"Es ist wie beim Bau einer Sandburg"
10.03.2009 | 18:48 Uhr 2009-03-10T18:48:00+0100Berlin/Essen. Während die Kölner Verkehrsbetriebe die U-Bahn weiterbauen wollen, diskutiert der Rat heute einen Baustopp. Die Vergangenheit zeigt: Unfälle beim U-Bahn-Bau gab es immer wieder.
Der Ingenieur Oktay Yurdakul, Leiter der Technischen Aufsichtsbehörde in Berlin, kann überaus anschaulich erklären, wo Risiken und Nebenwirkungen eines U-Bahn-Baus liegen. Über die gewaltige Kraft des Grundwassers sagt er beispielsweise: „Es ist wie am Strand beim Bau einer Sandburg. Wenn eine Welle schwappt, ist die gesamte Burg platt.”
Zwischen Hauptbahnhof, Brandenburger Tor und Bundestagsgebäuden entsteht die Strecke der so genannten „Kanzler-U-Bahn”. Yurdakuls Aufgabe ist es, Situationen zu vermeiden, die in Köln zur Katastrophe geführt haben könnten. Darüber will Yurdakul nicht spekulieren.
Die neue Strecke entstehe „vollständig im Grundwasser”, sagt er. Die Naturgewalten müssten beherrscht werden. 180 Messpunkte liefern 1000 Daten täglich, um kleinste Bodenbewegungen zu erkennen. Dann werde alarmiert. „Bei Grundwasser kann man massiv Fehler machen – oder vermeiden”, sagt er Ingenieur: „Denn Wasser fließt immer dorthin, wo ein Loch ist. Und Wasser transportiert Material.”
Tote erst nach acht Monaten gefunden
Dabei: Unglücke beim U-Bahn-Bau gibt es immer wieder. So sind im Sommer 2008 in Amsterdam mehrere Häuser abgesackt. Im Sommer 2007 tat sich die Erde in Sau Paolo auf, schluckte ein Gebäude und vier Laster, und sieben Menschen starben.
In München gab es drei Tote bei dem Unglück von 1994. Durch Wassereinbruch war die Decke eines Tunnels in Trudering eingestürzt, ein Linienbus wurde mit dem Heck in den Krater gezogen. Die meisten Fahrgäste konnten sich noch im Bus nach vorne retten. Zwei der Leichen wurden erst nach acht Monaten gefunden.
In Köln selbst sind drei Gutachter aus dem Bergbau beauftragt von der Staatsanwaltschaft, das Unglück aufzuklären. Die Kölner Verkehrsbetriebe äußern sich nicht mehr, verweisen auf die Ermittlungen wegen des Verdachts der Baugefährdung und der fahrlässigen Tötung. Ermittelt wird gegen unbekannt – denn man braucht ja erst die Gutachten.
Die KVB wiesen am Dienstag abermals einen Baustopp zurück. Der Stadtrat aber berät am Mittwoch einen Antrag von OB Schramma, den U-Bahn-Bau bis auf Sicherungsarbeiten zunächst zu stoppen.

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