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Streitgespräch

Europawahlen am Ende des Turbo-Kapitalismus

08.05.2009 | 20:42 Uhr

Brüssel. Die Europawahlen stehen im Zeichen der Krise. Welche Partei hat die besseren Antworten darauf? Ein Streitgespräch zwischen den Europa-Abgeordneten Sahra Wagenknecht (Die Linke) und Markus Ferber (CSU).

In einem Punkt sind Sie beide einig: Die Teilnahme an der Europa-Wahl ist wichtig. Heißt das, Frau Wagenknecht, ein CSU-Wähler ist Ihnen lieber als ein Nichtwähler?

Sahra Wagenknecht (Die Linke). (Foto: Yannik Willing)

Wagenknecht: Mir ist am liebsten einer, der Die Linke wählt. Damit der Wählerwille zum Ausdruck kommt, muss die Mehrheit zur Wahl gehen. Entscheidend ist aber, dass wir andere Mehrheiten im Plenum bekommen.

Und Sie, Herr Ferber?

Ferber: In Bayern gibt es nicht viele Linke. Es ist aber in unser aller Interesse, dass die einzige vom Bürger direkt gewählte EU-Institution eine starke Legitimation bekommt.

Frau Wagenknecht, kennzeichnen Sie bitte in ein paar kräftigen Strichen die Europapolitik der CDU/CSU. Herr Ferber hat Gelegenheit zum Dementi.

Wagenknecht: Es gibt eine tiefe Kluft zwischen öffentlichen Bekundungen und Abstimmungsverhalten. Wenn die CSU „bayerische Interessen“ vertreten will, sollten da bayerische Arbeitnehmer und Kleinunternehmer dazugehören. Im EP stimmt sie aber neoliberal: für Deregulierung, Privatisierung und eine Politik der Konzerne.

Markus Ferber (CSU). (Foto: ddp)

Ferber: Frau Wagenknecht verwechselt uns mit der FDP. Wir sind als CDU/CSU immer Vertreter der sozialen Marktwirtschaft gewesen. Der Turbo-Kapitalismus ist 20 Jahre nach dem Scheitern des Kommunismus ebenfalls gescheitert.

Und wie sieht die Europapolitik der Linken aus?

Ferber: Die Linken vertreten eben diese vor 20 Jahren gescheiterte Politik: dass der Staat vorschreibt, wie die Menschen leben und arbeiten sollen.

Sie sehen bei Frau Wagenknechts Partei den Versuch, den Untergang des DDR-Systems rückgängig zu machen?

Ferber: Ja.

Wagenknecht: Das ist völlig absurd. Wenn Sie natürlich jeden Kampf um öffentliches Eigentum und gegen Marktradikalismus denunzieren wollen als ‚Zurück zur DDR' – dann bitteschön! Was wir fordern, hat nichts mit der Vergangenheit, der DDR, zu tun, aber viel damit, dass wir ein anderes Wirtschaftsmodell brauchen.

Info
Sahra Wagenknecht

Sahra Wagenknecht (38) ist Tochter einer Deutschen und eines Iraners, sie lernte ihren Vater allerdings nie kennen. Sie studierte Philosophie und Neuere Deutsche Literatur. Von 1991 bis 1995 war Sahra Wagenknecht Mitglied des Parteivorstandes der PDS, seit 1991 auch Mitglied der Leitung der Kommunistischen Plattform der PDS. 2000 wurde sie erneut in den Parteivorstand der PDS und 2004 als Abgeordnete ins Europaparlament gewählt.

Ferber: Soziale Marktwirtschaft heißt auch Markt, nicht nur Reglementierung! Aber der Vorwurf „neo-liberal“ trifft uns nicht. Wir haben dafür gesorgt, dass die neo-liberal ausgerichtete Dienstleistungsrichtlinie umgekrempelt wurde.

