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Steuerpolitik

Die SPD will nehmen und geben

16.04.2009 | 19:15 Uhr
Die SPD will nehmen und geben

Die Sozialdemokraten stellen ein neues Konzept mit höherer Reichensteuer und sinkendem Eingangssteuersatz vor. Ein Bonus bei Verzicht auf die Steuererklärung sorgt für Verwirrung.

Nach Union und FDP zieht nun auch die SPD mit Steuersenkungs-Versprechen in den Wahlkampf. Reiche und Börsenspekulanten sollen mehr, Geringverdiener weniger Steuern zahlen. Wer wenig verdient und den Finanzämtern nach Meinung der SPD nur unnötige Arbeit macht, soll sogar einen Bonus von 300 Euro (Paare: 600 Euro) erhalten, wenn er keine Steuererklärung abgibt.

Drei Milliarden Euro plant die SPD dafür ein. Zurückholen wollen sie das Geld durch eine neue Börsenumsatzsteuer. Ab Umsätzen von mehr als 1000 Euro sollen Wertpapiergeschäfte mit 0,5 Prozent besteuert werden.

Besonders dieser Bonus wirft eine ganze Reihe von Fragen auf. Erhalten soll ihn, wer ausschließlich Arbeitseinkünfte hat, aber auf eine Steuererklärung verzichtet. Das klingt simpel, ist es aber nicht. So sind zum Beispiel Paare mit unterschiedlichen Steuerklassen verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben, sie könnten also gar nicht darauf verzichten. Das gilt auch für Bezieher von Lohnersatzleistungen, etwa von Kurzarbeiter-, Kranken oder Insolvenzgeld. Auch Mütter oder Väter, die Elterngeld erhalten und nach der Babypause in den Beruf zurückkehren, könnten den Bonus nach jetzigem Recht nicht erhalten. Rentner gingen ebenfalls leer aus, schließlich gelten Altersrenten nicht als Arbeitseinkünfte, Betriebsrenten dagegen schon.

Für den Bonus müsste also entweder ein großer Teil des Steuerrechts geändert werden. Oder er käme nur einem Teil derjenigen zugute, für die er gedacht ist. Für den Bund der Steuerzahler ist „überhaupt nicht erkennbar, wer darunter fallen würde”, so Geschäftsführer Reiner Holznagel zur WAZ. „Erhält ein Schüler, der einen Ferienjob gemacht hat, den Bonus, ein Kurzarbeiter aber nicht?” Das SPD-Argument, der Bonus vereinfache das Steuersystem, nennt Holznagel „eine Veralberung”. Nach WAZ-Informationen befindet sich der Bonus tatsächlich noch im Status einer Idee, die Details sind offen.

Dagegen unkompliziert wäre die Erhöhung der Reichen-steuer von 45 auf 47 Prozent. Vor allem müssten deutlich mehr Haushalte ihn bezahlen, wenn die Grenze auf 125 000 Euro (Paare: 250 000 Euro) halbiert würde. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2004 (das sind die aktuellsten Daten) rund 23 000 Steuerzahler mit mehr als 250 000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen. Bei einer Halbierung auf 125 000 kämen knapp 60 000 hinzu, die Reichensteuer zahlen müssten. Wer nur wenig mehr verdient, zum Beispiel 140 000 Euro, würde kaum mehr zahlen, nach Berechnungen des Steuerzahlerbundes 384 Euro. Ein Single, der eine halbe Million verdient, müsste schon gut 11 000 Euro mehr Steuern zahlen.

Die 2,5 Milliarden Euro, die der Fiskus durch die höhere Reichensteuer nach SPD-Schätzungen einnehmen könnte, sollen in Bildung und Forschung investiert werden.

Entlastungen

Dem höheren Spitzensteuersatz setzt die SPD eine Senkung des Eingangssteuersatzes von 14 auf 10 Prozent entgegen. Das würde einen Beschäftigten mit einem Jahreseinkommen von 15 000 Euro laut Steuerzahlerbund um 96 Euro entlasten.

Dem Vernehmen nach will die SPD auch die Progression abflachen, das heißt, den Anstieg der Steuersätze etwas entzerren, damit von Lohnerhöhungen mehr übrig bleibt. Die Einsparungen bei der Einkommensteuer könnten dann noch etwas höher ausfallen in unseren Beispielrechnungen.

Stefan Schulte

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Kommentare
12.05.2009
13:21
Die SPD will nehmen und geben
von muckemucke | #4

in den 70igern lag der spitzensteuersatz bei 56%.

seit dem wurde er für die reichen immer schön gesenkt. und für den rest?^^

ach die armen reichen kann ich da nur sagen. lol

12.05.2009
13:05
Die SPD will nehmen und geben
von Pit01 | #3

Die Frage ist, wer ist denn reich? Wo fängt das an? Bei 100.000 oder 1.000 000 Euro ? Also der 1 Million verdient, der sollte schon etwas mehr zahlen, aber ist das alles der richtige Ansatz? Ich weiss es nicht. Aber das Geringverdiener die höchsten Steuern zahlen sollen ist schlichtweg eine Sauerei.

12.05.2009
13:03
Die SPD will nehmen und geben
von debu31 | #2

Es geht nicht darum, Neid auf Reiche zu schüren, sondern darum, Gutverdiener angemessen am Steueraufkommen zu beteiligen. Als Familie kann man 250.000 Euro Einkommen haben - das sind mehr als 20.000 Euro brutto im Monat, sorry - da muss keiner am Brotkanten knuspern hinterher.

Und übrigens: Als zuletzt CDU und die selbst ernannte Steuersenkungspartei FDP regierte, da galt der Spitzensteuersatz von damals 53% bereits ab einem Familieneinkommen von 90.000 Euro, bei Alleinverdienern also weniger als 50.000 Euro. Das traf wirklich die Mittelschicht, im Gegensatz zum jetzt geplanten Steueraufschlag für Reiche.

18.04.2009
09:42
Die SPD will nehmen und geben
von boxa | #1

Na klar, typisch für die SPD.Wenn sonst nichts hilft sind dieReichen wieder dran.Wer als Familie 125000 Euro verdient muss auch dem entsprechend Steuern zahlen,vielleicht geht ja die Ehefrau nicht arbeiten,vielleicht haben Sie auch eine Häuschen abzuzahlen.Hat sich irgend einer mal Gedanken gemacht das es der Familie gegönnt sei!! vielleicht ist der Vater ja viel im Ausland oder macht viele Überstunden?Das heißt auf den Vater auch verzichten müssen!Warum wird immer mehr neid auf reiche geschürt.Es gab schon immer Arme, besser Verdiener, Reiche und super Reiche.Tragen diese Bürger nicht schon genug auf Ihren Schultern?Ich meine nicht diese die Ihr Geld ins Ausland schaffen,sonder hier versteuern.

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