Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Kommentar

Die EU und das Drama an den Küsten

31.03.2009 | 21:19 Uhr
Die EU und das Drama an den Küsten

Brüssel. Ständig werden Flüchtlinge an Europas Küsten gespült, besonders im Süden. Doch viele erreichen den Kontinent nie, so wie die 300, die jetzt vor Libyens Küste ertrunken sind. Die Politik tut sich nach wie vor schwer mit der Steuerung der Einwanderung, einheitliche Regeln gibt es nicht.

Als die EU-Innenminister im vorigen Sommer über die Einwanderungspolitik debattierten, waren sie sich schnell einig: „Europa ist keine Festung“, betonte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Verzweifelte Menschen würden nicht im Stich gelassen und Flüchtlinge notfalls eine neue Heimat bekommen; man müsse die Zuwanderung nur besser regeln. Seitdem haben wieder Hunderte Menschen an den Grenzen ihr Leben gelassen, sind wieder Hunderte Frauen, Männer und Kinder auf der Flucht ertrunken, wurden Hunderte Asylsuchende in Lager gepfercht. Und Europa sieht weiter hilflos zu.

Länder müssen gemeinsamen Umgang mit Einwandern finden

"Europa ist keine Festung", sagt Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Foto: ddp

Tatsächlich tut sich die EU nach wie vor sehr schwer, die richtige Antwort auf das Flüchtlingsdrama an ihren Küsten zu finden: Während innerhalb der Gemeinschaft die Schlagbäume oben bleiben, immer mehr Staaten den Schengen-Abkommen beigetreten sind, wurde die Außengrenze zu einer High-Tech-Anlage aufgerüstet und die Grenzschutzagentur Frontex gestärkt; Patrouillen sollen ungebetene Eindringlinge abwehren und Illegale rascher in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Doch genützt hat das alles nichts; der Strom der Flüchtlinge ist ungebrochen.

Wenn die EU Einwanderung wirkungsvoll steuern will, muss weiter reichende Lösungen finden, davon sind die Regierungen überzeugt. Doch Willensbekundungen allein reichen nicht aus: Die Länder müssen einen gemeinsamen Umgang mit Asylbewerbern, mit legalen und illegalen Einwanderern finden. Bislang kocht jeder sein eigenes Süppchen: Spanien, aber auch Italien und Griechenland zum Beispiel haben in der Vergangenheit großzügig Aufenthaltsbewilligungen an Illegale verteilt, um dringend benötigte Saisonarbeiter anzulocken - und damit Begehrlichkeiten geweckt.

Vorschläge der EU-Kommission stoßen sogleich auf Protest

Ein libyscher Polizist verteilt Brot an Flüchtlinge, die den schweren Sturm vor der Küste überlebt haben. Foto: afp

Die EU muss auch enger mit den Herkunftsländern der Flüchtlinge zusammenarbeiten. Afrikanische Regierungen schalten beim Stichwort Rückführungsabkommen oft auf taub, vor allem, wenn es keine Gegenangebote gibt für eine legale Einwanderung. Doch sobald die EU-Kommission Vorschläge macht, eine Arbeitserlaubnis für hochqualifizierte Migranten vorschlägt oder Saisonarbeitern die Einreise in die EU erleichtern will, hagelt es Protest – allen voraus aus Deutschland, das sich keine gemeinsame Regelung aufzwingen lassen will.

Da Entscheidungen zur legalen Zuwanderung in der EU aber Einstimmigkeit erfordern, hängen viele Gesetze in der Warteschleife. Und so lange sich Europa nicht einig ist, wird das Elend vor seinen Küsten weitergehen.

Mehr zum Thema:

Katrin Teschner

Facebook
 
Kommentare
01.04.2009
05:49
Die EU und das Drama an den Küsten
von fsch | #4

Genau, Augen zu und nach mir die Sintflut!

Wenn wir jetzt nicht humanitär eingreifen und die Situation für diese Menschen erträglich zu lösen helfen, wird uns diese Flüchtlingswelle beizeiten überrollen.

01.04.2009
03:47
Die EU und das Drama an den Küsten
von wiedumir | #3

Es wird vom Elend vor den Küsten gesprochen (letzter Satz). Aber besser das Elend dort als bei mir vor der Haustür.


Danke und ein schönes Leben noch...

01.04.2009
02:00
Die EU und das Drama an den Küsten
von janeisklar | #2

sollen sie halt nicht herkommen.

31.03.2009
22:05
Blockierter Kommentar.
von rene.bogdanski | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/563725/create

Umfrage

Hat Schweden zurecht den ESC gewonnen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Der Weg zum Smartphone
Bildgalerie
Fotostrecke
Literatur-Nobelpreisträger
Bildgalerie
Auszeichnung
Nominierungen für den Europäischen Filmpreis 2009
Bildgalerie
Filmpreis
Foto
Von der Leyens Karriere
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Hilfsbedarf steigt akut
WAZ-Info
In immer mehr Familien wird Hilfe benötigt, um den alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden. Für die Allgemeinheit wird das teuer.
Mit King Kong in der Warteschlange
Kino im Bild
Zwei Wochen lang konnte man die „Kinohelden“ des gleichnamigen Jugendwettbewerbs der Kunst- und Musikschule in der Hauptstelle in Velbert-Mitte sehen. Die Ausstellung ging jetzt mit der Prämierung der Gewinner zu Ende.