Geschiedenes Ehepaar wegen Mordanklage vor Gericht
01.09.2009 | 18:29 Uhr 2009-09-01T18:29:00+0200Essen. Ein Bottroper Ex-Ehepaar soll den neuen Lebensgefährten der früheren Frau des Angeklagten erschlagen haben. Der Fall wird vor dem Essener Schwurgericht verhandelt.
Essen. Die Spuren deuten auf einen von langer Hand geplanten Mord in Bottrop hin. Doch davon will das geschiedene Ehepaar, das vor dem Essener Schwurgericht auf der Anklagebank sitzt, nichts wissen. Gemeinsam, so die Staatsanwaltschaft, sollen die Bottroperin Sandra S. (34) und ihr früherer Ehemann Markus L. (36) aus Mülheim am 17. Februar den neuen Lebensgefährten der Frau ermordet haben. Zuvor sei der 44 Jahre alte Jörg W. in der Bottroper Wohnung mit Schlafmitteln betäubt worden. Mit Baseballschläger und einem Beil sollen sie auf seinen Kopf eingeschlagen, ihn außerdem erdrosselt haben.
Das Motiv bleibt vage. Beide Angeklagte sprechen zwar davon, dass das spätere Opfer Sandra S. oft geschlagen habe. Doch zuvor hatte sich die Einzelhandelskauffrau und zweifache Mutter bereits einmal ohne größere Probleme von Jörg W. getrennt. Damals hatte er sie herausgeworfen. Jörg W. unterhielt auch mehrere Frauenbekanntschaften.
Die Angeklagten beharren darauf, dass sie vor der Tat keinen Mordplan abgesprochen hätten. Sandra S. will sogar überrascht gewesen sein, dass ihr Ex-Mann mit dem Baseballschläger zuschlug. Sie habe ihn nach einem Streit mit Jörg W. lediglich angerufen und „um Hilfe gebeten”.
Ein Brötchenzulieferer fand den Toten
Richter Andreas Labentz weist mehrfach darauf hin, dass die Tatversion der Angeklagten „so kaum vorstellbar ist”. Kaltblütig wirkt das Verhalten des Ex-Paares nach der Tat. Markus L. hatte die gefesselte und in ein Laken gewickelte Leiche zu einer Kanalbrücke im Essener Norden gefahren. Allerdings schaffte er es nicht, sie über das Geländer zu werfen. Er ließ sie dort liegen, nach wenigen Stunden fand ein Brötchenauslieferer den Toten.

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