Die intuitive Generation
22.12.2008 | 13:40 Uhr 2008-12-22T13:40:00+0100München. Microsoft plant eine bessere Suchmaschine, mit der der Software-Riese Googles Vorherrschaft brechen will. Die Branche spüre die Finanzkrise noch nicht, sagt Deutschland-Chef Achim Berg im WAZ-Interview.
Herr Berg, aus dem EU-Konjunkturpaket möchte Kommissionspräsident José Manuel Barroso Milliarden in schnelle Internetleitungen stecken. Was halten Sie davon?
Berg: Für die komplette IT-Branche ist es wichtig, dass schnelle Datenleitungen zur Verfügung stehen. So gesehen: Nur zu!
Betrachtet ein Microsoft-Mann diese Entwicklung nicht mit einem weinenden Auge? Je mehr schnelle Leitungen es gibt, desto mehr nimmt die Bedeutung von klassischen Softwarepaketen wie Office ab – womit Microsoft Milliarden umsetzt.
Berg: Ganz im Gegenteil, das ist eine Riesenchance für uns. Die Arbeit am PC wird sich immer weiter ins Netz verlagern. Künftig besteht die Möglichkeit, Daten auf dem PC oder einem Server im Netz zu speichern. Microsoft verfolgt die Strategie, dem Kunden dabei die Wahl zu lassen. Nehmen wir das Office Paket: Natürlich wird es auch in zehn Jahren noch Leute geben, die Software ganz klassisch auf ihren PC aufspielen. Für die anderen bieten wir Office auch im Internet an. Dies wird werbefinanziert sein und es gibt Abo-Modelle für Premium- oder Unternehmenskunden.
Was kosten diese?
Berg: Da haben wir noch keine Idee.
Wie wird die Finanzierung im Online-Bereich aussehen?
Berg: Im Privatkundenbereich wird sich die Werbung durchsetzen, im Businessbereich Abo-Modelle. Abo-Modelle im Privatkundenbereich setzen sich nur dann durch, wenn ich einer kleinen Gruppe mit einem Dienst deutliche Vorteile bringe.
Wie groß sind die Möglichkeiten, die das Internet bietet?
Berg: Ich glaube, wir alle haben die Auswirkungen des Internets noch gar nicht begriffen, da schließe ich mich durchaus ein. Der große Trend liegt aber klar in der Vernetzung unterschiedlichster Geräte und im Austausch von Daten über das Internet. Ein Beispiel: Anfang 2009 bieten wir einen neuen Dienst an: Live Mesh. Man macht ein Foto mit dem Handy, zehn Minuten später ist es automatisch auf dem PC, ohne es mit Kabel zu übertragen. Zugleich wird es zum Beispiel auf Mutters digitalen Bilderrahmen geschickt.
Für Wirbel hat in diesem Jahr der Übernahmeversuch von Yahoo gesorgt. Warum wollte Microsoft noch im Frühjahr 47,5 Milliarden Dollar dafür ausgeben und hat nun dankend abgelehnt?
Berg: In Amerika und Japan hätten wir unseren Marktanteil mit Yahoo signifikant erhöhen können. Mit den damaligen Geschäftszahlen von Yahoo hätte sich die Investition auch gerechnet. Inzwischen haben sich drei Dinge geändert: Yahoo hat massiv an Wert verloren. Der Suchmarkt ist durch ausbleibende Werbeerlöse unter Druck geraten. Außerdem haben wir uns im vergangenen halbem Jahr weiterentwickelt, Ciao gekauft und selbst investiert.
Die Übernahme von Yahoo war immer nur eine taktische, nie aber eine strategische Option. Deshalb verfolgen wir das Thema nicht weiter. Eine Kooperation halte ich aber für durchaus möglich.
Schließen Sie eine Übernahme aus?
Berg: Ich schließe nichts aus, halte es im Moment aber für sehr unwahrscheinlich.
Sie glauben doch nicht wirklich, auf Dauer gegen Google alleine anzukommen?
Berg: Auf kurze Sicht nicht. Aber es zeichnet Microsoft aus, seine Strategien langfristig und konsequent zu verfolgen. Und wir haben die Mittel dazu. Ich halte es für absolut realistisch, dass wir pari laufen. Gerade im IT-Bereich ist es gefährlich, sich auf Lorbeeren auszuruhen. Der Markt ist extrem beweglich, zudem gibt es keine Markenloyalität im Internet. Wenn man jetzt gut ist, aber seinen Vorsprung nicht halten kann, ist man in einigen Jahren irrelevant. Das kann jedem passieren. Es können auch neue noch völlig unbekannte Player auf den Markt kommen.
Wie will Microsoft vorgehen, um mit seiner Suchmaschine Live Search nicht ins Hintertreffen zu geraten?
Berg: Zunächst einmal: Der Suchmarkt steckt noch in den Kinderschuhen. Egal, welche Suchmaschine ich derzeit nutze, ich bin damit nicht zufrieden. Eine Suchmaschine muss mehr können als Trefferlisten anzuzeigen.
