Go, Schnarre, go!
01.10.2009 | 19:48 Uhr 2009-10-01T19:48:00+0200Wer hätte gedacht, dass eine Frau mit reichlich sperrigem Doppelnamen und nicht sonderlich coolem Auftreten fast über Nacht zur Hoffnungsträgerin für eine Generation internetsozialisierter Bürgerrechtsaktivisten werden könnte.
Die meisten von ihnen werden sich nicht mal an Frau Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erinnern. Schließlich ist sie als Justizministerin vor fast 15 Jahren zurückgetreten, als viele heutige Netzsperrengegner kaum Wichtigeres kannten als ihren Gameboy.
Aber denjenigen, die sich, wenngleich schmerzlich, an ein Leben ohne Internet erinnern, wird „Schnarre” ein Begriff sein. Ebenso wie ihre extreme Abneigung gegen staatliche Eingriffe in die Privatsphäre. Sie hatte ihr Amt aus Protest gegen die Unterstützung der eigenen Partei für den Großen Lauschangriff niedergelegt und sich immer wieder vehement gegen den Überwachungsfetisch vieler Kollegen gewandt. Die Vorratsdatenspeicherung findet so wenig Gnade vor ihren Augen wie die Netzsperren.
Das Netzthema nach der Wahl
Genau deshalb ist sie seit dem Wahlabend wieder Hauptgesprächsthema im Netz. Viele Kommentatoren möchten sie in der neuen Regierung sehen als würdige Gegenspielerin von Zensursula und Schäuble. Die Arbeitsbedingungen wären grundlegend andere als vor 15 Jahren. Jetzt gucken ihr nicht nur Journalisten auf die Finger, sondern eine ganze Netzbewegung wird jede Äußerung auf Youtube & Co. verfolgen.
Der erste Arbeitsauftrag steht ebenfalls schon fest: Die Verbannung der Netzsperren in die Annalen der Geschichte, Abteilung „evolutionäre Sackgassen”.
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