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Obamas Wurzeln

Ein echter Sohn des Kontinents

20.01.2009 | 16:34 Uhr
Ein echter Sohn des Kontinents

Johannesburg. Für die Afrikaner ist die Präsidentschaft Barack Obamas ein Wunder. Für die Menschen kommt sie gleich nach der Abschaffung der Apartheid.

Von Nigeria aus sind sämtliche Flüge in die USA in dieser Woche schon seit Wochen ausgebucht. In Südafrika werden Gottesdienste veranstaltet, in denen anlässlich der Einführung des neuen US-Präsidenten inbrünstig gebetet wird. Und in Kenia bietet man Wallfahrten zum Geburtsort von Barack Obamas Vater, ein Kuhnest im äußersten Westen des Landes, an. Aus allen Teilen des Kontinents gratulierten sich Blogger und Surfer im Cyberspace zu Afrikas bedeutendstem Augenblick seit der Inauguration Nelson Mandelas am Kap der Guten Hoffnung: "Afrikas erstes Wunder ist die Abschaffung der Apartheid", schreibt etwa Sunny Ekwenugo: "Das zweite ist Obamas Präsidentschaft. Und jetzt fehlt nur noch, dass ein Afrikaner zum Papst ausersehen wird".

Obama zieht: Straßenhändler in der kenianischen Hauptstadt Nairobi verkaufen großformatige Bilder des künftigen US-Präsidenten. Foto: ap

Mancher muss sich angestrengt darauf besinnen, dass Obama zum ersten Mann der USA und nicht zum Präsidenten Afrikas gewählt wurde – dermaßen bedeutungsvoll ist die Tatsache, dass ein dunkelhäutiger homo sapiens, noch dazu der Sohn eines echten Sohns des Kontinents, als mächtigster Mann der Welt vereidigt wurde. "Über Jahrhunderte hinweg sind schwarze Menschen gemieden und beleidigt worden", meint Jackie aus Kampala: "Doch jetzt sind wir cool." Obamas Amtseinführung ist für Afrikaner, was für die Bundesrepublik der Berner WM-Sieg 1954 war: Ein historischer Einschnitt, der in seiner Symbolkraft kaum zu überschätzen ist. "An African dream come true", wie der Nigerianer Ifiok Uwah jubelt.

"Er darf nicht vergessen, dass Afrika Heilung braucht"

Die meisten Afrikaner sind klug genug, es mit dieser symbolischen Bedeutung gut sein zu lassen. "Wir dürfen nicht zu viel von ihm erwarten, nur weil afrikanisches Blut in seinen Adern fließt", meint Josephy Kumphanda aus Malawi: "Als amerikanischer Präsident gilt seine Loyalität natürlich hundert Prozent den USA." Trotzdem sind mit der Freude über das Ereignis auch Hoffnungen verbunden: „Natürlich wird er das Beste für unseren Kontinent tun", ist Elias Beyene aus Djibouti überzeugt: "Denn Blut ist schließlich dicker als Wasser." Obama könnte Afrika dabei helfen, "seine Konflikte zu lösen, seinen Handel zu steigern und die Korruption zu bekämpfen", meint Joseph Dumbuya aus Nottingham. "Er sollte unsere Führer im Führen unterrichten", fügt Senyo Sekou Buady aus Ghana hinzu. "Was auch immer er tut, er darf nicht vergessen, dass Afrika Heilung braucht", meint der nigerianische Kommentator Obi Nwakanma: "Sie liegt nun in seinen Händen."

Wie genau Afrikas ferner Heiland den kränklichen Kontinent in Ordnung bringen soll, ist jedoch alles andere als klar. Linksgerichtete Gesellschaftswissenschaftler wie der afroamerikanische Horace Campbell erwarten von ihrem Mann, dass er die Finanzkrise dazu benutzt, dem Kapitalismus Ade zu sagen, die Weltbank und den Weltwährungsfonds auflöst und den Neokolonialismus beerdigt. "Wie kann Obama ein Rettungsprogramm für die US-Wirtschaft über 700 Milliarden Dollar auflegen und gleichzeitig von Afrika marktwirtschafliche Öffnung verlangen, nur damit der Westen die Bodenschätze des Kontinents besser ausgeplündern kann?" fragt der New Yorker Professor keineswegs zu Unrecht. Allerdings ahnt auch Campbell, dass solche Erwartungen allein schon der Berater vom Schlage eines Lawrence Summers wegen, mit denen sich Obama umgeben hat, nicht ganz realistisch sind: "Es sieht so aus, als ob der ,Wandel, auf den man sich verlassen kann', für Afrika und die Afrikaner nicht gilt."

Bushs Afrika-Politik: Ein Erfolg und viel Umstrittenes

Natürlich wird Barack Obama die Politik seines Vorgängers auch in Sachen Afrika nicht einfach fortsetzen. Zwar gilt zumindest eine der Initiativen George W. Bushs auf dem Kontinent als einer der wenigen Vorstöße, auf denen der Ex-Präsident überhaupt Erfolge vorzuweisen hatte: Sein mit 18 Milliarden Dollar ausgestatteter Aids-Nothilfe-Plan trug tatsächlich zu einer deutlichen Verbesserung der Versorgung von Aidskranken bei. Doch andere Schwerpunkte seiner Afrika-Politik, vor allem sein auch hier geführter „Krieg gegen den Terror" und die "Militarisierung" der afro-amerikanischen Beziehungen durch die Bildung eines Afrika-Oberkommandos der US-Streitkräfte, waren schon wesentlich umstrittener: Noch heute muss "Africom" in Stuttgart sitzen, weil kein einziger der 53 Staaten des Kontinents das trojanische Pferd beherbergen will.

Obamas konsultative Außenpolitik, seine Wiederberücksichtigung internationaler Organisationen wie der UN, wird wohl der bemerkenswerteste Unterschied seiner Regierungszeit werden. Seine außenpolitische Sturmgeschütze, Außenministerin Hilary Clinton und die Afroamerikanerin Susan Rice als UN-Botschafterin, kündigten bereits an, Afrikas akute Krisen im Sudan, in Somalia und in Simbabwe zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit zu machen. Dabei können keineswegs alle Söhne des Kontinents, vor allem nicht solche in führenden Positionen, der Präsidentschaft ihres "Blutsbruders" mit Vorfreude entgegensehen.

 Schon bei seiner Afrika-Reise als Senator von Illinois hat sich Obama sowohl den Zorn des kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki wie seines damaligen südafrikanischen Amtskollegen Thabo Mbeki zugezogen, indem er ersteren wegen der Korruption in seinem Land, letzteren wegen seiner katastrophalen Aidspolitik in aller Öffentlichkeit geißelte – Mbeki ließ daraufhin ein Treffen mit Obama platzen. "Was mich so schrecklich traurig stimmt", meint der nigerianische Kommentator Aiye Olaniyi: "Hätte Obama statt in den USA in irgendeinem afrikanischen Staat zur Wahl gestanden, er hätte wahrscheinlich nicht die geringste Chance gehabt."

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Johannes Dieterich

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Kommentare
20.01.2009
19:36
Ein echter Sohn des Kontinents
von Wazmannin | #1

Der Reporter berichtet aus Johannesburg über die Ereignisse in Nairobi....
Wenn demnächst Gaspodin Putin wieder Präsident in Rußland wird, erfolgt die Berichterstattung live aus Madrid. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, jemanden aus der Essener Redaktion nach Tunis zu schicken. Von da kann er dann auch über ganz Afrika berichten...

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