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Gysi ist der Leviten-Leser der Linkspartei

11.01.2010 | 17:22 Uhr

Als brutalst möglicher Leviten-Leser in den eigenen Reihen ist Gregor Gysi ebenso amüsant wie unerreicht.

Niemand hat das Schlitzohr und die Autorität, der Linkspartei in unregelmäßigen Abständen charmant ins Gesicht zu schleudern, dass sie sich in die Bedeutungslosigkeit verabschiedet, wenn sie ihre an der Trennlinie West/Ost festzumachenden Scharmützel untereinander nicht einstellt.

Ob Gysi mit seiner „Predigt” nachhaltig durchgedrungen ist, muss jedoch bezweifelt werden. Selbst wenn der Konflikt um den scheidenden Bundesgeschäftsführer Bartsch und Parteichef Lafontaine ohne Ansehensverluste für beide beigelegt werden sollte – das Problem bleibt: Die aus ungleichen Teilen zusammengelötete Partei, Mitgestaltungsbereite aus dem Osten, zur Fundamentalopposition Entschlossene aus dem Westen, steht mental an einer Kreuzung und weiß noch immer nicht, wohin abbiegen? Reform oder Revolte? Gysi hat mit beschwörenden Worten an die Einsichtsfähigkeit appelliert, diese Entscheidung könne nur friedlich und gemeinsam getroffen werden. Mal sehen, wie lange er und die anderen „Pazifisten” in diesem beinharten Machtkampf politisch am Leben bleiben.

Dirk Hautkapp

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