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Ein Hammer schlägt zu

01.08.2008 | 23:00 Uhr
Ein Hammer schlägt zu

Bochum. Rudolf Malzahn gilt als Symbolfigur für die überraschende Kraft der Ortsvereine. Als Mann, der Clement feuern ließ. Sein Ortsverein in Bochum-Hamme hat den Antrag auf Parteiausschluss gestellt. Dabei hätten sie ihm auch verziehen.

"Es herrscht keine Freude deswegen, wir werden keine Sektkorken knallen lassen." Rudolf Malzahn, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bochum-Hamme, lehnt sich behaglich zurück in seinem hellblauen Wohnzimmersessel, über dem eine Stoffhexe von der Decke baumelt, und deutet auf einen Stapel Papier: Da liegt er, 18 Seiten stark, der Beschluss der SPD-Landesschiedskommission.

Im Mittelpunkt des Medieninteresses stand Rudolf Malzahn vom SPD-Ortsverein Bochum-Hamme gestern. Foto: WAZ, Ingo Otto

Um 14 Uhr hat der Briefträger den Umschlag gebracht an diesem sonnigen Donnerstag bei 33 Grad, als normale Postzustellung. Gleich vorn steht Folgenschweres in freudloser Kürze: "Die Entscheidung der Schiedskommission des Unterbezirks Bochum vom 17. März 2008 wird geändert. Der Antragsgegner Wolfgang Clement wird aus der SPD ausgeschlossen. Die Berufung des Antragsgegners wird zurückgewiesen."

An diesem Tag ist an der beschaulichen, mit hohen Platanen gesäumten Wanner Straße 21 in Bochum-Hamme, wo Malzahn mit seiner Frau Ursula wohnt, der Teufel los. Die Nachbarn staunen, ständig fahren Autos verschiedener TV-Sender vor. Als der Rummel zu groß wird, bittet Malzahn die Medienleute in den Gemeinschaftsgarten und hängt einen Zettel an die Haustür: "Ich bin im Garten."

Seit diesem Donnerstag gilt der behäbige Mann als Symbolfigur für die überraschende Kraft der Ortsvereine. Als Mann, der Wolfgang Clement aus der Partei feuern ließ.

Welten trennen die beiden innerhalb der SPD. Clement, den einstigen Ministerpräsidenten und Superminister, kennt jeder. Aber wer ist Rudolf Malzahn? Der von der Wanner Straße 21 im ehemaligen Mietshaus, aus dem vor zehn Jahren zehn schmucke Eigentumswohnungen gezaubert wurden. Gleich gegenüber vom Friedhof Hamme, wo heute nur noch beerdigt werden darf, der da eine Gruft besitzt.

Malzahns Lebensleistung lässt sich in Zahlen sagen

Der eine Malzahn: 50 Jahre Stahlwerker bei den Stahlwerken Bochum, die jetzt ESB heißen. 28 Jahre Betriebsrat, davon 12 Jahre stellvertretender Vorsitzender. 50 Jahre in der IG Metall. Renter seit dem 1. März 2008, mit 65, keinen Tag früher. Der andere Malzahn: "Drei Söhne, drei Schwiegertöchter, fünf Enkel." Der dritte Malzahn: Als Lehrling zu den Jusos gestoßen, seit 20 Jahren Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Hamme, seit 25 Jahren in der Bezirksvertretung, seit 2004 im Rat.

Jetzt, mit 65, hätte es sich der gestandene Sozi gemütlich machen können in seiner schönen Wohnung. Stattdessen zog er wie ein Racheengel hinter Clement her. War es so?

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Die SPD in NRW will Wolfgang Clement ausschließen - zu Recht?

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Er winkt ab: "Es ging nicht um Hass, sondern darum, dass die Leute vorgewarnt sind, dass so etwas nicht noch einmal passiert." Dass Clement kurz vor einer Wahl quasi davon abgeraten habe, die SPD zu wählen, sei ein Sündenfall. Aber kein unverzeihlicher: "Hätte Clement seinen Fehler eingestanden und sich entschuldigt, dann hätten wir den Antrag nicht gestellt." Wir - das ist der Ortsverein Hamme mitten in einem Arbeiterviertel. Vor rund 80 Jahren gegründet, 153 Mitglieder stark. "Ein lebendiger, diskutierfreudiger Ortsverein, eine SPD-Hochburg" sagt Bochums SPD-Pressesprecher Serdar Yüksel (35) respektvoll. Man trifft sich im Kleingartenverein "Karolinenglück", wenn man sich etwas zu sagen hat. Und wenn der Vorsitzende das Wort ergreife, wisse man, "wo Arsch und Kopf ist, er redet Klartext".

