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Es geht um mehr als den deutschen Papst

01.02.2009 | 19:00 Uhr

"Setzt der deutsche Papst seinen Ruf aufs Spiel?", fragte die Welt am Sonntag. Das war noch vergleichsweise harmlos gefragt.

Härter dann schon der „Spiegel”:. „Der Entrückte”, titelten die Hamburger Magazinmacher, und schoben auch gleich einen handfesten Vorwurf hinterher: „Ein deutscher Papst blamiert die katholische Kirche.”

Das ist tatsächlich aber immer noch der geringste Vorwurf, den man Benedikt machen muss. Aber es geht um mehr als diesen einen Mann, den „Bild” unmittelbar nach dem Papst-Konklave mit „Wir sind Papst” euphorisch willkommen hieß. Und sei er auch das katholische Kirchenoberhaupt. Völlig zu Recht fragen jetzt viele Katholiken irritiert: Wo steht meine Kirche?

Es geht auch um den Standort der Kirche

Es geht keineswegs ausschließlich um das seit 2000 Jahren tief belastete Verhältnis zwischen Christen und Juden (wobei das allein schon reichen würde für einen neuerlichen Großkonflikt). Es geht auch um den Standort der katholischen Kirche, um ihre innere Liberalität, die Religionsfreiheit, die Trennung von Kirche und Staat.

Fast 2000 Jahre brauchte die katholische Kirche, um das Urteil von Apostel Paulus über die Juden zu korrigieren. Sie „missfallen Gott und sind Feinde aller Menschen”. Über Jahrhunderte hinweg hatte es, auch in Deutschland, Judenpogrome gegeben im ausdrücklichen Namen der Kirche. Erst 1965 sprach die Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil die Juden frei von der Schuld an Jesu Tod am Kreuz. Die Piusbrüder lehnen das Konzil ab.

Benedikt XVI. ist kein Antisemit

Die vier von Benedikt rehabilitierten Bischöfe wurden vom Ultra-Traditionalisten Lefebvre, einem Antisemiten und katholischen Fundamentalisten, persönlich geweiht. Sie sind in der Kirche eine verschwindende Minderheit. Benedikt, der nun wirklich kein Antisemit ist (man lese seine Auschwitz-Rede nach), geht es um die Einheit seiner Kirche. Das ist ein legitimes Anliegen, wie auch die Einheit der Demokratie ein hohes Ziel ist. Der Untergang der Weimarer Demokratie lehrte uns den Gedanken, dass Demokratie sich ihrer Feinde erwehren muss. Dass mit der Integration von Verfassungsfeinden irgendwann Schluss sein muss. Dass man Rechtsradikale bekämpfen muss, und zwar kompromisslos. In dieser Hinsicht kann die uralte Kirche von der jungen Demokratie noch eine Menge lernen.

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Ulrich Reitz

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Kommentare
02.02.2009
20:11
Es geht um mehr als den deutschen Papst
von werneralberts | #1

Die aktuellen Vorgänge zeigen, wie sehr Joseph Ratzinger als Papst überschätzt worden ist, auch von den Medien, allen voran die BLÖD-Zeitung. Ratzinger ein Intellektueller auf dem Stuhl Petri? Eindeutig nein, denn einer, der sich für den Stellvertreter Gottes auf Erden hält, käme als normaler Mensch über kurz oder lang in eine geschlossene Anstalt.

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