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Immer mehr Christen verlassen das Heilige Land

06.05.2009 | 13:01 Uhr

Kairo. Wenn Benedikt XVI. ab Freitag in den folgenden acht Tagen die Ursprungsorte des Christentums besucht, dann stehen zusammen mit dem Papst auch die Christen im Heiligen Land für kurze Zeit wieder im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Immer mehr von ihnen verlassen Israel.

Schätzungsweise 2000 Journalisten befinden sich im Tross des Kirchenoberhauptes. Die öffentlichen Gottesdienste in Jerusalem und Nazareth werden weltweit Millionen Menschen live am Fernsehen mitverfolgen. Trotzdem bilden die etwa 160.000 Christen vor Ort nur eine kleine Randgruppe, die kaum zwei Prozent der Bevölkerung ausmacht. 110.000 leben in Israel, überwiegend in Galiläa. 50.000 wohnen in den palästinensischen Gebieten.

Christen sehen für sich und ihre Kinder keine Zukunft

Vorfreude auf den Papst: Palästinensische Pfadfinder in Bethlehem. Foto: Katharina Eglau

Im Gazastreifen sowie in den Regionen um Nablus und Jericho beträgt die Zahl der Christen jeweils nur wenige Hunderte. In Bethlehem und im Raum Ramallah dagegen stellen sie teilweise noch ein Drittel der Bewohner – mit fallender Tendenz. Denn seit Jahren wandern Christen aus, weil sie für sich und ihre Kinder keine Zukunft mehr sehen. Teilweise besser gebildet als die Mehrheit ihrer muslimischen Mitbürger, kehren Tausende ihrer Heimat entnervt den Rücken.

Die Mehrheit der weltweit gut 400 000 palästinensischen Christen jedoch lebt auf anderen Kontinenten. Manche Gemeinde in Kanada, Australien oder Südamerika ist heute größer als die in Jerusalem oder Bethlehem. Beispielhaft für diesen Exodus ist die Entwicklung in Jerusalem: Vor der Staatsgründung Israels lebten hier 30.000 Christen unter 200.000 Einwohnern. 60 Jahre später sind es noch 12.000 Christen unter 740.000 Bürgern, davon 4000 Nicht-Palästinenser.

Eines Tages werde man sich fragen, „ob Jesus wirklich hier war, wenn keine Menschen mehr vor Ort präsent sind, die an ihn glauben”, befürchtet das Oberhaupt der melkitischen Katholiken, Erzbischof Lufti Laham. „Dann wird das Heilige Land für die Christen zu einem Museum.”

Deutliche Töne vom Patriarchen

Info
Acht Tage

Bei seinem achttägigen Aufenthalt besucht der Papst Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete. Für Sonntag ist eine Papstmesse im Stadion von Amman vorgesehen. In Israel sind von Montag an Begegnungen mit Regierungsvertretern sowie ein Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem geplant.

Insgesamt 30 christliche Gruppierungen sind in der Heimat Jesu präsent, die fast das gesamte konfessionelle Spektrum abdecken. Zu den größeren Kirchen zählen die Katholiken, die Griechisch-Katholischen, die Griechisch-Orthodoxen und die Protestanten. Dagegen sind die Kopten, Äthiopier und Syrisch-Orthodoxe vom Verschwinden bedroht.

Zur Schlüsselfigur dieser nahöstlichen Ökumene hat sich der lateinische Patriarch von Jerusalem entwickelt. Der seit den Kreuzzügen verwaiste Bischofssitz war 1847 von Rom wiedererrichtet. Fouad Twal, ein christlicher Jordanier, dessen Großeltern noch in der Wüste als Beduinen lebten, gilt als politisch geschmeidiger als sein Vorgänger. Er war 18 Jahre im diplomatischen Dienst des Vatikans und danach Erzbischof von Tunis.

 Doch bereits in seiner ersten Weihnachtsbotschaft vor vier Monaten schlug er deutliche Töne an. Die Mauer, die Israel errichtet hat, trage bei „zur Entstehung von Gewalt und Demütigung und erzeuge Groll und Hass”, schrieb er. Jerusalem werde durch den Bau jüdischer Siedlungen stranguliert, was immer mehr Christen ins Exil treibe.

