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Sondergenehmigung

Duisburg macht Jagd auf Gänse

27.08.2008 | 23:23 Uhr

Duisburg. Diese Vögel sind in den Naherholungsgebieten am Niederrhein zur gefährlichen Plage geworden, sagt die Stadt. Und besorgte sich eine Sondergenehmigung, um sie auch in der Schonzeit schießen zu dürfen.

Auch am Parallelkanal (hier: Höhe Wasserspielplatz Wedau) finden sich Kanadagänse. Eltern sorgen sich nun um das Wohl ihrer Kinder. Foto: WAZ, Stephan Eickershoff

Der Ärger schaukelt sich seit Monaten hoch, die Ursache ist eher niederer Natur. Eigentlich dreht sich alles um ein paar unverdaute Grasreste. Daraus besteht der Kot von Kanadagänsen zu 95 Prozent. Und der ist in Duisburg und anderen niederrheinischen Kommunen zum Problem geworden. Früher kamen die Touristen in Scharen, um die Gänse zu bestaunen. Inzwischen hat die Stadt Duisburg eine Sondergenehmigung eingeholt, um die Vögel trotz Schonzeit jagen zu dürfen.

Von bis zu 2000 Kanadagänsen spricht die Stadt, Vogelkundler Dietmar Beckmann schätzt ihre Zahl auf "höchstens 1000". Fest steht: Der Bestand der Kanadagänse hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Weil Duisburgs Fläche zu zehn Prozent aus hochwertigen Gewässern besteht, nutzen die Vögel Naherholungsziele wie Toeppersee, Regattabahn und Sechs-Seen-Platte als Lebensraum.

Von Erholung konnte für die Duisburger nun keine Rede mehr sein. Vereine rund um die betroffenen Gebiete entsorgten im Frühsommer karrenweise den Gänsekot. Ab Ende März brüten die Vögel, vier Wochen später schlüpfen die Jungtiere, neun Wochen darauf sind die Gössel flügge. Solange ist die Gänsefamilie an den Brutplatz gebunden. Zeitgleich durchlaufen die Elterntiere ihre Mauser. "Im Frühsommer war es am schlimmsten, da haben die Gänse die ganze Wiese abgefressen und alles vollgekotet", erzählt Heinz-Dieter Gleißner vom Trägerverein Wedau, dessen Gelände am Barbarasee liegt. Ein paar hundert Meter weiter hat sich Platzwart Dirk Albers (Freie Schwimmer) zum Gänseabwehr-Experten entwickelt. "Ich komme jeden Morgen um halb sechs und verscheuche die Gänse. Ein Jahr habe ich gebraucht, bis ich die im Griff hatte."

Ein Wasserspielplatz in Wedau wurde wegen der stark verkoteten Wiesenflächen zeitweilig sogar gesperrt. Die Gänse ließen sich hier selbst durch tobende Kinder nicht aus der Ruhe bringen. Nach zahlreichen Beschwerden holte sich die Stadt bei der Oberen Jagdbehörde die Jagderlaubnis. Eltern sorgten sich vor allem wegen möglicher Krankheitserreger, die sich ihre Kinder durch den Kontakt mit dem Kot einfangen könnten.

In der Nachbarstadt Düsseldorf klagten Badegäste über Pusteln und Juckreiz, den der Gänsekot verursache. "Blanker Unsinn" in den Augen des Gänseexperten Beckmann: "Der Kot der Gänse besteht zu 95 Prozent aus unverdauten Grasresten, riecht wie Gras, sieht so aus und schmeckt angeblich auch so." Ausschlag könne höchstens vom Kot der Stockenten herrühren. Trotzdem sind in Duisburg bislang 23 Kanadagänse geschossen worden, berichtet Revierförster und Jäger Axel Freude.

Umweltdezernent Dr. Peter Greulich betont, man wolle kein Gemetzel anrichten, aber "es wird gejagt, wenn es nötig ist." Nach Meinung der Naturschützer eine überflüssige Maßnahme: "Tote Tiere bringen gar nix", empört sich Johannes Meßer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz. Vogelfreund Beckmann warnt sogar: "Wir schießen die sozialen Beziehungen der Tiere auseinander." Gänse leben im Kollektiv und spezialisieren sich in der Gruppe auf unterschiedliche Aufgaben, zum Beispiel Jungtier-Aufzucht.

