Die geraubte Jugend der Heimkinder
17.02.2009 | 22:45 Uhr 2009-02-17T22:45:00+0100
Berlin/Essen. Ein Runder Tisch in Berlin befasst sich mit dem Martyrium der Heimkinder in den 50er- und 60er-Jahren. Auch Entschädigungen für Betroffene sind im Gespräch.
Es sind Erfahrungsberichte, die einem den Atem rauben. Ehemalige Heimkinder erzählen, wie ihnen brutal die Jugend geraubt wurde. Angeblich „zum Schutz vor Verwahrlosung” wurden sie in der Nachkriegszeit in Heimen untergebracht, in denen Schläge, Erniedrigungen, Misshandlungen und sexuelle Übergriffe an der Tagesordnung waren.
„Als ich 1964 aus dem Heim entlassen wurde, war ich körperlich und seelisch ein Wrack”, sagt ein Betroffener, der drei Jahre „in einem christlichen Arbeitslager” war. „Ich war verängstigt, unselbstständig und konnte niemandem in die Augen schauen.” Nachzulesen sind die erschütternden Lebensgeschichten auch auf der Internetseite des Vereins ehemaliger Heimkinder (www.veh-ev.org).
Entwürdigende Bestrafungen, willkürliches Einsperren und vollständige Entmündigung
Seit Dienstag beschäftigt sich in Berlin ein „Runder Tisch” mit dem Schicksal der Heimkinder in den 50er- und 60er-Jahren. Der Bundestag hatte sich auf Anregung des Petitionsausschusses für dieses ungewöhnliche Vorgehen entschieden. Unter der Leitung der früheren Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne) soll das Gremium das Unrecht aufarbeiten, das die Heimkinder erlitten haben. In der Petition hieß es, viele der jungen Heimzöglinge hätten unter entwürdigenden Bestrafungen, willkürlichem Einsperren und vollständiger Entmündigung durch die Erzieher gelitten.
„Das Schicksal der Heimkinder ist bedrückend und ein viel zu lange verdrängtes Thema”, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) der WAZ. Für die schwierige Aufgabe der weiteren Aufarbeitung des geschehenen Unrechts werde „große Hartnäckigkeit erforderlich” sein, erklärte Lammert. Der Runde Tisch sei „ein Signal der Hoffnung” für die längst erwachsenen Opfer.
„Rigides Law-and-Order-Denken”
Antje Vollmer nannte es „besonders tragisch”, dass fast alle Heime in kirchlicher Trägerschaft waren. Die Kinderheime seien „keine Orte der Freiheit im Geiste des Evangeliums” gewesen, sondern hier habe ein „rigides Law-and-Order-Denken” geherrscht. Keineswegs gehe es ihr allerdings um „eine neue Antikirchenkampagne”, betonte Vollmer.
Im Raum stehen auch Forderungen nach Entschädigungen für die ehemaligen Heimkinder – vermutlich mehrere tausend Betroffene. Zu möglichen Entschädigungszahlungen sagte Vollmer: „Wir werden alles prüfen, schließen nichts aus, werden aber auch nichts garantieren.”
Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche drückten den Betroffenen ihr Bedauern aus. „Es tut uns unendlich leid”, sagte der EKD-Vizepräsident Hans Ulrich Anke. Für die Deutsche Bischofskonferenz erklärte Johannes Stücker-Brüning, man bedauere zutiefst, „dass offenbar auch in katholischen Heimen Kindern und Jugendlichen Unrecht und schweres Leid widerfahren ist”.
Zahlen darüber, wie viele Kinder und Jugendliche in Heimen des Ruhrgebiets waren, liegen nicht vor. Die Nachforschungen stecken oft erst in den Anfängen. Die Diakonie Rheinland, Westfalen und Lippe erklärte, es habe damals mehrere Dutzend Einrichtungen gegeben, etwa in Bethel, Neukirchen-Vluyn und oder in Mülheim. „Wir möchten das aufklären”, erklärte Diakonie-Sprecher Ulrich Christenn. Auch der Deutsche Caritasverband legt Wert auf einen offenen Umgang mit den Anliegen ehemaliger Heimkinder. „Viele von ihnen möchten ihre Akten einsehen”, sagt Caritas-Sprecherin Claudia Beck. „Viele wollen über ihre Erlebnisse sprechen. Und die jetzigen Heimleitungen nehmen sich dafür auch viel Zeit.”
21:52
Der Heimkinderverband veröffentlicht in der Presse die verbrechen an Kinder in der Jetztzeit.
Wir forderten Menschenrechtsverletzungen unter Strafe zu stellen, was bis heute nicht möglich ist.
09:33
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
15:44
Ich bin unendlich traurig, dass Sie alle derartiges erleben mussten.
Wie innerlich zerstört müssen die Menschen gewesen sein, die in den Heimen gearbeitet haben, Nonnen, Priester, sonstige Helferinnen und Helfer, dass die so gegen jede menschliche Empfindung handeln konnten.
Ich wünsche Ihnen - nach der nochmaligen Thematisierung - Seelenfrieden und der Kirche und allen sonstigen Institutionen die Heime, heute Kinder- und Altenheime, beaufsichtigen, mehr Sensibilität für die Aufdeckung nicht hinnehmbaren Leids.
PeKro
12:43
Weitere Verbrechen: www.gewalt-im-jhh.de
10:57
#5 der Essener
Danke für diese klaren Worte, Sie sprechen mir aus dem Herzen!
