Die Gründung der „Stadt Ruhr”
06.11.2008 | 12:08 Uhr 2008-11-06T12:08:00+0100
Gelsenkirchen. Das Ruhrgebiet soll ein Parlament und einen Repräsentanten bekommen, fordert der Verein Pro Ruhrgebiet. Eine bürgerschaftliche Initiative will für das Projekt Einheit begeistern
Treffen sich 550 Bürger und gründen eine Stadt. Auf diese Weise soll ja auch die Schweiz entstanden sein vor ungefähr 700 Jahren – per Eidesschwur unter Genossen – warum also nicht die „Stadt Ruhr”? Das Ruhrgebiet soll auf die Landkarte – auch wegen der Außenwirkung.
Es sind ja übrigens auch nicht irgendwelche Bürger, die sich am Mittwochnachmittag im Gelsenkirchener „Musiktheater im Revier” versammelt haben und behaupten: „Wir gründen Deutschlands größte Stadt”; einige Prominenz ist darunter.
Der Fußballmanager Rudi Assauer, der Spitzenmediziner Dietrich Grönemeyer und der Schwimmstar Christian Keller unterstützen das Anliegen – ebenso Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Landtagspräsidentin Regina van Dinther (CDU), RWE-Chef Jürgen Großmann, Läuferlegende Willi Wülbeck und der Rektor der Ruhr-Uni Elmar Weiler.
Der Verein Pro Ruhrgebiet hat sie und viele andere zusammengetrommelt, um mit dem symbolischen Akt vor allem einen Impuls zu setzen in dieser verfahrenen Angelegenheit namens Ruhrgebiet.
Machtkampf um das Revier
Denn jenseits der feierlichen Worte befindet man sich ja in einem Machtkampf. Historisch betrachtet ist das Ruhrgebiet immer von außen kleingehalten worden; erst in den 60er Jahren wurde dieser Riesenansammlung von Menschen ihre erste Universität gestattet. Noch immer ist das Ruhrgebiet geteilt in zwei Landschaftsverbände, drei Regierungsbezirke und 53 Städte. Ein Zufall ist das nicht. Es liegt auch daran, dass sich das vermutete Interesse der Ruhrgebietsbürger auf einheitliche Verwaltung, einheitliche Verkehrsplanung und einheitlichen Wirtschaftsraum bislang nicht ausreichend organisieren konnte.
Nun will also Pro Ruhrgebiet – der Verein, der getragen wird von den wichtigsten Unternehmen der Region – dieses vermutete Interesse dokumentieren mit einer Unterschriftenaktion. Auf Postkarten oder übers Internet (www.stadtruhr.de) können und sollen sich auch ganz normale Bürger beteiligen. Um diese als Argument im politischen Machtkampf einzusetzen und Öffentlichkeit zu schaffen. Der Vereinsvorsitzende Helmut an de Meulen sagt es so: „Niemand soll sich um die Frage ,Wie hältst Du's mit der Stadt Ruhr' herumschleichen können.”
Die zentrale Forderung lautet: Ein angedachter Regierungsbezirk Ruhr reicht nicht, die Bürger sollen direkt ein Ruhrparlament wählen; das Ruhrgebiet brauche außerdem einen Repräsentanten. „Damit bekommt die Stadt der Städte ein Gesicht.” Ein Plan, der – das sagen viele Redner im Musiktheater – noch konkreter formuliert werden muss. Denn auch er birgt Stoff für einen Machtkampf. Würde ein Ruhrparlament nicht die Oberbürgermeister und viele Verwaltungsmitarbeiter arbeitslos machen?
Frank Baranowski, gastgebender Oberbürgermeister von Gelsenkirchen und Chef der Revier-SPD, steht der Parlamentsidee positiv gegenüber – und fordert konsequenterweise vom Land NRW ein eigenes Budget für die neue Institution. Trotzdem schränkt er ein: „Träger der Verwaltung in der Metropole Ruhr sind die Kommunen. Das soll auch so bleiben, denn das gewährleistet Bürgernähe . . . Ich möchte daher dafür plädieren, einem direkt gewählten Ruhrparlament dann auch eine zweite Kammer mit den Oberbürgermeistern und Landräten beiseite zu stellen.”
Das wäre in der Tat eine ganz neue kommunale Konstruktion. Es gibt eben noch viel zu diskutieren, bis sich vielleicht einmal ein gemeinsames Interesse formulieren lässt. Baranowski schließt: „Bauen wir weiter an der exzentrischsten Metropole der Welt!”
09:05
Seit es diesen Siedlungsraum Kohlenpott gibt, gibt es die Idee Ruhrstadt, die Idee, sie vom Rheinland und Westfalen zu lösen und eine eigene Landmannschafft zu bilden.
Fakt ist, Landschaften und Geschichte lassen sich nicht umschreiben.
Das Ruhrgebiet gehört weiter hin zum Rheinland und Westfalen.
Und was Gott getrennt hat, das soll der Mensch nicht zusammen fügen.
11:18
ich verstehe die Gegner der Idee Ruhrstadt nicht. Als aus Berlin Großberlin Anfang der 20er Jahre entstand gab es eine ebenso kleinmütige Einstellung so manch Spandauer und Köpenicker. Heute freuen sich alle dass sie in der hippen Stadt Berlin wohnen - und sind trotzdem Spandauer und Köpenicker geblieben !
Als was wollen die Wattenscheider und Kettwiger eigentlich ?
Weder Bochum noch Essen wird international genügend wahrgenommen - Dortmund höchstens bei Fußballfans..
immer wieder ... close to Cologne--- das ist keine langfristige Lsg.
19:31
Die Wiederbelebung einer uralten Schnapsidee. Niemand ist an einem einheitlichen Ruhrgebiet interessiert außer einigen Sonntagspolitikern. Jede Stadt lebt für sich, und das ist auch gut so. Und ein Parlament kann es ohnehin nicht geben, weil diese Bezeichnung für die kommunale Ebene unzulässig ist. Wieder mal Blödsinn verzapft, Hauptsache, man hat darüber geredet.
18:46
@22 einmal pavian, immer pavian! ;-))
16:08
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15:58
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15:14
Das ist wieder rausgeworfenes, sinnlos verpulvertes Geld.
Seit es diesen Siedlungsraum Kohlenpott gibt, streiten sich die Hähne ohne Ende.
Statt den Tatsachen ins Augen zu sehen und es dabei belassen, wieder mit Millionen rumwerfen.
14:48
Seit Jahren gibt es die Ruhrstadt-Initiative -> www.ruhrstadt-initiative.de . Aber natürlich können die Herrschaften nicht einfach beitreten, sondern müssen standesgemäß ihr eigenes Süppchen kochen. Statt alle an einem Tisch zu sitzen hockt doch jeder wieder mit seinem Clübchen an getrennten Tischen und will eigentlich das Gleiche.
Die Vision von der Ruhrstadt teile ich aber auch: nur noch ein Oberbürgermeister, nur ein Stadtrat, eine VHS: was sich da an Personalkosten einsparen lässt ;-)
14:37
Ich identifiziere mich zu allererst mit meiner Stadt und nicht mit der Region. Eine Stadt Ruhr ist überflüssig und bürgerfremd.
Auch der immer wieder angeführte Vergleich mit Berlin hinkt gewaltig. Die Ruhrstädte sind völlig anders strukturiert und haben jede für sich selbst ein Zentrum und eigene Stärken, die es herauszustellen gilt.
13:59
Für die Benennung hätte ich noch ein paar Vorschläge:
New Ankara oder little Anatolien oder vielleicht auch Cap Bosporus!!??