Das war auch im Fall Clement so. Auf der Mitgliederversammlung, 27 oder 29 seien dagewesen, erinnert sich Malzahn, habe man diskutiert und dann beschlossen, den Antrag auf Parteiausschluss zu stellen. So sei es eben passiert.

Dampf machte der Ortsverein dem Bochumer SPD-Unterbezirk mit seinen über 6000 Mitgliedern immer mal wieder. Dabei tat sich Malzahns Stellvertreter im Ortsverein, Klaus Amoneit, der früher das Landesjugendamt Köln leitete, als streitbarer Geist hervor. Vor vier Jahren forderte sein Ortsverein, der Unterbezirk solle zur Agenda 2010 einen "runden Tisch" einrichten, wo man mit "Caritas, Gewerkschaften und Kirche" reden könne. "Vier Jahre lang mussten wir Druck machen," sagt Malzahn heute, "dann wurde endlich eine Arbeitsgruppe gebildet."

Anderswo in Bochum findet der Parteiausschluss weniger Beifall. 44 der 47 Ortsvereine seien mit der vorhergehenden Rüge gegen Clement zufrieden gewesen, heißt es. Ex-Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber mit Blick auf die Landesschiedskommission: "Die spinnen, die Genossen."

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Rolf Hartmann

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Kommentare
04.08.2008
10:37
Ein Hammer schlägt zu
von Kroschfoenig_Links2.3.4 | #57

http://forum.derwesten.de/viewtopic.php?p=546129#546129

01.08.2008
22:04
Ein Hammer schlägt zu
von Kroschfoenig_Links2.3.4 | #56

Nochmal herzlichen Glückwunsch für soviel Rückgrad, Genosse Malzahn.

01.08.2008
20:46
Ein Hammer schlägt zu
von Eagle2 | #55

Warum eigentlich 30 Jahre motiviert seine Arbeit machen, wenn man bei einem Fehler sofort einen Tritt in den Hintern bekommt? Ich denke, Clement kann als Profipolitiker sofort einen guten Job in einer anderen Partei bekommen. Das sollte er auch tun. Jetzt schwätze mir keiner etwas von Ideologie daher, alle drehen doch ihr Fähnchen in den Wind.
PS: ich denke, er hatte einen Fehler gut. Man hätte ihm das nachsehen sollen. Warn bißchen kleinkariert, aber so sind sie eben.

01.08.2008
18:36
Ein Hammer schlägt zu
von Dachsbau34 | #54

So wird man als Vorsitzender eines Kleingartenvereins bekannt. Sonst schafft man es nur mit Auftritten bei Kerner, Will & Co.
Nur ihn wollte keiner. Jetzt stellt sich Frau Kraft mit Betroffenheitsmiene hin und bedauert. Ich sage: Sie hat ihren Laden nicht im Griff. Nur Frau Nahles lacht sich kaputt. Wieder ein Agenda 2010er abserviert und selbst nicht aufgefallen.
Alles nach dem Motto: Vorwärts es geht zurück!
Ach übrigens, was ist mit Herrn Beck? Oder ist er der Nächste?

01.08.2008
18:31
Ein Hammer schlägt zu
von Juergen Dressler | #53

Ich bin vor 32 Jahren wegen der kritischen und auseinandersetzungsfähigen Politik von Willi Brandt, Helmut Schmidt , Herbert Wehner und eindeutig linker Tendenzen in die SPD eingetreten.Nach langem Kampf mi mir werde ich auch nicht wegen des derzeit vorherrschenden Krampfes in der Partei austreten. Aber wenn sich nicht allmählich die Unzuläglichkeiten um Beck, Kraft, Heil usw auflösen, wird die Partei sich selbst abwickeln..Wieso ist es nicht möglich ,die ohne Zweifel richtigen und letztendlich nun erfolgreichen Ziele der Agenda 2010 mit den sozialen Notwendigkeiten stärker zu harmonisieren statt den Sozialfaschisten Lafontaine, Gysi und manchen irregeführten Gewerkschaftlern zu folgen.

