Im Handel tobt der Dauer-Schlussverkauf
03.08.2009 | 19:08 Uhr 2009-08-03T19:08:00+0200
Essen. Ob Fernseher, Butter oder Kleider: Händler kommen oft nur über Preisabschläge mit den Verbrauchern ins Geschäft. Im Deutschen Einzelhandel tobt mittlerweile der DSV - der Dauer-Schlussverkauf.
„So billig war's noch nie! Bis zu 70 Prozent Rabatt!” Was sich wie ein Werbespruch aus dem aktuellen Sommerschlussverkauf (SSV) liest, stand schon vor vier Wochen in der Anzeige eines Bekleidungshauses. Und in einem Monat werden Händler vermutlich mit 80 Prozent in die Rabattschlacht ziehen. Das macht deutlich: Im deutschen Einzelhandel tobt inzwischen der DSV, der Dauerschlussverkauf. Der Preiskampf zieht sich längst durch fast alle Handelsbereiche. Ob Textilien, Lebensmittel oder Konsumelektronik – die Verbraucher können sich fast überall über günstige Angebote freuen.
Die Kunden sind im 'Spar-Modus'
Das kommt nicht von ungefähr: Die Wirtschaftskrise zeigt hier eine positive Auswirkung. Da wirtschaftlich verunsicherte Menschen instinktiv auf Sparen umschalten, gehen die Umsätze im Einzelhandel kontinuierlich zurück. Im ersten Halbjahr 2009 waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2,1 Prozent. Deshalb versuchen Händler, mit den Verbrauchern über Preisabschläge ins Geschäft zu kommen.
Besonders spektakulär ging es dabei im Lebensmittelhandel zu: Seit Anfang des Jahres haben allen voran die Discounter mit riesigem Werbeaufwand mehrere „Preisoffensiven” gestartet. Ob Milch, Brot, Butter, Käse, Wurst, Nudeln oder Schokolade – jeder der führenden Billiganbieter reduzierte im Laufe der Monate rund 100 seiner Artikel um bis zu 20 Prozent. Das Gros des Sortiments blieb zumindest preisstabil.
Mit Eigenmarken an der Preisschraube drehen
Aber das typische Lebensmittelangebot bei Discountern und in Supermärkten wird häufig auch neu gemischt. Um noch preiswerter anbieten zu können, setzt der Handel immer mehr auf Eigenmarken. Dahinter verbergen sich meist Markenartikel, die von renommierten Herstellern in anderer Aufmachung für die Handelsketten produziert und von denen viele um ein Drittel günstiger angeboten werden.
Die Verbraucher sind zufrieden. Denn im vergangenen Jahr hatten sie wegen extrem steigender Rohstoffpreise bei Lebensmitteln noch eine deutliche Teuerung von fünf Prozent schlucken müssen. Die Folgen schmeckten dem Handel gar nicht: Die in der Branche als Preissensibelchen berühmt-berüchtigten deutschen Kunden hatten mit Kaufverweigerung reagiert. So sank 2008 der Absatz von Milch, Fleisch und Eiern deutlich. Dieser Trend konnte im Krisenjahr 2009 vermutlich nur durch die Preisabschläge umgekehrt werden.
Flachfernseher 20 Prozent billiger als vor einem Jahr
Ähnlich läuft es jetzt bei der Konsumelektronik. Da berichtet der Metro-Konzern, dass seine Saturn- und Media-Märkte kräftige Umsatzsteigerungen verbuchen können. Und das mitten in der Krise. Aber bei dem enormen Preisrutsch in der Branche kann der typische Schnäppchenjäger offenbar kaum widerstehen. So kosteten LCD-Flachfernseher Ende März (das sind die aktuellsten Zahlen) knapp 20 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik lagen die Preise für Plasma-Fernseher um 26 Prozent niedriger. Camcorder und Notebooks waren jeweils 16 Prozent billiger, USB-Sticks 26 Prozent und PC-Monitore 30 Prozent. Navis kosteten im Schnitt 15 Prozent weniger als vor Jahresfrist.
Das riesige Geschäft mit großen Fernsehern kommt nicht von ungefähr. Für Psychologen ist das ebenfalls eine Krisenfolge: Da viele Menschen „das Elend da draußen” nicht mehr sehen wollen, igeln sie sich in ihrer häuslichen Umgebung ein, machen es sich möglichst gemütlich. Auch Anbieter von Möbeln und Gartenutensilien profitieren auf diese Weise oft von Krisen.
