Eine europäische Lösung
27.02.2009 | 18:38 Uhr 2009-02-27T18:38:00+0100GM-Europachef: Werksschließungen und Kündigungen sollen vermieden werden. Opel-Europa-AG benötigt finanzielle Unterstützung in Höhe von 3,3 Milliarden Euro.
Der Vormittag gestern stand ganz im Zeichen der Politik. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) war der erste, der sich im ZDF-Morgenmagazin äußerte, alarmiert durch eine Meldung der Financial Times Deutschland, in der unter der Überschrift „Opel plant seine eigene Zerschlagung” einmal mehr das Bochumer Werk zur Disposition gestellt worden war.
„Bochum ist das größte Problem”, schrieb das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Daraufhin sagte Rüttgers: „Ich kann mir kein Konzept vorstellen, das von der Schließung eines Opel-Werks in Deutschland ausgeht.”
Zur selben Zeit saßen in Rüsselsheim die Opel-Aufsichsträte beisammen und berieten das Zukunftskonzept für die europäische Tochter des schwer angeschlagenen US-Konzerns General Motors. Dabei war jedem einzelnen klar, was der Chef des Gesamtbetriebsrates Klaus Franz vor knapp zwei Wochen sagte: „Keine europäische Regierung würde Bürgschaften geben für die Schließung von Werken und die Entlassung von tausenden Beschäftigten.”
Und so stellten GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster, Deutschland-Chef Hans Demant und Franz am Nachmittag ein Konzept vor, das alle Hilfsmöglichkeiten offen lässt. Und mit dem Ziel verbunden ist, in einem solidarischen und Europa-weiten Kraftakt „unter allen Umständen Werksschließungen und Kündigungen zu vermeiden”, so Forster.
Diese Möglichkeit ist einem brandaktuellen Schreiben des Mutterkonzerns zu verdanken, in dem GM „erstmals seit 80 Jahren seine Bereitschaft erklärt, Anteile abzugeben”, sagte Franz. Damit kann Opel wieder Opel werden, freilich einschließlich der anderen GM-Standorte im spanischen Zaragoza, dem polnischen Gleiwitz, dem belgischen Antwerpen, dem britischen Ellesmere Port, wo die Schwestermarke Vauxhall vom Band läuft.
Die Operation Opel könnte damit zu einer einmaligen Solidaritätsaktion der europäischen Länder, aber auch des Managements und der Beschäftigten werden. Bislang war es insbesondere in den weltweit agierenden Autokonzernen eine beliebte Managementstrategie, ein Werk bei der Vergabe von neuen Modellen gegen das andere auszuspielen, um möglichst größte Zugeständnisse der Betriebsräte zu erreichen.
Nun heißt es aber: Helm auf und zusammenhalten. Auch die Arbeitnehmer müssen ihren Beitrag bringen, auf Zahlen habe man sich aber nicht festgelegt, sagte Franz, auch nicht, was einen Stellenabbau angehe. Man wolle mit flexiblen und freiwilligen Lösungen – gemeint sind vermutlich Abfindungsprogramme – die Kapazitäten zurückschrauben. Im europäischen Automarkt stellen die Hersteller nach Expertenaussagen derzeit 20 bis 30 Prozent zu viel Autos her.
Auch die einzelnen Länder mit Opel/Vauxhall-Standorten – Saab in Schweden hat Insolvenz angemeldet – sind gefordert. Auf „einmalig 3,3 Milliarden Euro” bezifferte Forster den Finanzbedarf einer eigenen, von GM etwas stärker losgelösten Opel-Europa-AG – „wir benötigen die Unterstützung aller betroffenen Institutionen in Europa”.
Wie groß diese Herausforderung ist, zeigt eine Äußerung des Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Deutsche Staatshilfe müsse deutschen Standorten zu gute kommen, es könne nicht sein, dass hier Stellen wegfallen, dafür Steuergelder den Standort Zaragoza sichern. Es gibt viel zu tun.
Kommentar: Opels Lösung
Bochumer Annington bestellt in Solidaritätsaktion 150 Astra
Hintergrund: Das zukunftsweisende Elektroauto Opel Ampera könnte in Bochum montiert werden
Kampf um Arbeitsplätze - Die ersten Massenproteste der Krise
Fotostrecke: Demonstrationen für Opel
Spezial: Opel und die Krise
Diskussion: Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung? Ist das Konzept zukunftsfähig?

0mitdiskutieren