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Prozess

"Ehrenmord" vor Gericht - eine Familientragödie

08.09.2009 | 19:16 Uhr

Hagen. Verhandelt wird vor dem Hagener Landgericht ein mutmaßlicher "Ehrenmord". Es ist die Geschichte einer Familientragödie. Die Geschichte einer jungen Frau, deren Leiche vor einem Jahr auf einem Parkplatz an der A 45 gefunden wurde. Es geht um Zwangsheirat, Nötigung und Familienehre.

Diese Geschichte hat so viele Verzweigungen wie die Familien, die darin eine Rolle spielen. Am ersten Prozesstag am Hagener Landgericht war von ihr deshalb wenig mehr zu begreifen als dies: Blutbande sind ihr roter Faden. Fest steht: Am ersten Sonntag im September vor einem Jahr, zur Frühstückszeit, fanden Urlauber eine blutüberströmte Leiche. Sie lag im Gebüsch des Autobahn-Rastplatzes Sterbecker Siepen an der A 45, kurz vor der Ausfahrt Lüdenscheid-Nord. Anderntags erst, als es eine Vermisstenanzeige gibt, ahnen die Ermittler: Die Frau, hingerichtet durch einen Kopfschuss, war eine 20-Jährige aus Schwerte.

Eine Geschichte von Zwangsheirat und Familienehre

Es gibt zu diesem Mädchen mit arabischen Wurzeln eine Vor-Geschichte. Sie handelt von Zwangsheirat und Familienehre, von Untreue, Erpressung und Nötigung. Die 20-Jährige war offenbar ein moralisches Opfer dieser Verwicklungen - als der Fall vor Gericht kam, sagte sie als Zeugin aus. Zum Prozess kam sie mit Polizeischutz, wenige Tage später war sie tot.

Mord an der A45. Der Angeklagte soll gemeinsam mit einem Onkel im August 2008 eine 20 Jahre alte Frau aus Schwerte umgebracht haben. Foto: Thomas Nitsche

Der Staatsanwalt am Dienstag in Hagen erzählt eine andere Geschichte, vielleicht ist sie die Fortsetzung, vielleicht ein anderer Handlungsstrang: Danach soll die Frau gestorben sein, „um die Familienehre wieder herzustellen”, ihrer eigenen Herkunftsfamilie. Weil sie zu westlich war und frei sein wollte, auch in der Wahl ihres Freundes. Ihr Onkel soll sie deshalb erschossen haben, mit Hilfe eines Vetters, der das am Boden liegende Mädchen festgehalten haben soll: „Gemeinschaftlicher Mord”, sagt die Anklage. Allerdings zunächst nur gegen Ezzedin A., fast auf den Tag genauso alt wie seine Kusine; der 47-jährige Onkel, gemeldet in Finnland, ist flüchtig.

Auf den Syrer Ezzedin, der in einem Autohandel der Familie beschäftigt war, kamen die Ermittler, weil sein Handy am Tatort war, und dann fanden sie auch noch sein Erbgut an der Kleidung des Mädchens, das er monatelang nicht gesehen haben will. Ein junger Kerl, adrett und trotz der kaum überschaubaren Sippe ziemlich allein in dieser Sache. Von den 69 Besuchern, für die das Landgericht Plätze freihielt, kommen nur fünf. Männer sind es allesamt, sie sitzen links, wo sie Ezzedin sehen können: Der grüßt winkend, schaut immer wieder herüber, lächelt. Wer ihm etwas unterstellen wollte, würde vielleicht sagen: verschwörerisch.

Ezzedin hat lange behauptet, nichts zu wissen, „kann ich mir nicht erklären”, „kann ich nichts zu sagen” - Standardantworten, klagt der Kriminalbeamte, der ihn zweimal verhörte. Erst dem Haftrichter erzählte der heute 21-Jährige viel später seine Version, die er ab Freitag auch der Jugendkammer vortragen will: Plötzlich und unerwartet sei der Onkel Hussain am Vorabend des Mordes bei ihm aufgetaucht, habe sich vom Neffen den Kombi geliehen: „Er hatte was zu erledigen.” Wissen sollte niemand etwas vom Besuch des finnischen Verwandten, das sei eine „Überraschung”.

Ebenso überraschend tauchte der 47-Jährige nach Mitternacht wieder auf, wollte nach Frankfurt gefahren werden. „Normal” fand Ezzedin das, so „normal” wie er den Kontakt zur Kusine nennt - von deren „Problemen” er nichts gewusst haben will. Der Onkel sei gefahren, er eingeschlafen, auf einem Parkplatz aufgewacht. Dort habe ihm der Ältere eine Pistole an den Kopf gehalten: „Ich sollte machen, was er sagt, sonst sei ich der nächste, den er umbringt.”

