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Magersucht

Hungern als Kick

16.04.2008 | 20:03 Uhr

Essen. Katharina Münch aus Essen war Model und Playmate des Jahres 2003. Dann wurde sie magersüchtig. 40 Kilo wog die Frau bei einer Größe von 1,73 Metern. Nur eine Therapie konnte ihr Leben retten.

Katharina Münch

Essen. Einst hatte sie Träume. Sie wollte Prinzessin werden. Oder Fotomodel. Und dann, als ihr Leben in die Brüche ging, als sie zu verhungern drohte, hatte sie nur noch einen Wunsch – Normalität. In einem Café zu sitzen, Kaffee zu trinken, mit Freunden reden.

Heute sitzt Katharina Münch (27) in einem Café, trinkt Kaffee. Sie ist „zurück im Leben”, sagt sie. Noch bis vor einem Jahr steckte sie mitten drin, in einer Krise, die vier Jahre dauerte. „Meine Eltern sahen ihr verhungerndes Kind und konnten nichts machen.”  Katharina Münch aus Essen riecht nach Pfefferminz. Frisch. Sie wirkt fröhlich, fit in ihrem rosa Shirt, unter dem die dünnen Arme versteckt sind. Sie sagt: „Ich war am Ende, aber ich ließ keinen an mich 'ran.” Sie war immun gegen die Bitten der Eltern, der Freunde sich in einer Klinik behandeln zu lassen. „Zu der Zeit war ich gefühlsmäßig tot.” Es war die Zeit, als sie sich auf 40 Kilo runterhungerte. Bei einer Größe von 1,73 Meter. Sie aß so gut wie nichts. „Von sieben, acht Salatköpfen nimmt man ja eher ab.”

Schon mit vier Jahren auf dem Laufsteg

Dabei wollte sie gar nicht unbedingt dünn sein. Es war die Folge ihres Lebens, in dem sie schon mit vier Jahren auf dem Laufsteg posierte. „Ich habe Kinderfotos für ein Kaufhaus gemacht. Damals habe ich mich wohl gefühlt.” Es war der Anfang eines Lebens, das nur eine Note kannte: die für gutes Aussehen. Alles drehte sich um die Optik. Die sie doll bediente. Ihre Eltern – Mutter Hausfrau, Vater Mathematiker – förderten sie auf diesem Weg. „Sie haben die späteren Auswirkungen wohl nicht bedacht”, sagt sie leise.

Nicht bedacht, dass der Mensch Katharina hinter der Puppe Katharina verkümmerte. Statt zu spielen, Freundschaften zu knüpfen, gab es für das Mädchen nur eins: die Pflege der Hülle, des äußeren Scheins. „Man merkt ja erst gar nicht, dass die wesentlichen Dinge des Lebens im eigenen Leben nicht stattfinden.” Weil der Erfolg blendete. Sie wurde Model und 2003 zum Playboy-Playmate gewählt. „Ich sah damals super aus. Sehr makellos.”  Sie hat erst gar nicht gespürt, wie sie darunter litt, dass sich keiner für sie als Mensch interessierte. Damals beim Foto-Shooting genau wie beim Modeln auf Messen wie der Düsseldorfer CPD. „Die Modelwelt ist oberflächlich. Du musst gut drauf sein. Da interessiert es keinen, ob Du traurig bist oder Schmerzen hast.”

Angst vor dem Leben

Dieses Leben machte ihr Angst. Innerlich. Doch davon wollte keiner Notiz nehmen. Am wenigsten sie selbst. Was hätte sie tun sollen? Sie kannte doch nichts anderes. Sie flüchtete in den Sport. Laufband. Fahrrad, Stepper. Und betäubte sich mit der „Nüchtern-Euphorie”. „Das Hungergefühl war mein Kick.” Und der Kick wurde zur Sucht. Einfach mal rauszugehen, sich ein Brötchen zu holen – undenkbar. „Diese Schwäche hätte ich mir nicht zugestanden.” Erst war da das Dogma, dünn zu sein, um schön zu sein. Dann wurde ihre Magersucht zum Hilfeschrei, herauszukommen aus einer Welt, in der sie verloren war.

Als sie runter war, auf vierzig Kilo, als sie keine Nacht mehr durchschlief, weil die Hormone verrückt spielten, Schweißattacken, so dass sie das Bett drei- bis vier Mal neu beziehen musste, keine Ruhe mehr ertragen konnte, lebensbedrohlich dünn und heulend auf dem Cross-Trainer stand, da war klar: Schluss damit. Sie ließ sich therapieren. Erst in der Klinik, dann ambulant. Noch heute ist sie in Behandlung. Sie hat gekämpft, um daraus zu kommen. „Ich habe komplett neu anfangen müssen mit dem Leben.” Hat lernen müssen, was wichtig ist: Auf die Ängste zu hören und sie nicht auszublenden.

Hat sie es geschafft? Sie, die heute als Fitness-Trainerin arbeitet, sagt fest „ja”. Dabei sieht sie zerbrechlich aus mit ihren 57 Kilo. „Ich mache viel Sport. Aber ich esse, wann ich Hunger habe.” Ihre „neue Freiheit” sei das, im Supermarkt Popcorn zu kaufen oder Erdnüsse. Gesundes Essen? Damit plage sie sich nicht. Freiheit ist ihr Thema. Auch die Freiheit, nie mehr auf die Waage zu gehen. Und das schön zu finden, was für die Modelwelt nicht zähle – die innere Ausstrahlung.  Katharina Münch hat sich gefunden, sagt sie. Und ihr Traum heute ist, dass sie sich nie mehr verliert.

> Mehr zum Thema: Dem Magerwahn einen Riegel vorschieben

> Mehr zum Thema: Neue Vorbilder statt Gesetze

> Diskussion um Thema: Schlankheitswahn auch bei uns per Gesetz verbieten?

Petra Koruhn

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Kommentare
18.04.2008
21:51
Hungern als Kick
von Mille | #3

Kein Mensch sucht sich Krankheiten aus, und ich kann ihr nur gratulieren, das sie aus dem Teufelskreis rausgekommen ist.

17.04.2008
10:59
Hungern als Kick
von spidersh | #2

Unerträglich, was hier manchmal für unqualifizierte Kommentare abgegeben werden. Was hat das mit Dämlichkeit zu tun?

17.04.2008
10:06
Hungern als Kick
von Bukowski | #1

...genau wie die einen fähig sind, Sachverhalte differenziert zu betrachten und die anderen alles nur schwarz - weiss sehen...

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