Die Bischöfe warnen

Auch die Bischöfe der orthodoxen, anglikanischen und lutherischen Kirchen warnen immer wieder vor dem Aussterben der palästinensischen Gemeinden. Verantwortlich dafür ist in den Augen aller Oberhirten „die illegale israelische Besatzung”. Sie „macht es für uns Christen ebenso wie für das ganze palästinensische Volk, dessen Teil wir sind, unmöglich, in Würde, Freiheit und Sicherheit zu leben”, schrieben sie.

Um das Schrumpfen der Gemeinden einzudämmen, versuchen vor allem die katholische und die protestantischen Kirchen, die Menschen durch soziale Projekte zu halten: Günstige Wohnungen sollen Familien zum Bleiben bewegen, Schulen und Ausbildungsprogramme jungen Menschen eine neue Perspektive geben. „Wir dürfen uns nicht in die Opferrolle zurückziehen, sondern müssen aktiv bleiben”, sagt Bernard Sabella, Soziologe an der Bethlehem Universität und palästinensischer Abgeordneter. „Christen im Heiligen Land sind schließlich kein westlicher Import, sondern hier tief verwurzelt.”

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Martin Gehlen

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Kommentare
09.05.2009
01:18
Immer mehr Christen verlassen das Heilige Land
von dasKollektiv | #37

@#26 thomas-62

ihre eigenen Worte:
Christlicher Glaube im Sinne seines Begründers und das, was Menschen aus Macht- und Habgier daraus gemacht haben

Ich denke wir sind uns einig, nur haben wir andere Worte gewählt.

Gruss

09.05.2009
01:12
Immer mehr Christen verlassen das Heilige Land
von thomas-62 | #36

3 @#24 dasKollektiv

Von welcher aktuellen Realität, die das Christentum als solches kennzeichnete, sprechen Sie?

Gruß

09.05.2009
01:06
Immer mehr Christen verlassen das Heilige Land
von thomas-62 | #35

@#23 Fatih

Ich finde eher, daß Sie hier einiges durcheinander bringen. Wie Sie sicher wissen, ist die Hamas nicht schiitischen, sondern sunnitischen Glaubens. Insofern ist der Hinweis auf Al-Kaida, die ja ebenfalls sunnitisch geprägt ist, nicht so weit hergeholt, wie Sie dies glauben machen wollen, und dementsprechend gibt es also auch Parallelen und Verbindungen. Daß Hamas sich nicht Al-Kaida unterstellt und ihre eigene Sache macht, ist soweit klar. Nur kann man daraus nicht herleiten, daß es hier keine Überschneidungen gäbe. Es hat längst auch Schulterschlüsse gegeben, vergleiche:

http://www.zeit.de/2009/03/Naher-Osten

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29539/1.html

Wo es um ihren Haß gegen Israel geht, sind sie sich durchaus einig, kämpfen in derselben Richtung und unterstützen sich auch. Quasi als Zweckbündnis auf Zeit.

Daß in dem Bereich (Syrien etc.) ansonsten die schiitische Hisbollah ihren Einfluß geltend macht, ist ja bekannt. Daß beide sich bekämpfen (da die Sunniten die Schiiten für nicht rechtgläubig halten) auch. Im Irak zu sehen, soweit also nichts Neues.

Auf einen Satz möchte ich noch eingehen, Zitat: Dass so viele Christen fortziehen, liegt daran, weil sie es leichter haben in einem anderen Land Aufnahme zu finden als ihr moslemischen Brüder und Schwestern.

Daß ich einem Land es leichter hätte, aufgenommen zu werden, reichte mir nicht als Grund aus, meine Heimat aufzugeben. Ihnen etwa? Sicher nicht.

Warum wohl war in einem der ersten Sätze des Papstes, den er an König Abdullah richtete, von einem Respektieren der Religionsfreiheit die Rede? Aus Kalkül? Nur zum Spaß? Weil es einfach nur schick ist und den Monarchen ergötzt?

