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Mittelmeer-Union

Friedensstifter Sarkozy

13.07.2008 | 18:13 Uhr
Friedensstifter Sarkozy

Frankreichs Staatspräsident holte die Chefs der arabischen Welt zusammen mit Israels Premier Ehud Olmert an einen Tisch und feierte seinen Coup als „historisches Ereignis”.

Paris. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy war die Genugtuung über diesen prestigeträchtigen diplomatischen Coup anzusehen. Die Chefs der arabischen Welt mit Israels Premier zur selben Zeit, im selben Saal, am selben Tisch – „das ist ein historisches Ereignis”, klopfte sich Sarkozy am Sonntag selbst auf die Schulter. Dass in der illustren Runde am ovalen Konferenztisch unter der kathedralenhohen Glaskuppel des Pariser Grand Palais lediglich Libyens bizarrer Herrscher Gaddafi fehlte und sich Marokkos und Jordaniens Könige vertreten ließen, ließ sich aus Pariser Sicht verschmerzen.

Denn dass alle anderen, die sich sonst nicht gerade grün sind, über ihren Schatten gesprungen und der Einladung nach Paris gefolgt waren, wertete Sarkozy als großen Erfolg der französischen Diplomatie, mehr noch: als einen „Sieg”. Zur Gründung der „Union für das Mittelmeer”, die der Zusammenarbeit zwischen den EU-Staaten und den südlichen und östlichen Mittelmeerländern neuen Schub verschaffen soll, hatte Sarkozy über 40 Staats- und Regierungschefs nach Paris gerufen. „Ein Traum wird wahr”, schwärmte Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner.

Dass Sarkozy bei dieser Gelegenheit auch Syriens Präsident Bachar el-Assad im Elysée den roten Teppich ausrollte, hatte im Vorfeld für allerlei Debatten gesorgt. Syrien gilt als finstere Macht in der Nahost-Region, die die radikale Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah im Libanon fördert und überdies noch enge Kontakte zum iranischen Mullah-Regime unterhält. Frankreich hatte überdies 2005 alle Kontakte zu Syrien abgebrochen, das im Verdacht steht, beim Attentat auf den libanesischen Ex-Premier Rafik Hariri, einen engen Freund Chiracs, eine entscheidende Rolle gespielt zu haben.

Ein Gastgeschenk, immerhin, hatte Assad mit gebracht. Auf der Pariser Elysée-Bühne vereinbarten der Syrer und Libanons neuer Präsident Michel Sleimane unter Vermittlung Sarkozys, erstmals in der blutgetränkten Geschichte beider Nachbarländer diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Die Freundlichkeiten und Zugeständnisse Syriens hatten freilich ihre Grenzen. Dass Sarkozy Assad nachdrücklich ermahnte, auf die iranischen Mullahs einzuwirken, ihr Atomprogramm zu stoppen, stieß auf eine eher reservierte Antwort.

Kühle Reaktion Ähnlich kühl reagierten die Syrer auch auf ein Angebot des israelischen Premiers Ehud Olmert schon bald, ohne Vermittlung Dritter wie bislang noch, in direkten Gesprächen über die Zukunft der israelisch besetzten Golan-Höhen zu verhandeln. Die „Atmosphäre des Dialogs” (Olmert) im Grand Palais zwischen Champs-Elysées und Seine ging nicht so weit, dass sich Olmert und Assad auch noch vor aller Welt die Hand gaben. Angesichts der Animositäten und Rivalitäten auch innerhalb der arabischen Länder war auf ein „Familienfoto” aller Gipfelteilnehmer in Paris von vornherein verzichtet worden.

Für den eigentlichen Anlass, die Mittelmeer-Union aufs Gleis zu setzen, blieb am Sonntag außer blumigen Grußworten, in denen viel von hehren Absichten die Rede war, kaum Zeit. An der Abschlusserklärung der Konferenz wurde bis zuletzt hektisch gefeilt.

> Diskussion zum Thema: Was bringt die Mittelmeer-Union?

Joachim Rogge

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