01.08.2008
18:06
Ein Hammer schlägt zu
von Brandtintime | #52

Der Anteil verblöderte Kommunalpolitiker hat im letzten Jahr schon jemand als die Katstrophe des Reviers gerügt. Das nunmehr eine Volkspartei und das ganze Land (ehemaliger Ministerpräsident) von einem Haufen ungefragter Ortspolitiker in den Verruf geraten, sollte für einen Parteiausschluß allemal reichen. Schmeißt diese, den Bürger belästigendes Politikgesindel raus.
Ich bin so unglaublich wütend darüber, das solche einen solchen Politikzauber veranstalten dürfen.Ich habe mich erkundigt,dieser OV-Vorsitzende glänzt im Rat mit ????bedeutsamen Auftritten???,eben .........

01.08.2008
17:35
Ein Hammer schlägt zu
von Kopfnuss | #51

Die heutige Inquisition heißt schlicht: Schiedskommission der SPD-Unterbezirke

01.08.2008
15:18
Ein Hammer schlägt zu
von Ulli Müller | #50

Warum kann man nicht sachlich bleiben?

Fakt ist: Clement hat sich parteischädigend verhalten!
Haben vile kleine Genossinen und Genossen auch und sind dafür aus der Partei geworfen worden. (Ein bekannterer Name U. Benneter)
Clement hat sich nicht entschuldigt und bleibt weiterhin parteischädigend!
Also Rauswurf!! (Genau so wie die vielen EX-Genossinnen und Genossen, in einer demokratischen Partei sollte nicht mit zweierlei Maß gemessen werden)

Doch noch abschweifen, wegen der vielen realitätsfernen Bemerkungen:
Es gab und gibt schon lange Landesregierungen mit Beteiligung von SPD-PDS-Die Linke. Schon lange vor Ypsilanti und Beck. Da hieß der Parteivorsitzende noch G. Schröder 1998)
Und Beck politisch in eine Linke Ecke zu drängen??? Haben da Leute in der Politik nicht aufgepasst?? Beck hat jahrelang mit der FDP in Rheinlandpfalz rumgemacht (seit der letzen Wahl darf er im konservativen Weinbauernland allein regieren), biedert sich auch ständig im Bund der FDP an!
Die Rathäuser und die Landesregierung in NRW gingen der SPD verloren, da hießen Kanzler, Minister und Ministerpräsident, Schröder, Clement, Steinbrink. Und die sollens wieder richten?
Einfach nur bei den Fakten bleiben!

01.08.2008
14:45
Ein Hammer schlägt zu
von WernerKrusenbaum | #49

Welche Lebensleistung wird hier eigentlich immer angeführt? Hat er sich als Landespolitiker verdient gamacht? Und wenn ja, wie eigentlich? Eines stimmt! Clement ist zu allem fähig. Der Rausschmiss wird der SPD aber nichts nützen, wenn es um die Glaubwürdigkeit als Partei der Arbeitnehmer geht. Um dieses Ziel zu erreichen müssten Schröder, Steinmeier, Steinbrück, Hombach, Müntefehring, der gesamte Seeheimer Kreis und alle weiteren Auguren der Agenda 2010 sowie deren Claqueure folgen. Dann könnte man über eine Wahl dieser Partei ernsthaft noch einmal nachdenken.

01.08.2008
14:33
Ein Hammer schlägt zu
von difusor | #48

Wolfgang Clement hat sich als SPD-Mitglied massiv falsch verhalten und das leider absolut uneinsichtig. Im Fernsehen kam nach der indirekten Zeitungsformulierung die direkte Ansage die Kandidatin und damit die SPD nicht wählen zu wollen. Diese machte es noch schlimmer und wird aber bisher kaum beachtet.

>Wolfgang Clement im Interview bei Hart aber fair Mittwoch, 23.01.2008; Hart aber fair; 623 Min.
Von Moderator Frank Plasberg nach einem möglichen Parteiaustritt befragt, sagte Clement: Das werde er nicht tun, sein Parteibuch werde er behalten. Es entscheidet ja nicht irgendjemand über einen Ausschluss aus der Sozialdemokratie. Das entscheide ich oder ein Ausschlussverfahren, dem ich mich sehr gerne stelle und natürlich auch mit großem Engagement stellen werde. ......
Clement erneuerte seine Kritik an der hessischen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti. Er betonte, sie nicht wählen zu wollen. ....Den Vorwurf mangelnder Loyalität wies er zurück.<

Die Juristen und Mitglieder in der Schiedskommision waren mit dem Brückenbau zu einem gesunden Kompromiss nicht erfolgreich. Hoffentlich schafft es Frau Clement mit dem Charme, der ihr zur Verfügung steht. Noch ist das Verfahren nicht beendet. Lernziel: Solidarität

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