08.05.2009
22:35
Immer mehr Christen verlassen das Heilige Land
von dasKollektiv | #34

@#22 thomas-62

Vorschlag zur Güte: Christlicher Glaube im Sinne seines Begründers und das, was Menschen aus Macht- und Habgier daraus gemacht haben, sind durchaus zweierlei. Bitte vermengen Sie beides nicht.

Ihren Vorschlag nehme ich gerne an, aber man sollte den reinen Glauben nicht mit der aktuellen Realität verwechseln.

Gruss

08.05.2009
10:55
Immer mehr Christen verlassen das Heilige Land
von fatih | #33

thomas-62

Wie können Gruppen wie Hisbollah, Hamas, PLO mit einer Gruppierung wie Al-Kaida in Verbindung stehen.

Alle, aber auch sämtlich alle distanzieren sich nicht nur von, sondern bekämpfen Al-Kaida.

08.05.2009
06:53
Immer mehr Christen verlassen das Heilige Land
von thomas-62 | #32

@ #18 dasKollektiv

Tut mir leid, Sie enttäuschen zu müssen: Im Einklang mit meinem Herrn und Gott Jesus Christus, welcher bekanntlich sagte: Mein Reich ist nicht von dieser Welt verzichten wir gerne auf weltliche Macht. Und wir sind trotzdem noch immer da und verlassen nicht das Land, weil wir nicht Herrscher sein können, wie Sie behauptet haben.

Vorschlag zur Güte: Christlicher Glaube im Sinne seines Begründers und das, was Menschen aus Macht- und Habgier daraus gemacht haben, sind durchaus zweierlei. Bitte vermengen Sie beides nicht.

08.05.2009
06:46
Immer mehr Christen verlassen das Heilige Land
von thomas-62 | #31

Nein, SIE sollten Sich an die Tatsachen halten und uns nicht Dinge verkaufen, die so nicht zutreffen. Natürlich stehen diese Gruppen auch im Zusammenhang mit Al-Kaida (die ja keine festgefügte Organisation, noch nicht mal eine homogene Bewegung an sich ist), sie teilen deren Ideologie. Ich habe im Übrigen auch nirgends behauptet, daß es in Jordanien keine christlichen Gemeinden gäbe. Sie sollten also nicht Dinge unterstellen, die ich nicht gesagt habe, um daraus Falschaussagen konstruieren und unterschieben zu können. Im Übrigen: Seit wann sind wir per Du?

07.05.2009
10:55
Immer mehr Christen verlassen das Heilige Land
von fatih | #30

thomas-62

Ich habe mir noch einmal Deinen Kommentar in Ruhe durchgelesen.

Nun, es gab keine Terrorangriffe auf Kirchen in Gaza und im West-Jordanland.

Dass so viele Christen fortziehen, liegt darn, weil sie es leichter haben in einem anderen Land Aufnahme zu finden als ihr moslemischen Brüder und Schwestern.

Al-Kaida in Verbindung stehende Gruppen gibt es weder in Gaza, Jordanland, Libanon, Syrien oder Jordanien.

Du bringst da eine Menge durcheinander.

07.05.2009
10:15
Immer mehr Christen verlassen das Heilige Land
von fatih | #29

thomas-62

Dein Kommentar ist leider so nicht richtig. Ich will ihn aber nicht im einzelnen korrigieren. In Jordanien, wo fast 80% der Bevölkerung Palästinenser sind, gibt es einen christlichen Bevölkerungsanteil von ca. 80.000. Die Christen können dort frei ihre Religion ausüben und auch so viele Kirchen bauen, wie sie wollen. Papst Benedikt wird ja auch diese Gemeinden besuchen und ca. 4 Tage in Jordanien bleiben.

Bitte halte Dich an die Tatsachen. Danke.

07.05.2009
03:51
Immer mehr Christen verlassen das Heilige Land
von dasKollektiv | #28

Wenn die Christen nicht Herrscher sein können dann ziehen sie ab, wie schon seit Jahrhunderten...
ich wünsche dem Palästinensischen Volk und dem Israelischen Volk eine vernünftige und baldige Beilegung aller Diskrepanzen!

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