Wagenknecht: Die Dienstleistungsrichtlinie ist selbst in der geänderten Form zutiefst neoliberal, sie fördert Lohndumping und bringt kleine Unternehmen unter Druck.

Die Wahlen stehen im Zeichen der Krise. Herr Ferber, der Schlamassel ist entstanden, als Sie und Ihre Freunde quer durch Europa das Sagen hatten.

Ferber: In Deutschland war zur Zeit der falschen Entscheidungen Rot-Grün an der Macht. Auch auf europäischer Ebene wurden die Weichen nicht von Konservativen gestellt. Die Briten waren tonangebend. Das amerikanische Modell ist gescheitert, nicht das deutsche. Ich freue mich, dass das jetzt auch die Briten einsehen.

Frau Wagenknecht, für Ihre Partei Die Linke ist die Krise eine System-Krise des Kapitalismus. Nur – der Wähler glaubt nicht dran. Sie haben nicht die Spur einer Machtperspektive.

Wagenknecht: Im Gegensatz zur CSU steht bei uns immerhin nicht in Frage, ob wir wieder ins EU-Parlament einziehen. Die Linke zeigt im Bundestag, dass man aus der Opposition heraus Politik machen kann, indem man die anderen vor sich her treibt. Das gilt auch auf europäischer Ebene. Je stärker wir sind, desto eher können wir mitbestimmen.

Was zum Beispiel?

Info
Markus Ferber

Markus Ferber (44) ist Diplomingenieur der Elektrotechnik. Von 1990 bis 1994 war er Bezirksvorsitzender der JU-Schwaben, seit 1990 gehört er dem Bezirksvorstand der CSU-Schwaben an. 1994 wurde Ferber im Alter von 29 Jahren ins EU-Parlament gewählt und gehört dort der EVP-Fraktion und deren Vorstand an. Seit 1999 ist Ferber Vorsitzender der CSU-Europagruppe, seit 2000 außerdem Landesvorsitzender der Europa-Union Bayern.

Wagenknecht: Für soziale Mindeststandards, eine Regulierung der Finanzmärkte. Alles, was mit der Grundentscheidung soziales Europa oder entfesselter Kapitalismus zu tun hat.

Herr Ferber, was liefe konkret schief, wenn Markus Ferber und die CSU nicht mehr im EP säßen?

Ferber: Die CSU sorgt dafür, dass sparsam mit dem Geld der Steuerzahler umgegangen wird. In der Agrarpolitik würde ohne uns die Existenz der bäuerlichen Familienbetriebe nicht mehr ausreichend vertreten. Die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei würden forciert.

Über das Europäische Parlament und seine Mitglieder sind jede Menge Vorurteile in Umlauf. Was ärgert Sie daran am meisten, was stimmt?

Wagenknecht: Am meisten ärgert einen das ,Freizeit-Parlament'. Der Vorwurf Bürgerferne ist nicht ganz unberechtigt – manche agieren hier anders als zuhause, weil sie sich unbeobachtet fühlen.

Ferber: Mich ärgert der Vorwurf ebenfalls, der EU-Abgeordnete tummle sich nur auf Empfängen. Bürgerferne sehe ich auch als Problem: Wenn Sie hier was bewegen wollen, müssen Sie in Brüssel und Straßburg präsent sein, als Volkstribun zuhause. Die Balance ist sehr schwierig.

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Knut Pries

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Kommentare
09.05.2009
21:07
Europawahlen am Ende des Turbo-Kapitalismus
von mausefritzchen | #39

#37 von r.kant,
vom einfachen Posten Ihrer Meinung kann keine Rede sein, vielmehr treten Sie Ihr ärmliches Tunnel-Weltbild unermüdlich breit und müllen jeden neuen Thread damit zu, und zwar mit immer gleichen subversiven Phrasen: Betonkommunistin Sahra mit Hamsterblick beim Kapitalisten-Hummerfraß; Oskar, der fahnenflüchtige Freund der Mauerschützen, der Villenbesitzer, Millionär und Talkshowkönig, blah-blah-blah...
Dabei sind Sie der immerzu quietschende Hamster im Laufrad, mit zugekniffenen Augen auf der panischen Flucht vor neuen Realitäten.
Und ich dachte, Sie wären wenigstens so bauernschlau für Ihren unermüdlichen Sermon beide Hände aufzuhalten!
Andererseits, wer würde schon dafür etwas zahlen...

