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Freundin der Armen

07.02.2008 | 22:06 Uhr

Katrin Feldermann lebt seit zwei Jahren in Rio de Janeiro und kümmert sich dort in der Favela Pereirao um die Kinder in dem Armenviertel. Die 26-jährige Mülheimerin hofft, dass ihre Arbeit eines Tages überflüssig sein wird

Mülheim. Sie ist eine unbequeme politische Größe. Katrin Feldermann weiß das. Und nutzt die Tatsache, wo immer es möglich ist. Die Anwesenheit der jungen Frau in der Favela Pereirao im Süden der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro macht zum Beispiel für die nicht gerade als zimperlich geltende Polizei dort manches schwieriger. Die Deutsche bedeutet Öffentlichkeit. Was wiederum für die 3000 Bewohner des Armenviertels manches leichter macht. Nur das interessiert die 26-jährige Mülheimerin.

"Die Waffen der Polizei schrecken mich nicht", behauptet sie selbstbewusst beim Heimatbesuch an der Ruhr, "das schaffen eher die Knüppel, die man mir zwischen die Beine wirft." Seit zwei Jahren lebt Feldermann überwiegend in Rio. Nach Abschluss des Studiums - inzwischen arbeitet die diplomierte Sozialpädagogin und -arbeiterin an ihrer Dissertation - gab es für sie nur einen Berufswunsch: Entwicklungshilfe. Eine sehr praktische Entwicklungshilfe. "Ich war in Brasilien, ich war in Afrika und habe Projekte kennen gelernt, die den Menschen dort fertige Konzepte - europäische Konzepte - überstülpten. Das kann nicht funktionieren", ist die Mülheimerin überzeugt.

Sie gründete den als gemeinnützig eingetragenen Verein "Amigos", der sich "für die Kinder der einen Welt" engagiert. Den Mülheimer Helge Schneider gewann sie als Schirmherrn für das Projekt, das inzwischen von 30 Mitgliedern getragen wird. Rund 10 000 Euro an Spenden wurden aufgebracht, die Feldermann in den Aufbau eines optimistisch als Kulturstätte bezeichneten Baus gesteckt hat. Dieser Treffpunkt, zu dessen Fertigstellung noch 15 000 Euro fehlen, soll vor allem den Kindern, "ihren Kindern", einen Schutzraum bieten.

Denn das Leben in einer Favela ist eigentlich keines. Zumindest nach deutschen Maßstäben. Der Alltag ist Kampf. Gegen Hunger. Gegen Drogen. Gegen Krankheit. Gegen Gewalt. Und immer wieder gegen die Polizei, die doch eigentlich das Recht schützen sollte. Doch die Ärmsten der Armen in Brasilien haben keine Rechte. Vor allem die Kinder nicht. Und ohne Kindergarten, ohne Schule, ohne medizinische Versorgung gibt es keine Aussicht auf Teilhabe an einem besseren Leben. "Das Schlimmste", so die Mülheimerin, "ist die Kriminalität. Haben die Drogendealer die Kinder, vor allem um die Jungen geht es, erst in ihren Fängen, sind sie verloren." Sie will Alternativen schaffen: "Ich weiß, dass es geht."

In den zwei Jahren in der Favela Pereirao hat Katrin Feldermann mehr Kämpfe erlebt und ausgefochten, als ein ganzes Leben in Mülheim möglich machen würde. Dass die Amigo-Vorsitzende trotzdem dort lebt, wo sie helfen will, hat für sie viel mit Glaubwürdigkeit zu tun. "Die Menschen hier sehen schon sehr genau hin, wie ernst es mir mit meinem Einsatz ist." Die junge Frau würde auch nicht sagen, dass sie "trotzdem" dort lebt, wo der tägliche Polizeibericht an ein besonders übles Drehbuch der blutigeren Sorte erinnert. Fest überzeugt ist sie davon, dass "ihre Favela sie ausgesucht hat", dass das "alles so sein soll".

Gerade erhielt die Vereinsgründerin den "Bürgerpreis" der Mülheimer Grünen. Was ihr mehr bedeutet hat als die 300 Euro, das war die öffentliche Anerkennung. Denn natürlich gäbe es Anfeindungen, Zweifler, die Knüppel, die zwischen die Beine geworfen werden. "Vielleicht sehen ja manche in mir ihr schlechtes Gewissen", versucht Katrin Feldermann eine Erklärung. Was nicht nötig sei. Schließlich müsse nicht jeder nach Brasilien ziehen, um zu helfen. "Aber es ist mein Weg." Für den sie sich "fünf Jahre plus" gibt. Dabei verfolgt sie ein Ziel: "Irgendwann möchte ich da überflüssig sein."

Bei ihren gelegentlichen Aufenthalten in Deutschland wird gejobbt, um die 200, 300 Euro zu sichern, die sie zum Leben in Brasilien monatlich braucht. Dann geht es auch mit der Doktorarbeit weiter, einem Buchprojekt. Ihr Thema, auch im wissenschaftlichen Alltag, sind natürlich "ihre Kinder", die Straßenkinder von Rio.

Von Helga Lange

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Kommentare
12.02.2008
22:50
Freundin der Armen
von Markus K. | #1

Katrin Feldermann lebt seit zwei Jahren in Rio de Janeiro und kümmert sich dort in der Favela Pereirao um die Kinder in dem Armenviertel. Die 26-jährige Mülheimerin hofft, dass ihre Arbeit eines Tages überflüssig sein wird

Warum, weil die REICHEN es geschafft haben werden, dass alle armen verhungert sind? Sorry Babe, der Kampf wird nie enden!

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