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Flughafen im Sinkflug

24.09.2008 | 14:43 Uhr
Flughafen im Sinkflug

Easyjet zieht Maschinen ab, die Lufthansa verabschiedet sich, Germanwings streicht Strecken: Am Flughafen in Dortmund wird es ruhig. Nun soll der neue Flughafenchef für die Trendwende an dem notorisch klammen Airport sorgen.

Dortmund. Ursula Wirtz ist das Gesicht des Dortmunder Fluglärm-Protestes. Seit 22 Jahren organisiert die 66-jährige Rentnerin den Widerstand gegen die Ausbaupläne der Startbahn Ruhrgebiet. 1500 Mitglieder hat die Schutzgemeinschaft Fluglärm. Tendenz steigend. Neulich erhielt Wirtz sogar ungewohntes Lob: Dortmunds scheidender Airport-Chef Manfred Kossack bezeichnete „seine” Fluglärm-Gegner als professionell: „Die stören uns wirksam.”

Im Moment aber sieht es so aus, als könne sich Ursula Wirtz bequem zurücklehnen. Wirksamster Störenfried ist die Flugbranche selbst. Denn seit der Billigflieger Easyjet im Sommer wegen „der denkbar schlechten Rahmenbedingungen” am Dortmunder Flughafen seinen Teilrückzug angekündigt hatte, ist der Landeplatz im Stadtteil Wickede ins Trudeln geraten. Mit Start des Winterflugplans am 26. Oktober streicht Easyjet sein Angebot um die Hälfte. Schlimmer noch: Die Londoner Linie will ihre drei in Dortmund stationierten Maschinen und alle 111 Mitarbeiter abziehen.

Der Flughafen Dortmund aus der Luft.

Auch andere machen den Abflug: Die Lufthansa stellte die Strecke nach München ein und verlässt Dortmund ganz. Tochter Germanwings will ebenfalls ihre Maschine abziehen und zwei Verbindungen kappen. Am Himmel über Dortmund, so viel ist sicher, wird es spürbar ruhiger.

Besonders gravierend bleibt die Schubumkehr der Easyjet-Flotte. Die Briten transportierten knapp die Hälfte der zuletzt jährlich über zwei Millionen Passagiere und katapultierten Dortmund damit auf einen Platz weit vorn im Feld der deutschen Regionalflughäfen. Die Flughafen-Geschäftsführung rechnet mit Verlusten von jährlich sechs bis sieben Millionen Euro. 150 Jobs sind bedroht. Und dass der künftig größte Anbieter eine Luftfahrtgesellschaft namens Wizz Air ist, hat etwas Ernüchterndes – auch wenn die Maschinen des Budapester Billigfliegers in Pink umherfliegen.

Als wäre das alles noch nicht genug, hat auch die in der Airport-Frage wie das Kaninchen vor der Schlange erstarrte Kommunalpolitik den Flughafen vorerst ausgebremst. Acht Monate vor der Kommunalwahl verweigerten CDU und SPD der Geschäftsführung erste Planungsschritte für eine Verlängerung der Betriebszeiten auf 23 Uhr und der Startbahn auf 2300 Meter. Hinter den Kulissen scheint sich allerdings eine große Koalition zur Lösung der Flughafenfrage abzuzeichnen. Dortmunds SPD-Chef Franz-Josef Drabig forderte jüngst, wenigstens über die Verlängerung der Betriebszeiten nachzudenken – eine schwarze Null unter der Jahresbilanz des Flughafens müsse aber schon sein. Ob ein solches Ergebnis erreicht werden kann, bleibt fraglich angesichts eines jährlichen Minusbetrages von rund 20 Millionen Euro, den die Stadtwerke zum Ärger vieler Gebührenzahler Jahr für Jahr durch ihre Überschüsse aus der Energiever- und Müllentsorgung ausgleichen müssen.

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Dortmunder Flughafen vor dem Aus?

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Hoffnungen knüpfen sich an den neuen Flughafenchef Markus Bunk. Der 42-Jährige kommt vom Branchenprimus Frankfurt, wo man mit Luftverkehr richtig Kasse zu machen versteht. Als zwischenzeitlicher Chef des Saarbrücker Flughafens hat Bunk aber auch gelernt, sich vor politisch unklaren Verhältnissen rechtzeitig in die Kurve zu legen. Mit welchen Konzepten er die Krise meistern will, mag Bunk – ab 1. Oktober offiziell im Amt – noch nicht verraten.

Er setzt darauf, dass die Flugbranche trotz steigender Kerosin-Kosten „mittelfristig weiter wachsen” werde. Dass man mit Regionalflughäfen nennenswert Geld verdienen kann, glaubt Bunk aber nicht – und liegt damit auf einer Linie mit Branchenanalysten. Die warnen immer wieder vor einem Ausbau der zahllosen deutschen Regionalflughäfen – auch weil das Ende der Billigfliegerei nicht mehr weit sei.

Michael Kohlstadt

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