Den Menschen, die eine so furchtbare Kindheit erleben mußten gilt mein ganzes Mitgefühl
10:49
Die damaligen Gastarbeiter, waren übrigens die Leute, die einem deutschen Kind in den 50ger 60ger Jahren, Liebe und Geborgenheit gegeben haben, was ich von meinem gewalttätigen deutschen Vater, ein Beamter niemals behaupten kann.
Ich durfte zwar nicht dort hin, aber dafür nahm ich die Prügel in kauf, weil ich da behandelt wurde als wäre ich eines Ihrer Kinder!
10:05
Entschädigung ist immer gut !
Die einen haben Geld um sich die Zuneigung der Verwandten oder sog. Freunde zu erkaufen.
Die anderen haben ein gutes Gewissen, man hat sich ja frei gekauft.
Die Wahrheit bleibt ohnehin auf der Strecke !
09:31
Aus eigener Erfahrung: Geschlagen und erniedrigt wurde bis in die 70er. Als das Schlagen aufhörte nahmen die Erniedrigungen auf anderen Ebenen zu. Das war mitunter viel übler. Was mich nachhaltig geprägt hat? Ich erkenne keinen Menschen als Obrigkeit an. Egal aus welcher Ecke er kommen mag. Würde mir heute einer jener Figuren von damals über den Weg laufen...
Eines ist mal sicher, da gibt es nichts zu entschädigen. Weder Materiell noch Seelisch.
Diese Prägung ist unumkehrbar.
09:19
@ Mike
genau so sehe ich das auch, es ist schade, das man selten in diesem Forum auf einer vernünftigen Basis diskutieren kann.
Jeder der hier täglich seinen Mist abläd soll einmal über sich selber nachdenken, was eigentlich mit Ihm los ist.
Wir Deutschen haben wahrlich genug Dreck vor der eigenen Tür , wenn wir den weg kehren, kommen wir an anderer Länder Dreck gar nicht dran.
Nun zum Thema:
Auch ich kann das bestätigen, das diese Kinder geschlagen wurden. Ich war während eines Krankenaufenthaltes meiner Mutter für einige Wochen in einem sogenannten Waisenhaus.
Ich sage nur Grausam, was da passiert ist.
Wie diese Kinder aus nichtigem Anlass geschlagen wurden,kann man nicht in Worte fassen.
Ich hoffe das diese Menschen jetzt endlich entschädigt werden, für das was man Ihnen angetan hat.
Den ersten Schlag in meinem Leben, habe ich von einer Nonne bekommen, weil ich den Tisch nicht richtig gedeckt hatte.Weil ich das Besteck nicht gerade gelegt hatte. Ich fand es einfach schöner das das Besteck schräg lag. Noch heute denke ich darüber nach, wenn ich an einem gedeckten Tisch sitze. So etwas wurde einem 5 jährigen Kind eingeschlagen,
Ich möchte nicht weiter auf dieses Heim eingehen,weil es mich noch heute sehr belastet.
Wochen die unvergesslich sind.
Ich möchte noch ein Erlebnis schildern, weil ich oben das Wort Bastard gelesen habe. Meine Eltern waren noch nicht verheiratet, weil meine Mutter kath. war und mein Vater evgl.Ich hatte noch einen jüngeren leiblichen Bruder. Meine Mutter war Kriegerwitwe und hatte aus dieser Ehe drei Söhne, die viel älter waren als wir zwei.Einer dieser Söhne verunglückte 1958 tödlich. Ausgerechnet mein Lieblingsbruder.
Mein kleinster Bruder durfte in den Kindergarten gehen, für mich fehlte das Geld dazu.
Oftmals stellte ich mich an den Zaun oder an die Türe des Kindergartens und schaute mit
Wehmut wie die Kinder spielten und hätte natürlich gerne mitgespielt.Da kam eine Nonne aus dem Kindergarten und schrie hinter mir her, verschwinde Du Bastard. Ich lief dann auf den Friedhof der in unmittelbarer Nähe lag, auf dem mein Bruder beerdigt war und setzte mich auf die Einfassung des Grabes weinte und verstand nicht warum er nicht mehr zurück kam.
09:05
Es ist nun mal so, der Mensch ist die größte Bestie auf dieser Welt. Ich hoffe das jetzt alles ans Tageslicht kommt und die Kirchen sich für diese ******* entschuldigen - natürlich kann kein jetziger Geistlicher für das damalige Geschene etwas, genauso wie unsereins für den Holocaust was kann. Wir waren nicht dabei, nicht auf der Welt damals. Aber man muss alles herausfinden, damit sich sowas nie wiederholt, egal wo auf den Planeten Erde. Ich denke aber, solange es Menschen gibt, wird es auch Böses geben, insbesondere wenn die falschen (Bösen) zuviel Macht haben - das sehen wir immer wieder (3. Reich, Kambodscha, China, Russland, Balkan, Japan usw.) nur mal um einiges aus der neueren Menschenzeit aufzuzählen. Man muss einfach wachsam bleiben und das Böse bekämpfen......Und die Kirchen sollten endlich mal zu ihren Fehlern stehen - denn radikale Glaubensfanatiker - egal ob christlich, jüdisch, moslemisch oder sonst was für ein Glauben, sind in Wirklichkeit das Verderben des gesunden Menschenverstandes.