Wie lange sich der Handel noch durch die unsicheren Zeiten hangeln kann, ist ungewiss. Es mehren sich die Stimmen, die vor einer bald kräftigen Abkühlung des Konsumklimas warnen. So erwartet Rewe, zweitgrößter Lebensmittelhändler in der Republik, einen „schwierigen Herbst und Winter”. Nach einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen dürfte die Konsumlaune schnell abkühlen, befürchtet der Konzern. Und selbst die Discounter, die ihren Marktanteil in Deutschland seit Jahren stetig auf zuletzt 44 Prozent erhöht haben, spüren laut Gesellschaft für Konsumforschung erstmals leichten Gegenwind. Doch das könnte bedeuten, dass die Billiganbieter nach den Ferien neue „Preisoffensiven” starten.

11:13
Ausverkauf verdient tlw. den namen nicht.
bei kaufhof hängen zwar überall sale schilder mit rabattprozenten.
wenn man sich die ware genauer ansieht stellt man fest, dass die preise immer noch 50% über denen von C&A, geschweige denn kik liegen.
mit dem wort ausverkauf wird viel dummenfang betrieben u. die preise sind nicht deflationär, sondern im vergleich zu 10 jahren früher immer noch inflationär hoch !
weil die löhne unterm strich ca. 25% kaufkraft verloren haben gehen viele nur noch auf schnäppchenjagd um den lebensstandart in etwa aufrecht zu erhalten.
wir können dankbar sein, dass sich vor allem die discounter solche wettbewerbsschlachten bieten, dass hält die preise unten u. bietet auch bei weniger kaufkraft noch genug gelegenheiten vielfältig einzukaufen.
in unseren nachbarländern, frankreich, niederlande, aber auch in spanien u. italien sind die preise viel höher wegen fehlender konkurrenz.
ein monopolkaufhaus wie Corte ingles in spanien könnte sich mit seinen hohen preisen hier nicht halten !
12:20
Das ist kein Dauer Schlussverkauf....eigentlich nennt man den Preisverfall DEFLATION
12:14
alles richtig, was in den komentaren zuvor gesagt wurde. ergänzend:
wie es es möglich die ware um bis zu 80% reduziert zu verkaufen? geben die händler ihre produkte mit verlusten ab? heißt, sie beschenken uns, ihre kunden? wohl kaum! die wahrheit ist, sie haben ihre artikel mit unsagbar erhöhten preisen am markt angeboten und, verdienen trotz immensen preisnachlas immer noch. wer das nicht glaubt, glaubt auch noch an osterhase und nikolaus ...
10:42
Journalisten, die keine Ahnung haben, schreiben solche Sachen wie:
Im Handel tobt der Dauer-Schlussverkauf....Das kommt nicht von ungefähr: Die Wirtschaftskrise zeigt hier eine positive Auswirkung.
Solche Journalisten haben keine Ahnung von der Geschichte (insbesodnere Wirtschaftsgeschichte) und sie haben keinen Schimmer, was Deflation ist.
Der Preiskampf ist schädlich. Er verschärft die Krise und schafft Arbeitslose.
Warum haben wir nur solche dämlichen Journalisten in diesem Land?
07:28
Letzte Woche hieß es noch: Die Kaufkraft ist groß. Heute jammert der Einzelhandel. Die Leute kaufen nicht. Ich frage mich auch: WOVON? Die Preise sind von der DM nicht umgerechnet worden, sondern das DM-Zeichen wurde in ein €-zeichen umgeändert. Da wundern sich die Firmen, dass nicht gekauft wird? Ich denke, in den Medien wird immer so geschrieben, wie es gerade passt. Das schlimme finde ich ist, dass diejenigen die jede Woche einen anderen Blödsinn schreiben denken, dass wir Bürger vergessen haben, was letzte Woche in der Zeitung stand.
23:37
Vor gut einer Woche wurde genau an dieser Stelle hier -also bei derwesten.de- noch die angeblich ungebremste Kauflaune der Deutschen bejubelt.
Heute diese Meldung.
Aber kurz vor den Wahlen kommen hier dann wieder neue Meldungen aus Berlin a la Der Endsieg ist nahe!, sprich, der Einzelhandel brummt wie irre und es gibt keine Arbeitslosen mehr.
Mensch @ derwesten.de, nicht böse sein, aber so einen Käse wie Ihr hier schreibt, den kann man sich doch nicht auch noch teuer als Blattformat abonieren!!!
Und dann Eure ständigen Zensuren im Kommentarbereich. Einfach lächerlich!
21:26
Kauft Kämme, Leute! Es kommen lausige Zeiten!