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02.04.2008 | 16:29 Uhr

Aus Oberhausen schrieb eine ganze Familie an die Redaktion. Vater, Mutter und drei Kinder notierten auf einer bunten Postkarte, warum sie die WAZ lesen – auch wenn die Jüngste das noch gar nicht kann.

Oberhausen. Bono liest immer das Wetter, „dann weiß ich, ob es regnet oder wie kalt es ist”. Lenny liest alles über Schalke. Ariane liest zuerst den Lokalteil, Christian den Sport, nur Ella kann die Zeitung noch nicht lesen, aber auch schon leiden: „Weil viele Oberhausener meine Geburtsanzeige lesen konnten”, schrieb die Mutter im Namen der Tochter. Und das ist erst Wochen her: dass Ella in diese Familie kam, in der die WAZ schon war.

Eine für alle: Bono (8), Christian (40), Lenny (6), Ella (vier Monate) Kortz und Ariane (40) Lehmen-Kortz aus Oberhausen teilen die WAZ. Fotos: WAZ, Matthias Graben

 Denn die Zeitung kommt hier jeden Morgen zuerst, „der erste, der unten ist, holt sie rein”. Das war schon früher so, als Christian und Ariane, die heute 40 sind, sie noch für ihre eigenen Eltern kauften, beim Bäcker – oder später für sich selbst an der Bude. Vor acht Jahren haben sie die WAZ dann abonniert, da war Bono unterwegs, und die werdenden Großeltern warben ihre Kinder: Sie haben das Kettcar noch, das sie damals bekamen, als Werbegeschenk.

 Bei den Kortz' ist die morgendliche Zeitung „eine Gewohnheitsgeschichte”, voller Rituale: Ariane Lehmen-Kortz liest die WAZ „ausgiebig beim Stillen auf dem Sofa” (was der Gatte ungerecht findet, „weil wir Männer das nicht können”). Beim Lokalteil fängt sie an, „und dann geht's in die ganze Welt”. Wobei: Vorher schaut die Sozialpädagogin in die Familienanzeigen, die liebt sie und schaltet sie zuweilen selbst, „um jemandem etwas Nettes zu tun”. Erst kürzlich noch zum Valentinstag, „Papi”, stand darin, „wir haben dich lieb”, und sogar der Trainer im Fußballverein hat's gesehen. Zur eigenen, blechernen Hochzeit hätte Ariane auch gern eine Anzeige gehabt, aber nach acht Jahren Ehe weiß sie, wann sie verloren hat. „Diesmal nicht”, hat Christian gesagt.

Job aus dem Anzeigenteil

 Dabei liest der auch Anzeigen. Die Todesanzeigen, immer, „ich weiß auch nicht warum”, und die Stellenanzeigen, „nur so aus Neugier”. Wobei diese Neugier den Ingenieur schon zweimal in einen neuen Job führte: „Guck mal”, sagte er da, „die suchen mich!” Bewarb sich und wurde wirklich genommen. Seit kurzem fährt Christian Kortz mit dem Auto zur Arbeit, früher, im Zug, hat er die WAZ mitgenommen, und Ariane bekam sie erst am nächsten Tag.

 Nun aber liest er den Sport beim Frühstück oder sonntags früh mit der ganzen Familie im Bett, „und dann fang ich wieder von vorne an”. Zwar reicht die Zeit selten, um alles zu verschlingen, Christian liest, „wenn ich hängenbleibe”. Die Wirtschaft, „Bericht und Hintergrund” und die „99 Sekunden”, denn „da sieht man schnell, was man verpasst hat”. Nur der Lokalteil wird manchmal geschludert: „Ich bin ein Rauspicker.”

 Also pickt er, was ihn interessiert, weil das in der WAZ „so nett zurechtgerückt ist für den täglichen Gebrauch”. Und freitags das Leserforum: „Weil wir es wichtig finden, dass die Leute ihre eigene Meinung kundtun können.” So viele Gründe, die Zeitung zu lesen, und die wesentlichen hatte die Familie ja schon auf ihre Postkarte geschrieben: „Ich mag die WAZ, weil. . . wir Interesse an unserer Stadt und der Welt haben (alle)”, notierte Ariane gleich unter den Satz mit der Geburtsanzeige („Ella, 12 Wochen”). Und dass es wichtig sei, „sich ein Bild zu machen und sich zu bilden”.

Kinder lesen den Sport

Durchblick für den Papa: Aus einer alten WAZ haben Bono und Lenny einen Rahmen für den Computer gebastelt.

 Aber ewig können Eltern die Zeitung trotzdem nicht festhalten, die schon große Söhne haben: „Die Herren sind sehr fixiert auf Tabellen und Zahlen” – klar, das hat Lenny (6) auch an die Redaktion geschickt: „Ich mag die WAZ wegen dem Sport.” In Druckschrift. Bono, der acht ist, schreibt schon Ausgangsschrift: „Weil in der Zeitung die neuesten Informationen zum Fußball sind.” Bono war auch mal selbst drin: als Zweiter bei einem Schwimmwettkampf und beim Kinderkarneval – verkleidet als Fußballer.

 Sie haben die Fotos in Alben geklebt, wie auch die Geburtsanzeigen und die zur Einschulung – und hier und da einen Artikel über ein geschichtsträchtiges Ereignis. Und alles, was über Lenny Kravitz und Bono von U 2 in der WAZ steht, weil die Musiker die Namensgeber der Jungs sind. Überhaupt kann man gut basteln mit der Zeitung: Schöne Sachen aus Pappmaché, und zu Papas Geburtstag einen Rahmen für seinen Computer-Monitor. Dafür haben die Kinder mit Mamas Hilfe Schnipsel zerknüddelt und bemalt, mit Blättern und Marienkäfern.

 Sinnvoller kann man die WAZ kaum nutzen, selbst wenn sie erst gelesen ist. Dann kommt sie auch bei Kortz' in die blaue Tonne. Oder fängt Kartoffelschalen auf.

Von Annika Fischer

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