Ein glücklicher Tag für Bashir
13.05.2009 | 17:59 Uhr 2009-05-13T17:59:00+0200Papst Benedikt besuchte das Caritas Baby Hospital in Bethlehem. Der kranke 17-jährige Palästinenser gab ihm ein Geschenk
Jerusalem. Bashir Awawdeh ist schon 17, aber so kleinwüchsig, dass er noch in ein Kinderbett passt. „Wir nehmen alle auf, die der Länge nach in die Betten passen”, erzählt Schwester Erika Nobs aus Rottweil im Schwarzwald. Die Ordensfrau ist seit sieben Jahren Pflegedienstleiterin im Caritas Baby Hospital von Bethlehem, einer friedlichen Oase zwischen israelischer Sperrmauer und dem Flüchtlings-Elend. Es wird von deutschen und schweizerischen Bistümern finanziert. Als an diesem Mittwoch Papst Benedikt XVI. eintrifft, auf der Schwelle gleich von Erzbischof Zollitsch als dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz begrüßt wird, hat sie längst alles gerichtet.
Zwei „Frühchen” ließ sie aus der Neugeborenenabteilung zu den größeren Kindern ins Erdgeschoß herunterbringen. Sie will dem Papst auch deren Krankheit vor Augen führen. „Denn er hat keine Zeit, in alle Abteilungen zu gehen”, sagt sie. Auch die „Frühchen” in diesem Hospital leiden teils an Folgen schlechter und falscher Ernährung ihrer Mütter, an typischen Symptomen von Armutskrankheiten. Moban wiegt nur 1,8 Kilogramm und nimmt einfach nicht zu. Und ein frühgeborenes Baby hat kein ersichtliches Geschlecht, die Chromosomenuntersuchung ist eingeleitet. Die Eltern bestehen aber darauf, einen Sohn bekommen zu haben und nennen das Baby im Brutkasten hartnäckig Mohammed.
Fast alle Patienten in diesem Krankenhaus sind Palästinenser, die meisten Muslime. Auch Bashir, für den jetzt endlich der sehnlichst erwartete Moment gekommen ist. „Ich bin ja so glücklich”, sagt er seit Tagen. Schwester Erika hat ihn ausersehen, Papst Benedikt im Namen des Hospitals eine handgeschnitzte heilige Familie aus Olivenholz zu überreichen. Bashir ist im Krankenhaus „Stammgast”. Vielleicht schon 150-mal wurde er dort behandelt. Der 17-Jährige leidet an einer genetischen Stoffwechselkrankheit und muss sich dauernd erbrechen. Normalerweise, erzählt Schwester Erika, werden Kinder mit dieser Krankheit höchstens zwölf Jahre alt. So ist Bashir – im Bethlehem-Hospital hochgepäppelt – auch Starpatient.
Bashir und sein Schicksal, das ähnelt dem Palästinenser-Drama – es wird an diesem brisanten Besuchstag des Papstes in den Palästinensischen Autonomiegebieten der Weltöffentlichkeit wieder eindringlich vor Augen geführt. Die Bewohner leiden, sie kommen ohne Hilfe nicht weiter.
Gleich von Anfang an macht Benedikt XVI. deutlich, dass er den Wunsch der Palästinenser nach einem eigenen Staat bejaht: „Herr Präsident, der Heilige Stuhl unterstützt das Recht ihres Volkes auf einen souveränen Palästinenserstaat im Land ihrer Vorfahren, der innerhalb international anerkannter Grenzen in Sicherheit und Frieden an der Seite seiner Nachbarn existiert“, sagte Benedikt nach dem Empfang im Präsidentenpalast des sichtlich zufriedenen Mahmud Abbas. Der Papst bekundete seine Solidarität mit den Palästinensern bei „der immensen Arbeit des Wiederaufbaus, die sie vor sich haben.“ Er bete dafür, dass das Embargo gegen den Gazastreifen, der von der radikal-islamischen Hamas beherrscht wird, bald aufgehoben werde. Allerdings sollten die Palästinenser, so Benedikt, sich nicht länger mit Gewaltakten wehren.
„Apartheid-Mauer” – so nannte Palästinenserpräsident Abbas die Sperranlage aus Beton, die hier in Bethlehem eine hohe Mauer ist. Der Papst setzt auf die Hoffnung: „Zu allen jungen Menschen hier sage ich: Bereitet euch mit neuem Eifer auf die Zeit vor, wenn ihr in den kommenden Jahren für die Angelegenheiten des palästinensischen Volkes verantwortlich sein werdet!”. Er sagt das den Schülern und Lehrern im Flüchtlingslager „Aida”. Sie leben direkt an der Mauer.

19:03
Schön, dass sich der Papst bei aller notwendigen dipomatischen Rücksichtnahme das eigenständige Beurteilen nicht verbieten lässt. Das dürfte der Hauptgrund für die in den letzten Wochen in Deutschland laufende mediale Diskreditierungskampagne gewesen, die als moderner Kreuzzug für totalitäres Denken verstanden werden kann.
Glücklicherweise ist er unabhängiger als die mutlosen Volksvertreter, die sich aus politischer Klugheit nie mit Mächtigen wagen anzulegen.
Ausgerechnet der höchste Repräsentant einer jahrtausendealten recht autoritären Organisation repräsentiert stärker als die meisten heutigen Volksvertreter demokratische Grundtugenden. Mir bleibt nur Anerkennung.
Nebenbei: Apartheid nennt auch der Vorsitzende des zuständigen Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags zutreffend das Verhalten Israels in den besetzten Gebieten.