09.05.2009
19:31
Europawahlen am Ende des Turbo-Kapitalismus
von kuba4711 | #38

@ 37 r.kant.Umgekehrt wird ein Schuh draus.Ihre Beiträge sind Schmerzensgeld bedürftig.

09.05.2009
18:52
Europawahlen am Ende des Turbo-Kapitalismus
von r.kant | #37

@ mausefritzchen

Na, wenn man keine Argumente mehr hat, dann gibt es halt eine neue Verschwörungstheorie?

Mausefritzchen, sie haben ein schlichtes Weltbild und ich sitze in keinem Call-Center, ich poste lediglich meine Meinung. Bezahlt werde ich leider dafür auch nicht. Aber eigentlich müsste ich von Typen wie ihnen, eigentlich Schmerzensgeld verlangen! :-))

09.05.2009
17:44
Europawahlen am Ende des Turbo-Kapitalismus
von mausefritzchen | #36

#35 von ris.kant;
ich nehme an, Sie sitzen allein oder im Team in einer Art Call-Center mit dem Auftrag, jede Kommunikation über die Linke zu torpedieren, egal wie schlicht, Hauptsache Störfunk! Abrechnung nach Posting-Stückzahl.

09.05.2009
16:52
Europawahlen am Ende des Turbo-Kapitalismus
von r.kant | #35

@ mausefritzchen

Danke für ihre ausführliche Rezension meiner Beiträge. So wie es aussieht, verfolgen sie meine Kommentare ja mit großem Interesse und lesen diese regelmäßig.
Das wir absolut unterschiedliche politische Vorstellungen haben ist natürlich Fakt und daher kann ich selbstverständlich gut verstehen, dass sie die Inhalte meiner Beiträge nicht mögen. Müssen sie ja auch nicht mögen.

Hauptsache sie lesen weiterhin schön regelmäßig meine Kommentare und vielleicht - so dass denn noch möglich ist - erzeugen diesen bei ihnen noch Denkanstösse und sie führen sie langfristig zu tieferer Erkenntnis.

Aber kommen sie mir nicht auch noch mit Autogrammwüschen! :-)))

09.05.2009
16:06
Europawahlen am Ende des Turbo-Kapitalismus
von mausefritzchen | #34

Ris.kant, Ihnen fehlt Durchblick, Witz und Originalität! Sie und Ihre Alias-Gefolgschaft langweilen eine breite Leserschaft mit unterdurchschnittlichem Niveau sowie ewig gleichen Plattitüden und Flachwitzen.

09.05.2009
14:44
Europawahlen am Ende des Turbo-Kapitalismus
von petermaerkert | #33

zumindest hat die Linke dafür gesorgt, dass nach langen Zeiten neoliberalen Denkens linke Themen, Verteilungsgerechtigkeit, Armut von Kindern und Alten, wieder diskutiert werden.

09.05.2009
13:46
Europawahlen am Ende des Turbo-Kapitalismus
von webleser | #32

CSU und Linke, das wäre für mich die Wahl zwischen Pest und Cholera!

09.05.2009
12:25
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #31

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.05.2009
12:02
Europawahlen am Ende des Turbo-Kapitalismus
von King_F | #30

#29 r.kant
Soweit ich weiß bekommt jeder Benziner eine Feinstaubplakette und ein altes Auto mit nem bischen basteln und umrüsten auch einen Kat, ob 50 Jahre alt oder nicht. Ist nur eine Frage des wollens.

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