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Weihnachtsmann-Schulung

Einmal Weihnachtsmännchen

06.12.2008 | 19:56 Uhr
Einmal Weihnachtsmännchen

Köln. Ein Diplom-Lehrgang beim einzig „wahren” Weihnachtsmann. WAZ-Reporterin Annika Fischer lernte, dass in dieser Rolle viel rot ist und geregelt, aber nicht immer alles „fröhlich-frohlockend”.

Glauben Sie noch an den Weihnachtsmann? Und wieso wissen Sie dann, wie er heißt, wie er aussieht und wann er kommt? „Ich glaube so lange, dass es den Weihnachtsmann gibt, bis mir einer das Gegenteil beweist”, sagt er selbst. „Und das kann keiner.”

Weihnachtsmann und Weihnachtsmännchen: An die Größe des "Echten" reicht der Azubi nicht heran.

Ich am allerwenigsten. Denn ich habe ihn gesehen. Als er noch Stefan Dößereck war, in Jacke und Jeans: jener Kölner, der als Weihnachtsmann erstmals auffiel, als er einst zu seiner Nichte ging, mit einem gefärbten Kleid, das nach Mottenkugeln roch und einer Zipfelmütze, die zu klein war. In der Gesamterscheinung also: gerupftes Huhn.

Und dann habe ich den „einzig wahren und richtigen Weihnachtsmann” gesehen und Stefan Dößereck nicht wiedererkannt: ein stattlicher Kerl mit Bart bis zum Bauch, schwerem weißen Wuschelhaar und ebenso schwerem roten Mantel, eine Erscheinung! „Sag, wie kann man nur so sein?”, habe ich ihn gefragt, und er hat es mir erklärt.

Man kann nämlich beim Weihnachtsmann in die Schule gehen und hinterher selbst einer sein. Man muss bloß „großzügig, nett und allwissend” sein, ein Großvater vom Typ her. Man darf auch kein Geld damit verdienen wollen für die Geschenke, nur den Respekt der Menschen. Und man muss eine Frage richtig beantworten, die stets die erste ist, wie in dieser Geschichte: „Glauben Sie noch an den Weihnachtsmann?” Nur dann erzählt er höchstpersönlich, was er selbst gelernt hat bei 1700 Auftritten in 14 Jahren.

Er macht dazu den Sack auf, er hat immer mehrere dabei, die großen sind Kartoffelsäcke und die kleineren, ja: für Nüsse – manche Menschen schenken ja sehr wenig. Andere sehr viel, lauter Glaskugeln etwa, die alle in den Sack sollen und hinterher heil wieder raus, oder 300 Tafeln Schokolade, aber solch gewichtige Liefer-Aufträge nimmt der Weihnachtsmann nicht an. Er erfüllt auch nicht alle Eltern-Wünsche: kann doch unmöglich Meiers Kindern die Carrerabahn bringen und Müllers Kindern bloß Kleinkram!

Schlitten auf dem Dach

Aber erst einmal sind im Sack bloß Sachen zum Anziehen. Und gute Ratschläge. „Ho-Ho-Hos” sind nicht drin, da lachen die Leute bloß drüber, und „wenn ich für jedes Ho-Ho-Ho einen Euro nehmen würde, hätte ich eine eigene Insel”. Apropos, wo wohnt der Weihnachtsmann eigentlich? Da muss sich jeder seine eigene Geschichte zurechtlegen; dieser hier ist 836 Jahre alt, lebt bei den Engelchen im Himmel und parkt den Rentierschlitten auf dem Dach.

Schulung im Kölner Café: Ja, glauben Sie noch an den Weihnachtsmann? Fotos: WAZ, Jakob Studnar

Ich hingegen bin erst einmal nur das Billig-Modell, ohne Legende und ein Woher-und-Wohin, aber mit einem Fähnchen von Gewand, dem Bärtchen „Modell Topflappen”, billiger Filzmütze („Rechts-Bommel-Träger”) und einem Plastikgürtel, der das Mäntelchen nicht hält. Vielleicht hätte ich besser den Strick nehmen sollen. So müsste ich jetzt den Anfänger-Test machen: Eine Filmlänge fernsehen, „wer das nicht überlebt, sollte es gar nicht erst probieren”. Schon nach Minuten ist mir warm und der Mund unter dem Billigbart fusselig geredet, der Weihnachtsmann macht „Ha-Ha-Ha”: „Da ist nix mehr mit fröhlich-frohlockend.”

Sowieso nicht, muss ich lernen: Der Weihnachtsmann nämlich „trinkt nicht, raucht nicht, isst nicht” (damit nichts im Bart hängen bleibt), und fluchen darf er auch nicht. Er ist die Güte in Person, benimmt sich anständig, immerhin lassen die Leute ihn in ihr Privatestes vor, und er macht alles gleichzeitig: Schauspieler, Kurierfahrer, Psychologe. . . Aber im Spiegel (und im Vergleich) ist doch deutlich zu sehen: Ich bin ja bloß ein Weihnachtsmännchen!

„Vor Engeln haben Kinder keine Angst”

Trotzdem darf ich mich nicht auf dem Klo verstecken lassen, sagt der wahre Weihnachtsmann, nicht über Umtausch diskutieren („das wäre die Oberkastastrophe!”), mich nicht hergeben für Mobilfunkwerbung und keine widerwilligen Kinder auf meinen Schoß zerren. Überhaupt sei es sinnvoll, sie freiwillig kommen zu lassen: Erstens sei das für den Weihnachtsmann „ein Wahnsinnsgefühl” und zweitens sonst schnell der Bart ab. An was man alles denken muss! „Alles besprechen”, mahnt der Mann: Wo parke ich, wo ziehe ich mich um, gibt es vielleicht einen Hund? Nicht auszudenken, man sähe den Weihnachtsmann mit Mantel und Mütze unterm Arm. Am Ende würden die Kinder nicht mehr an mich glauben!

Tun sie sowieso nicht, sagt der wahre Weihnachtsmann, aber das erwähnt er erst zum Schluss. Ein kleines Mädchen habe ihm nämlich mal erklärt: „Der Weihnachtsmann heißt Weihnachtsmann, weil er ein Mann ist.” Deshalb werde die Rolle tatsächlich „höchst selten” weiblich besetzt. Frauen, nun ja, gingen allenfalls als Engelsbegleitung durch. Aber wenigstens: „Vor Engeln haben Kinder keine Angst.”

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Annika Fischer

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