Mit dem verregneten Sommer hat sich das Kotproblem in diesem Jahr ohnehin so gut wie erledigt. Auf den Freibadliegewiesen stören die Gänse zurzeit niemanden. Allerdings hat sich auch das Federvieh zurückgezogen, die Jungtiere sind flügge und erweitern ihren Radius. Am Wasserspielplatz und rund um die Sechs-Seen-Platte ist kein Geschnatter zu hören, höchstens ein paar Enten tuckern übers Wasser. Dennoch wird das Problem auch 2009 die Duisburger beschäftigen: "Gänse brüten jahrelang an den selben Stellen", weiß Beckmann.

Pünktlich zur nächsten Brutzeit plant die Stadt deshalb eine Reihe von Maßnahmen, um der Gänse Herr zu werden. Eine erste Vorlage wurde in der letzten Woche jedoch wieder zurückgezogen. Die Vorschläge, etwa die Eier zu stibitzen oder der gezielte Abschuss von Jungvögeln, waren bei Naturschützern, aber auch bei Jägern auf Ablehnung gestoßen. Stadt und Verbände wollen jetzt gemeinsam eine Lösung für das Gänseproblem finden.

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Zum Abschuss freigegeben

Julia Hildebrandt

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Kommentare
18.09.2008
09:44
Duisburg macht Jagd auf Gänse
von JR | #8

Unglaublich einige Kommentare! Da kann man nur sagen: Alle Gänse einfangen und den Tierschützern und grünen Gemüsebauern in den Garten setzen.

Wohl bekommts!

28.08.2008
12:52
Duisburg macht Jagd auf Gänse
von Lama_Schadler | #7

Kanadagänse zu Martinsgänsen - ganzjährig

28.08.2008
11:08
Duisburg macht Jagd auf Gänse
von Elisabeth Petras | #6

Warum sieht der Mensch alle anderen Lebewesen, die neben ihm auch leben wollen, als Plage an? Auch Tauben sind keine Schädlinge, denn es ist in den berfragten Städten kein einziger, nachweislich auf Tauben zurückzuführender Fall einer Erkrankung bekannt. Auch andere Tiere wollen schlicht leben. Den meisten Dreck machen immer noch wir Menschen udn die meisten Keime lauern an Türklinken und in Kindergärten, wie jeder Arzt bestätigen wird. Taubenkot ist fast geruchslos und enthält gerade mal zu 5% Salmonellen - Brathähnchen sind z. B. zu ca. 30% damit belastet - und liegen bei Menscehn auf der Arbeitsplatte! Kritisch zu sehen ist eher der Brieftaubensport, der viele verloren gegangene Teire einkalkuliert. Die Tiere versuchen irgendwie, in den Städten zu überleben. Auch sie haben ein Lebensrecht! Leben - und leben lassen, das sollte m. E. die Devise sein.

28.08.2008
10:39
Duisburg macht Jagd auf Gänse
von scouti | #5

Legt gleich das Rezept für den Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen dazu, Weihnachten naht. ;-)

Abgesehen davon finde ich die Taubenplage in den Großstädten wesentlich schlimmer, geschieht da eigentlich etwas?

28.08.2008
09:35
Duisburg macht Jagd auf Gänse
von kdit | #4

@radfahrer

Richtig, dafür gab es Füchse, Wölfe und andere Beutefänger.

28.08.2008
04:56
Duisburg macht Jagd auf Gänse
von Der Radfahrer | #3

Warum werden die Duisburger nicht erschossen? Die Gänse haben dort schon gerastet, da gab es dort noch keine Duisburger. Die Städter nehmen den Tieren ihre Nahrungsgrundlage und Rastplätze. Weg mit der Flinte. Die Leute stellen sich auch an. Sie sollen froh sein das es wieder mehr Gänse gibt. Es war nicht immer so.

28.08.2008
00:44
Duisburg macht Jagd auf Gänse
von Evald | #2

Einfach nur zum Grillen freigeben, hat in unserem Stadtgarten wunderbar funktioniert, nur, dass es keine Freigabe gab.
Und es waren leider hauptsächlich Stockenten.

27.08.2008
23:53
Duisburg macht Jagd auf Gänse
von Mr.Colt | #1

Endlich wieder ballern !

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