Die nächste Generation wird sehr viel intuitiver sein. Ein Beispiel: Sie geben in die Suchmaschine ein: Ich möchte von Frankfurt nach Bonn. Dann sucht ihnen die Maschine Flug- und Bahnverbindungen heraus und nennt Mietwagenangebote. Sie bekommen auf Ihre Frage konkrete Angebote und nicht 20 Links. Es wird auch sprachgesteuert funktionieren. Um diese Technologien zu entwickeln, haben wir unter anderem einen dreistelligen Millionenbetrag in ein neues Suchtechnologiezentrum in Europa investiert, das Ende des Jahres auch einen Standort in München eröffnet.
Wann wollen Sie diese Technologien einsetzen?
Berg: Sukzessive ab kommendem Jahr.
Im September hat Google mit dem Browser Chrome überrascht. Wie sehen Sie die Konkurrenz?
Berg: Ich sehe mit Chrome neben dem Internet Explorer, Firefox, Safari und Opera einen fünften Browser am Markt. Chrome hat derzeit eine Verbreitung von weniger als einem Prozent, und er hat ein ganz kritisches Thema nicht im Griff: die Datensicherheit. Das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationsindustrie) warnt sogar vor Chrome.
Also gibt es keinen neuen Browserkrieg wie in den 90er Jahren gegen Netscape?
Berg: Das sehe ich nicht.
Spürt Microsoft die negativen Auswirkungen der Finanzkrise?
Berg: Bislang nicht. Wir sind auch in den vergangenen Monaten deutlich zweistellig gewachsen – gerade in der Krise, weil wir Unternehmen helfen, Kosten zu sparen.
Seit fünf Wochen bieten wir Unternehmen eine Nullfinanzierung an, um ihnen über Liquiditätsprobleme zu helfen. Danach fragt vor allem der Mittelstand. Wir bieten den Betrieben die Möglichkeit, in den kommenden zwölf Monaten erst einmal nichts zu bezahlen. Das machen wir, solange es der Markt fordert.
Wird Microsoft Investitionen überdenken?
Berg: Wir werden weiter in Deutschland investieren, in den kommenden Monaten aber mit kaufmännischer Vorsicht. Wir stellen auch mit leicht angezogener Handbremse Mitarbeiter ein. Weitere Einschnitte wären jedoch falsch.
Suchen und finden Sie weitere Fachkräfte?
Berg: Wir suchen einige hundert Leute. Generell fehlen der Industrie in Deutschland 44.000 IT-Fachkräfte. Das Thema werden wir auch in den kommenden Jahren nicht in den Griff bekommen.
Wie wird 2009?
Berg: Wir werden 2009 weiter wachsen. Klar ist aber, dass 2009 ein hartes Jahr wird.
Herr Berg, fällt Ihnen eine schöne Schlagzeile über Microsoft während des Mobile World Congresses 2009 ein?
Berg: Ich habe keine Idee. Für Schlagzeilen sind Sie zuständig.
Wie wäre es mit: Microsoft bringt sein erstes Smartphone heraus? Darüber wird derzeit munter spekuliert.
Berg: Ich will hier weder dementieren noch zustimmen. Ich weiß gar nicht, ob das so intelligent wäre. Wir sind zuerst Softwareanbieter und äußerst erfolgreich damit, unser Betriebssystem bei verschiedenen Produkten verschiedener Anwender zu installieren. Windows Mobile ist das am schnellsten wachsende Betriebssystem und wir geben uns nicht mit der Position eines Nischenanbieters zufrieden.
Microsoft hat im Sommer seinen Standort in Köln eingeweiht. Wie geht es dort weiter?
Berg: Der Campus ist der erste seiner Art, wo wir mit Partnern unter ein Dach gehen. Dort haben wir derzeit 200 Mitarbeiter und wollen im kommende Jahr mit unseren Partnern auf 500 aufstocken. Demnächst erfolgt die Grundsteinlegung für den zweiten Bau. Wir haben 70 Bewerber, die mit uns gerne einziehen. Zudem soll ein dritter Campus gebaut werden. 2012 werden wir dann 600 Mitarbeiter in Köln haben.
Warum ist Köln für Microsoft interessant?
Berg: Das Rheinland ist die stärkste Wirtschaftsregion in Deutschland. Hier gibt es IT-Fachkräfte von den Hochschulen und hier sitzen unsere größten Kunden. Was liegt näher, als in dieser Region zu investieren?
07:48
Das M$ immer in allem der King sein muss/kann/will.... Erst Betriebssysteme, dann Spielekonsolen, zur Zeit Grafiksoftware und RIA (wo sie aber von Adobe gezeigt bekommen wo der Hammer hängt) und in Zukunft Suchmaschinen ??? Ist ja irgendwo schon amüsant.