Anweisung befolgt

Im Kofferraum, habe er gesehen, „war ein Mensch”, wer, das habe er nicht erkannt. Gemeinsam habe man „das Mädchen” weggetragen, dann sei der Körper zu Boden gefallen und direkt danach Schüsse, zwei, drei, Ezzedin „weiß es nicht mehr”, hat „keine Ahnung” und „nicht begriffen”. Panik habe er gehabt und die Anweisung des Onkels befolgt, ihn nach Amsterdam zu bringen. Unterwegs, sagte er dem Haftrichter, habe er gefragt, wer das Opfer war und warum: „Er fand es nicht gut, wie sie lebt und wie sie sich verhält”, habe der Onkel erklärt und gedroht, auch ihn umzubringen, falls er etwas erzähle.

Das ist Ezzedins Geschichte, falls er dabei bleibt. Das Gericht will die wahre finden.

Annika Fischer

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Kommentare
25.01.2010
17:11
Ehrenmord vor Gericht - eine Familientragödie
von Malika Zemzem | #33

Ehrenmord wird es niemals geben, wenn der Vater oder die Familie des Mädchens die eigene Ehre aufrecht erhält. Allah möge den Menschen beistehen, die durch so eine Tat ihr Leben gelassen haben. … Wer einen Menschen tötet, für den soll es sein, als habe er die ganze Menschheit getötet. und wer einen Menschen rettet, für den soll es sein, als habe er die ganze Welt gerettet.“ (Qur’an 5:32)

Das ist der Islam und nicht die Menschen die so etwas tun. Gottseidank ist es nicht die Mehrheit, aber man turnt sich an solchen Geschichten auf.

Übrigens: Wenn die von westlichem Lebensstil reden, den ihre töchter oder Schwestern hatten, hatt jede eurer Schwestern mit mehreren gleichzeitig Sex Kontakt, sind alle Geschmickt wie Zirkuspferde, nehmen alle Drogen und gehen anschaffen?

Überlegt mal was einem d vorgegaukelt wird`? Nach über 20 Jahren mit Muslimen und selber Muslimin habe ich niemals so verdorbene Deutsche Frauen erlebt wie die aus deren Kreisen. Die werden nicht wegen ihrem Jurastudium oder Medizinstudium getötet.
Aber, eins steht fest, der Mord ist immer Sünde, anstatt es mit Geduld und selber gutem Vorleben zu ändern. Wenn das alles nicht hilft, überlässt man es dem Lauf der Dinge, dem Schicksal. Ausserdem wer ist frei von Sünde, man lernt doch aus seinen Erfahrungen. Jeder hat schon mal Dinge getan, die man lieber rückgängig machen würde.
Wer ausserdem soo niedrige abscheuliche Taten begeht, der ist abartig und zerstört die Familienehre. Wie kommt man an Waffen dran ohne Kontakt zu Kriminellen zu haben? Ekelhaft

09.09.2009
13:02
Blockierter Kommentar.
von Mohammed Busch | #32

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.09.2009
09:11
Ehrenmord vor Gericht - eine Familientragödie
von soisseshaltimmernoch | #31

So noch mal für die Moderation vllt. in anderen Worten:
Jugendstrafrecht -> 4-5 Jahre, dann wieder frei.
Falls es den Damen & Herren von der WAZ SO (!) besser in den Kragen passt.

09.09.2009
08:13
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #30

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.09.2009
08:07
Ehrenmord vor Gericht - eine Familientragödie
von B. Schmitz | #29

Mord ist Mord. Was ist ein Ehrenmord? Wo fängt ehre an und wo hört sie auf?
Wir leben hier in einer Zivilisation und nicht in irgend einem Hinterlande. Auf unsere Kosten wird wieder ein Prozeß geführt. Meines Erachtens ab in einen vergitterten Zug und Richtung Heimat.

09.09.2009
06:30
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #28

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.09.2009
05:17
Ehrenmord vor Gericht - eine Familientragödie
von stephan... | #27

Ein tragischer Einzelfall

09.09.2009
01:49
Ehrenmord vor Gericht - eine Familientragödie
von Christoph03 | #26

Ups, da war jemand schneller. Danke für die Klarstellung, Dummberger ;-).

09.09.2009
01:47
Ehrenmord vor Gericht - eine Familientragödie
von Christoph03 | #25

Mit der politischen Einstellung waren selbstverständlich nicht die dem Mord zu Grunde legenden völlig zu verurteilenden verquerten Werte- und Ehrenvorstellungen der Täter, sondern von Blutsventje diffamiertes linkes Gedankengut gemeint. Das war zwar meiner Meinung nach nur sehr schwer misszuverstehen, aber ich stelle es gerne klar.

09.09.2009
01:46
Ehrenmord vor Gericht - eine Familientragödie
von dummberger | #24

@13 von technikus53
Bitte tun Sie uns den Gefallen und lesen Sie die Beiträge genau durch, bevor Sie sie kommentieren.
blutsventje instrumentalisiert keine politische Einstellung!
Das hat christoph auch überhaupt nicht geschrieben. Er hat geschrieben, dass blutsventje das Verbrechen instrumentalisiert, um eine politische Einstellung herabzusetzen, die der Linksgrünen ***********
Weiterhin hat christoph die Ehrenmorde nicht als politische Einstellung, sonders als abscheuliche Verbrechen bezeichnet. Das ist doch schon etwas ganz anderes, oder?
Also bitte:
1. lesen
2. verstehen
3. kommentieren
Danke!

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