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Lefèbvre-Gemeinde

Die letzte Bastion der alten Kirche

06.02.2009 | 19:32 Uhr

Essen. Lefèbvre-Gemeinde distanziert sich von Holocaust-Leugner. Sekten-Info: Fundamentalisten mit elitärem Anspruch.

„Adiutorium nostrum in nomine Domini.” Es ist Sonntag, 9.45 Uhr, und die Glocken haben gerade zum Hochamt der St.-Bonifatius-Gemeinde in Essen-Bergeborbeck geläutet. Pater Eberhard Repp liest die Heilige Messe auf Latein im alten tridentinischen Ritus mit dem Rücken zur Gemeinde, denn St. Bonifatius ist die Ruhrgebiets-Kirche der Priesterbruderschaft St. Pius X., die durch die Holocaust-Leugnung eines ihrer Bischöfe mehr Schlagzeilen und Aufmerksamkeit bekommen hat, als ihr lieb ist.

Aufmerksam geworden ist das Sekten-Info NRW schon lange. „Wir ordnen die Vereinigung dem Fundamentalismus zu”, sagt Leiterin Sabine Riede. Sektenähnliche Tendenzen seien durch den elitären Anspruch zu erkennen, „ansonsten schädigt sie vor allem das Ansehen der römisch-katholischen Kirche”. Nachfragen besorgter Angehöriger kämen „einmal im Jahr” vor.

Wenn alle da sind, hören in dieser letzten Bastion der alten Kirche rund 200 Gläubige aus dem ganzen Ruhrgebiet das lateinische Hochamt ganz alten Stils. Pater Martin Lenz ist glücklich, dass die Exkommunizierung aufgehoben ist: „Wer zu uns gekommen ist, war ohnehin überzeugt, dass die Exkommunizierung nichtig war. Aber es gibt eine Erleichterung bei denjenigen, die deswegen wegblieben.”

Alles wäre also gut für die Handvoll Traditionalisten, die mit rund 600 000 Anhängern 0,53 Promille der 1,13 Milliarden Katholiken stellen. Hätte ihr Bischof Richard Williamson, inzwischen mit Redeverbot zu politischen und historischen Themen belegt, nicht Unsägliches zum Holocaust von sich gegeben. Und so die Frage provoziert, wie es denn diese „von der katholischen Kirche nicht anerkannte Gemeinschaft”, so Ruhrbistumssprecher Ulrich Lota, mit dem Antisemitismus hält.

Der wird in offiziellen Stellungnahmen weit zurückgewiesen. „Die Verharmlosung der Judenmorde des NS-Regimes und dessen Gräueltaten sind für uns inakzeptabel”, gab der deutsche Distriktobere Franz Schmidberger zu Protokoll. Ein Satz, dem sich die drei Essener Priester anschließen: „Wir distanzieren uns entschieden von diesen Äußerungen Williamsons. Wir hoffen, dass die Gespräche mit Rom auf einen guten Weg kommen.”

Dieser Weg allerdings ist klar aufgezeichnet. „Die vier Bischöfe sind nicht rehabilitiert, sie dürfen ihre priesterlichen Funktionen nicht ausüben”, stellt Ulrich Lota klar. „Und wenn sie das II. Vaticanum nicht anerkennen, können sie nicht Teil der katholischen Kirche werden.”

Was die Kirche nach Einschätzung von Ulrich Lota verschmerzen könnte, denn: „Sie haben keine Relevanz.”

Bernd Kassner

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