Die Empörung wächst
01.02.2009 | 18:52 Uhr 2009-02-01T18:52:00+0100
Die Empörung über die Entscheidung des Papstes, vier exkommunizierte Bischöfe der traditionalistischen Bruderschaft Pius X. in die Kirche zurückzuholen, steigt.
Einer der Bischöfe, Richard Williamson, leugnet den Holocaust. Katholiken und Priester aus dem Ruhrgebiet beklagten, dass es zu Verletzungen auf jüdischer Seite kam. Kritisiert wird auch, dass der Papst sich um Anhänger rechter Gruppierungen bemühe, während er Reform-orientierte Gruppen düpiere.
In Recklinghausen bekundeten Dechant Peter Lenfers und der Vorsitzende des Stadtkomitees der Katholiken, Heinz-Bernd Terbille, der Jüdischen Gemeinde in einem offenen Brief ihre Solidarität.
„Der Papst hat die Welt enttäuscht.” Auf diese Formel brachte der Theologe Hans Küng die Vorgänge. Küng kritisierte die Weltenferne des Papstes und forderte seine Ablösung. Benedikt laufe Gefahr, als „Papst der Brüskierung” in die Geschichte einzugehen, sagte er der „Frankfurter Rundschau”. Neben Küng legte mit Hermann Häring ein zweiter Theologe dem Papst den Rücktritt nahe. Der Münchener Tageszeitung „tz” sagte er: „Wenn dieser Papst der Kirche etwas Gutes tun will, müsste er zurücktreten. Das wäre keine Schande.”
Am Wochenende sorgte Benedikt XVI. mit der Ernennung des umstrittenen Geistlichen Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof von Linz für neue Kritik. Wagner hatte die Tsunami-Katastrophe 2004 und die Zerstörung der Stadt New Orleans durch den Hurrikan „Katrina” 2005 als Strafen Gottes beschrieben.
Der Vatikan zog am Wochenende erneut einen klaren Trennungsstrich zwischen der Kirche und Holocaust-Leugnern. Dennoch kritisierte der Vizepräsident des Zentralrates der Juden, Salomon Korn, die Entscheidung des Papstes im „Spiegel” als einen „Rückfall in frühere Jahrhunderte”. Scharfe Worte fand auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU): „Solche Vorkommnisse gefährden den vom heutigen Papst und seinem Vorgänger ausdrücklich für unverzichtbar erklärten Dialog mit den jüdischen Organisationen.” Kardinal Karl Lehmann nahm Benedikt XVI. in Schutz: „Es tut mir für den Papst leid, der ja die lautersten Absichten hatte”, sagte er der „Welt am Sonntag”. Dennoch seien im Vatikan Fehler gemacht worden.

09:33
Der Vatikan macht keine Fehler! Er ist der Fehler!
00:50
Ein nach eigenem Selbstverständnis Unfehlbarer macht einen Fehler nach dem anderen. Und Schuld daran ist ein seniler Trottel im Kardinalsrang, der den jungen, unerfahrenen Kollegen falsch beraten hat.
Man könnte lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Aber schliesslich sind wir Papst - wir kriegen das schon hin!