Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Wittkes Rücktritt

Ein Mann, der polarisiert

11.02.2009 | 19:37 Uhr

Oliver Wittke polarisiert. Und überraschte mal wieder – selbst engste Gefährten wurden vom Rücktritt am gestrigen Mittwoch nachmittag überrumpelt.

Schnell, nassforsch, quirlig und überraschend: Von Beginn seiner steilen politischen Karriere an sorgte der heute 42-jährige Gelsenkirchener Diplom-Geograph Oliver Wittke mit seinen zentralen Charakter-Eigenschaften dafür, dass er entweder begeisterte Freunde oder eingefleischte Gegner hat – gerade auch in seiner eigenen Partei. Der Mann polarisiert. Und überraschte mal wieder – selbst engste Gefährten wurden vom Rücktritt am gestrigen Mittwoch nachmittag überrumpelt.

Schnell und überraschend begann der Aufstieg von Wittke mit der Kommunalwahl 1999: Mit erst 33 Jahren eroberte er als erster Christdemokrat im roten Ruhrgebiet die erste Großstadt – und wurde Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Gelsenkirchen.

Dort fiel der Senkrechtstarter angesichts altehrwürdiger SPD-Bürgermeister im Revier erst vielen durch seine umtriebige Art sehr positiv auf – bundesweit machte er als „junger Wilder” Schlagzeilen, als er angesichts maroder Stadtviertel und hoher Arbeitslosigkeit einen Aufbau West forderte – und die Notwendigkeit der Milliarden-Ausgaben im Osten bezweifelt.

Doch schon nach fünf Jahren war Schluss: Viele Bürger kreideten ihm an, er habe Gelsenkirchen immer schlecht geredet, die Sanierung des Baudenkmals Hans-Sachs-Haus wurde zum Millionengrab und sein munter-offener Charakter wirkte plötzlich unseriös.

Wittke entpuppte sich aber als „Stehaufmännchen”. Nach einem Jahr Polit-Pause an aktiver Front machte ihn der auf Regionalproporz Wert legenden Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) zu seinem Verkehrs- und Bauminister.

Gut erholte legte der zweifache Familienvater im Sommer 2005 los – mit vielen Versprechen und merkwürdigen Forderungen. Gegen Staus den Sicherheits-Standstreifen auf Autobahnen als Fahrbahn freigeben etwa, oder den Bau einer Transrapid-Strecke zwischen Duisburg und Amsterdam vorantreiben – da lachte die Bahn, weil da kein Transrapid der Welt schneller fahren würde als die ICE mit ihren zwei Stunden Fahrzeit.

Damals handelte sich Wittke eine erste Verwarnung von Rüttgers ein – das Verhältnis zwischen den beiden blieb gespannt. Doch Wittke fing sich, arbeitete eifrig an der Zugstrecke „Eiserner Rhein”, für mehr Flüge in Düsseldorf, für mehr Straßensanierungen, kämpfte erfolgreich für die Renovierungen der Bahnhöfe, fochte für den Rhein-Ruhr-Express und band Abgeordnete von CDU- und FDP in seine Arbeit ein. In beiden Fraktionen ist der Hobby-Jäger deshalb äußerst beliebt, auch wenn immer wieder Eskapaden sein Image als Hallodri wiederbelebten: Mal klebte er Pannini-Bilder zu Beginn einer Landtagsdebatte, mal klopfte er dusselige Sprüche („Ich kann auch mit Doofen”). Ein gefundenes Fressen für die Opposition.

So schüttelte Rüttgers desöfteren den Kopf über seinen jungen Minister. Richtig verärgert war er aber, als Wittke und sein Freundeskreis den ange-henden CDU-Ruhrgebietschef im Herbst als „Kronprinz” von Rüttgers und möglichen CDU-Fraktionschef handelten.

Krisenmanagement müsste Wittke aus Erfahrung also können – tatsächlich versäumte Wittke es aber in seinem Raser-Fall, den Führerschein-Entzug dem Ministerpräsidenten zu beichten. Statt sich dann öffensichtlich nur zu entschuldigen, verhedderte sich Wittke in Schilderungen des Raser-Tages, die wie Ausflüchte wirkten. Die Ernsthaftigkeit der Lage schien Wittke nicht erkannt zu haben. Rüttgers wollte am vergangenen Wochenende eigentlich mit einem herben Rüffel den Fall erledigen, doch schon die Wortwahl aus der Staatskanzlei verriet: Wittke hatte sein Guthaben bei Rüttgers aufgezehrt.

Wenn der Minister also im Landtag bei hartnäckigen Nachfragen der SPD am späten Mittwochnachmittag hätte zugeben müssen, dass da noch ein Geschwindigkeitsverstoß vor acht Jahren war, wäre es mit ihm so oder so vorbei gewesen. So sah Wittke wohl keine andere Möglichkeit, als die Reißleine zu ziehen. Es bleibt letztendlich ein Rätsel, wieso der sonst so pfiffige Ex-Minister glaubte, seine Verkehrsverstöße würden geheim bleiben – und warum er nicht, wenigstens am vergangenen Wochenende, bei Rüttgers reinen Tisch machte.

Peter Symaniak, Christoph Meinerz

Facebook
 
Kommentare
13.02.2009
15:11
Ein Mann, der polarisiert
von Blochi02 | #3

Die MONTAN-Grundstücksverwaltung hat sicher schon einen warmen Sessel für den studierten Geografen, falls er in der NRW-CDU keine Karriere mehr machen sollte.

