Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Frühlingsgefühle und...

Die Macht der Hormone

27.02.2009 | 19:18 Uhr
Die Macht der Hormone

Essen. Sonntag beginnt der meteorologische Frühling. Die Wetterfrösche versprechen bis zu 15 Grad Celsius. Dass wir sie spüren, diese Frühlingsgefühle, liegt zum großen Teil an den Hormonen.

Riechen Sie ihn auch, diesen Hauch von Frühling? Die Meteorologen jedenfalls sind auf Ihrer Seite: Mit bis zu 15 Grad und Sonnenstrahlen sei am Sonntag zu rechnen. Ein schöner Rahmen zum meteorologischen Frühlingsbeginn am 1. März. Und eine hoffnungsfrohe Botschaft für alle, die gerne auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Mit jedem Strahl mehr nämlich denkt der Mensch nicht nur nüchtern daran, dass er endlich Heizkosten sparen kann. Nein, mit der Sonne im Herzen flatten die Schmetterlinge in den Bauch. Vom Rausch der Gefühle sprechen Evolutionsbiologen, die die Gefühlsduselei jedoch weniger romantisch als biologisch deuten: Im Frühling erinnern sich Mensch wie Tier daran, dass sie auf der Welt sind, um sich zu vermehren.

Ist der Frost erst einmal abgetaut, klappt es im Tierreich mit der Aufzucht der Jungen besser. Diese ewigen Muster prägten laut Biologen das Verhalten auch der Spezies Mensch. Selbst wenn er heute über Zentralheizung und Latexmatratzen verfügt.

Emotionaler Ausnahmezustand

Beim Tier, da bedeutet Frühling: emotionaler Ausnahmezustand. Bedeutet Balz- und Imponiergehabe. Attitüden, die sich auch auf der Single-Party oder beim Betriebsfest wiederfinden.

Der Mensch kann gar nicht anders. Er (sie auch) ist Sklave seiner (ihrer) Hormone, sagen Experten.Wird es heller, wird ganz automatisch das Glückshormon Serotonin ausgeschüttet, so der Bochumer Hormonforscher Dr. Burkhard Herrmann. Hinzu kommen Stoffe mit Namen wie Gaba und Dopamin. Herrmann: „Es sind die so genannten Neurotransmitter”, die unsere Gefühlswelt aufmischen.

Stoffe, die zwischen zwei Nervenfasern lauern, um die Signale abzufeuern wie Amor seinen Pfeil. „Sie passen wie Schlüssel zu den Garagen, in denen die Sexualhormone parken: Testosteron und Östrogen”, so Herrmann.

Weniger Melatonin - und wir sind hellwach

Noch ein Stoff kommt mit in die Liebeslaube: Melatonin. Wird es heller, nimmt die Produktion des Hormons ab. Was zur munteren Folge hat, dass müde Männer (Frauen) hellwach werden. Das Hormon, als Wunderdroge für einen guten Schlaf gefeiert, wird im Dunkeln gebildet, vornehmlich in der Nacht. „Durch Sonne nimmt es ab.”

Die Funken, die fliegen, spielen sich im Geiste ab. Aber das Feuerwerk hat eine körperliche Grundlage. Die Seele befindet sich mitten im bio-chemischen Geschehen. Sagen die Einen. Doch es gibt Widerspruch: Die Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) entzieht sich dem Lobgesang auf die Macht der Hormone. Die Studienlage belege die Verbindung jedenfalls nicht klar, so Prof. Horst Harald Klein, Sprecher der DGE in Stuttgart. „Rein hormonell betrachtet gibt es die viel zitierten Frühlingsgefühle gar nicht”, sagt sein Kollege Prof. Martin Reincke.

Manchmal reicht es, wenn der Himmel blau ist

Es sei eher so, „dass die Menschen einfach mit einem anderen Gefühl hinausgehen, wenn die Sonne scheint und der Himmel blau ist, als wenn es draußen neblich-trüb ist”. Für Klein entstehen Frühlingsgefühle durch einen flotten Mix aus Umwelt, Wärme, Psychologie, Helligkeit – und optischen Reizen.

Viele Hormonforscher indes lassen sich den Glauben an die Magie von Serotonin und Konsorten nicht nehmen. Allerdings, so Dr. Herrmann, sei erwiesen, dass die Libido, also die Lust, vor allem durch eins gesteigert wird: „Durch das Neue.” Nein, damit sei nicht unbedingt ein neuer Partner gemeint. „Neu” sei schließlich, dass die Natur jedes Jahr wieder aufs Neue erwacht.

Mehr zum Thema:

Petra Koruhn

Empfehlen
Rund ums Thema
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/12883/create

Umfrage

Hat Schweden zurecht den ESC gewonnen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Bottrop - Movie Park in Luftbildern
Bildgalerie
Fotostrecke
Essen aus der Luft
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Hilfsbedarf steigt akut
WAZ-Info
In immer mehr Familien wird Hilfe benötigt, um den alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden. Für die Allgemeinheit wird das teuer.
Mit King Kong in der Warteschlange
Kino im Bild
Zwei Wochen lang konnte man die „Kinohelden“ des gleichnamigen Jugendwettbewerbs der Kunst- und Musikschule in der Hauptstelle in Velbert-Mitte sehen. Die Ausstellung ging jetzt mit der Prämierung der Gewinner zu Ende.