Die Pleite des Anstands
26.02.2009 | 19:06 Uhr 2009-02-26T19:06:00+0100Jeder blamiert sich so gut er kann. Damit könnte man es bewenden lassen, wäre der Versuch des Ex-Chefs der PleiteBank Hypo Real Estate (HRE), seinen früheren Arbeitgeber auf die Gehaltsnachzahlung von 150 172,03 Euro zu verklagen, nicht weit mehr als eine selbstvergessene Instinktlosigkeit.
Mit 102 Milliarden Euro mussten die deutschen Steuerzahlers ins Risiko gehen für das Desaster, das Georg Funke und Kollegen angerichtet haben. Mehr noch: Ein Kollaps der HRE gefährdete das gesamte deutsche Finanzsystem.
Gewiss, Recht ist Recht, auch was Vertragsgestaltungen angeht. Man stelle sich dennoch nur einen Moment vor, was es für die Gesellschaft bedeutete, wenn ein derart gescheiterter Großverdiener 150 000 Euro mit Erfolg einklagt, wo gleichzeitig ein Arbeitgeber vor Gericht eine fristlose Kündigung wegen Diebstahls eines 1,30-Euro-Pfandbons nach 31 Jahren Betriebszugehörigkeit durchsetzt.
Diese üble Melange aus Gier und Verantwortungslosigkeit Einzelner vergiftet den letzten Rest Zutrauen in die Marktwirtschaft. Es ist an der Zeit, dass die Anständigen auch mal den Mund aufmachen.
12:57
Es ist nicht zu glauben wie sich dieses Land entwickelt. Dieser unvermögende Mensch darf von über 50000 Euro im Monat leben, viele andere müssen mit weniger als 500 Euro zurechtkommen. Der Tropfen der das Fass zum Überlaufen bringt, dieses Geld stammt vom Staat. Wir bekommen so langsam russische Verhältnisse.
16:52
Danke! Herr Wels, teile Ihre Meinung voll und ganz - was mir bei der WAZ sonst soooo oft nicht passiert.
13:48
Nö, Herr Wels, das stimmt so nicht. Im Grundsatz teile ich Ihre Bewertung, aber von selbstvergessen kann doch nun wirklich keine Rede sein. Wenn diese Herrschaften an etwas denken, dann doch wohl zu allererst an sich selbst. Da bilden die überaus erfolgreichen Jungs von der Pleite-Bank keine Ausnahme.