Andere Uni-Absolventen der Geografie wäre jetzt arbeitslos oder in einer Umschulung...

Nicht so Wittke.

Dafür mussten Sie die Studienkollegen als Schüler an ihrem Gymnasium nicht als bekennendes Mitglied der Schüler-Union vor den Mitschülern lächerlich machen und als Speichellecker dem Kreisvorsitzenden den Koffer tragen...

Alles hat so seine zwei Seiten...

Nur Opportunisten und Arschkriecher wie Wittke glauben, stets auf der richtigen zu stehen..

13.02.2009
08:23
Ein Mann, der polarisiert
von flong | #2

@ Dieter Schramek:

Mensch Dieter, und ich sach noch: nimm dat Zeuch nich ...

12.02.2009
18:20
Ein Mann, der polarisiert
von dieter schramek | #1

Oliver Wittke hätte jetzt Zeit für eine neue Aufgabe !
FOCUS Jahrestagung - Mobil sein über das Jahr 2020 hinaus -
Verkehrstechnik unserer Zukunft - Wachstum - Infrastruktur - Logistik - Umwelt - Arbeit
Konjunktur ankurbeln ! IAT schafft tausende neue Jobs + Klimapaket !
Die Zeit ist reif !

IAT-TEAM - unsere Kontaktaufnahme und der Nachfrage einer möglichen Kooperation in unserer Angelegenheit der
Verkehrstechnik unserer Zukunft bietet Ihnen die Chance, mit Ihrem Engagement für Sie persönlich und für Ihr Institut/Unternehmen mit teilzuhaben, als Prestigeträger an einem weltwirtschaftlichen Projekt mitzuwirken.
Clean the World - GoGreen Yes, we can !
Es gibt noch viel anderes zu tun auf dieser Welt, außer sich mit Finanz-u. Bankenkrisen zu beschäftigen !
Doppelstöckiges Magnetschnellbahnsystem IAT 600.000,-m2 Solarmodule auf 200 km Streckenführung
Dürfen wir Sie bitten, dieses Projekt zusammen mit Ihren globalen Netzwerkpartnern publik zu machen?
Ihr Engagement und eine mögliche Beteiligung wird unserer Erde einen mehr als positiven wirtschaftlichen Effekt abgewinnen.

Massenarbeitslosigkeit in vielen Ländern kann auf Jahrzehnte erheblich reduziert werden. Wegen der gewaltigen, in Milliarden
Höhe entstehenden wirtschaftlichen Auswirkungen können momentan weitere positive Folgeerscheinungen überhaupt nicht
erahnt werden. Demoskopische Entwicklungen oder gar Wechselwirkungen mit anderen oder zukünftigen Projekten müssen
erfasst werden.
An der kurzfristigen Umsetzung und Realisierung des Systems sind u.a. (Deutschland leider noch nicht kompatibel)
USA, Russland, Indien und die VAE interessiert.
World in Balance
Projekt 2010 (Zukunft - Wachstum - Infrastruktur - Logistik - Umwelt - Arbeit)
Ökonomie des Klimawandels / Umweltschutz – Klima
Verkehrstechnik unserer Zukunft
Wir benötigen hier zusätzlich weiteres Startkapital in Form einer Projektbegleitung,
Unterstützung und Mithilfe, möchten Sie in unserem Projekt einbinden und bitten gleichzeitig um Kontaktaufnahme. Sie sind möglicherweise in der Lage, Ihrer erlesenen weltweiten Klientene unser Ansinnen vorzutragen.
Mit Ihrer Erfahrung besitzen Sie evtl. weltumspannende Verbindungen, kennen die erlesenen Köpfe der Staats-und Regierungschefs, der Politik und der Geschäftswelt , welche sich mit einer neuen Materie auseinander setzen können und Sachverstand einfliessen lassen - um sich mit diesem Projekt zu identifizieren.

Wir sind eine Ingenieurgesellschaft, welche ein neues Verkehrstechnik-Personen-Güter-System für Hochgeschwindigkeits -und Langstreckentechnologie mit entsprechendem Patentschutz in den USA, Kanada und Deutschland entwickelt hat.

Sie erhalten einige Informationen hinsichtlich einer neuen Generation der Transport-Technologie und der notwendigen zukunftsweisendenVerkehrstechnik.
Die anspruchsvolle technologische Qualität des Transrapid wird selbst von Kritikern kaum bestritten.

Technische, auch zur besseren Verständigung, visuelle Informationen sowie eine Film-Präsentation
des neuen doppelstöckigen Magnetschnellbahnsystem IAT finden Sie auf http://iat-team

Mit freundlichen Grüßen Dieter Schramek
IAT ACCESS TEAM NRW In der Aue 15 D-59174 Kamen Tel.02307-74171

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/357449/create

Umfrage
Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Bottrop - Movie Park in Luftbildern
Bildgalerie
Fotostrecke
Essen aus der Luft
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Hilfsbedarf steigt akut
WAZ-Info
In immer mehr Familien wird Hilfe benötigt, um den alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden. Für die Allgemeinheit wird das teuer.
Mit King Kong in der Warteschlange
Kino im Bild
Zwei Wochen lang konnte man die „Kinohelden“ des gleichnamigen Jugendwettbewerbs der Kunst- und Musikschule in der Hauptstelle in Velbert-Mitte sehen. Die Ausstellung ging jetzt mit der Prämierung der Gewinner zu Ende.