwei von ihnen tötete er. Insgesamt hat Richter Andreas Labentz 14 Tage für den Prozess gegen den 27-jährigen Hamburger "Chatroom-Mörder" vorgesehen. Die Beweislage ist nicht einfach.
Der Medienandrang ist gewaltig, und der Angeklagte spielt mit. Klar, sein Gesicht könne ruhig jeder sehen, das Foto müsse nicht unkenntlich gemacht werden. Denn das, was den 27 Jahre alten Hamburger am Mittwoch auf die Anklagebank im Essener Schwurgericht gebracht hat, hängt mit der neuen Medienwelt zusammen. In „Chatrooms” des Internet, etwa „knuddels.de”, hat er die beiden Frauen kennengelernt, deren heimtückische Ermordung ihm Staatsanwalt Hans-Christian Gutjahr vorwirft.
Christian G. gesteht, dass die Frauen durch ihn ums Leben kamen. Am 5. Juni will er der 26 Jahre alten Jessica K. im norddeutschen Stade nur kurz an den Hals gefasst haben, bevor sie unvermittelt und leblos zu Boden sank. Und bei der 39 Jahre alten Regina B. aus Marl, will er im Wahn wie ferngesteuert getötet haben. Er spricht davon, dass er „die Augen von Jesus” gesehen habe, als sie ihm mit einer falschen Vergewaltigungsanzeige gedroht habe. Genaue Erinnerungen an diese Tat will er nicht haben. 26 Stichverletzungen wies die Leiche der Frau auf.
Weit weist er den Vorwurf von sich, eine Art Serienmörder zu sein: „Ich habe über Kontakt-Börsen im Internet rund 150 Frauen kennengelernt und getroffen. Alle diese Frauen waren nach unseren Treffen noch am Leben.” In seiner Erklärung, die Verteidiger Burkhard Benecken verliest, singt Christian G. das hohe Lied des Internets. Nächtelang habe er in Chatrooms geplaudert: „Fast habe ich sie als meine Familie angesehen.”
Insgesamt hat Richter Andreas Labentz 14 Tage für den Prozess vorgesehen. Die Beweislage ist nicht einfach. Weil die Leiche der 26-Jährigen in Stade über zwei Wochen im Wald lag, ist nicht einmal klar, wie sie genau ums Leben kam. Dass ihr Blut an seinen Schuhe gefunden wurde, erklärt Christian G.. leicht: Sie habe zuvor beim Treffen in der Stadt heftig aus der Nase geblutet.

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