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Die CDU stellt die Sinnfrage

27.12.2009 | 16:37 Uhr

In der CDU wird über das Thema Steuerentlastung heftig debattiert.

Berlin. Norbert Lammert gehört zu den CDU-Abgeordneten, die dem  Steuerpaket der Koalition  im Bundestag nicht zugestimmt haben. Das  ist ein paar Wochen her und war schon damals ein Vorgang. Immerhin  ist der Mann aus Bochum kein Hinterbänkler. Er ist der  Parlamentspräsident.

Für die nächste Steuerreform wünscht sich Lammert mehr Sorgfalt, wie  er jetzt in einem Interview anmahnte. Er steht mit der Haltung nicht  allein da. Seit Tagen geben führende Unions-Politiker ihre Bedenken  und Zweifel zu Protokoll. Es sind Warnschüsse. "Mehr Netto vom  Brutto" scheint nur für FDP und CSU das Nonplusultra zu sein.

In der CDU mahnen immer mehr Politiker Schuldenabbau an. Die  Bringschuld ist Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wohl bewusst.  Nur rausrücken mag er seine Streichlisten nicht. Noch nicht. "Wer  jetzt schon alles verrät, läuft Gefahr, dass später alles zerredet  wird", gestand er  einer Sonntagszeitung. Das ließ die Opposition  aufhorchen. Bis wann will sich Schäuble Zeit lassen? Bis Mai,  argwöhnt die  SPD. Bis nach der NRW-Wahl? "Das ist nichts anderes  als die offene Ankündigung eines Wahlbetrugs", schäumt ihr  Parteichef Sigmar Gabriel.

Interessanter als die reflexhafte und rollengerechte Kritik sind die  Absetzbewegungen in der CDU. Den Anfang machte - kaum hatte das  Gesetz mit Ach und Krach den Bundesrat passiert - NRW-Regierungschef  Jürgen Rüttgers. Er empfahl in der WAZ, vor weiteren Entlastungen  erst die Steuerschätzung im Mai 2010 abzuwarten. Das war überaus  taktvoll gegenüber der FDP. Rüttgers will keine Störung seiner  eigenen Koalition mit den Liberalen. Er möchte ihnen eine Leiter  hinstellen - damit sie vom Baum runtersteigen können. Die Leiter ist  die Steuerschätzung.

Andere CDU-Granden folgten, und zwar lauter, fordernder und  ungeduldiger. Christian Wulff, Roland Koch, Günther Oettinger. Drei  Ministerpräsidenten, eine Botschaft: 20 Milliarden Euro an  Entlastungen könnten sie kaum verkraften. Für Oettinger ist das, was  die Koalition vereinbart hat, "absolut unvorstellbar". Er darf sich  so äußern, so hart und so  rücksichtslos. 2010 wird er EU-Kommissar  in Brüssel. Warum soll er noch die FDP pflegen?

Die hält Kurs. Niedrige Steuern sind der Polarstern der FDP. In der  Opposition hat sie sich stets danach orientiert - sie kam damit weit. Vielleicht ist ihr Chef Guido Westerwelle bloß zu sehr mit dem  Außenministerium  befasst. Vielleicht hat er die Dimension des  Streits nicht so durchschaut wie Lammert. Für ihn ist hinter den  einzelnen Steckenpferden der Partner "kein gemeinsames Projekt der  Koalition erkennbar. Das aber ist die Sinnfrage jeder Koalition und  jeder Regierung. 

Miguel Sanches

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Kommentare
02.01.2010
15:59
Die CDU stellt die Sinnfrage
von henkerich | #7

Merkel hat nicht bemerkt, wen sie sich ins Haus geholt hat. Es sind mehr als Politikclowns. Warum lässt sie den Schwachsinn der Forderungen unkommentiert zu? Sie kann nicht mehr bis nach der NRW-Wahl warten. Bereits jetzt wird der CDU schwer geschädigt.

28.12.2009
00:15
Die CDU stellt die Sinnfrage
von WilliWacker | #6

Die alte Anarcho-FDP ist wieder da. Macht kaputt, was Euch kaputt macht, also die Staatskasse, z.b. Die haben elf Jahre in der Opposition den reinen Markt, aus dem der Staat sich rauszuhalten habe, gepredigt. Und jetzt war nur alles Spaß.
Typisch

27.12.2009
23:20
Die CDU stellt die Sinnfrage
von der_Manni | #5

Oh das geht aber schnell. Nach noch nicht einmal 3 Monaten gibt es große Absetzbewegungen in der CDU. Es wird sehr sehr einsam um Chaosmutti und ihrem Guidolanti. Die Ministerpräsidenten und Abgeordneten mit Rückgrat in der CDU (gibt es tatsächlich, siehe Lammert) wollen nicht mit der unseriösen Staatsbankrottpolitik der gelben neoliberalen Sektierer in Zusammenhang gebracht werden, denn das wird ihnen später viele Wahlstimmen kosten.
Diese Nachricht ist wirklich sehr schön, zeigt sie doch, daß es selbst in der CDU starke Zweifel an der uneriösen Staatsbankrottpolitik der gelben Gefahr gibt. Wenn NRW für Schwarz-Gelb verloren geht, wird Chaosmutti in 2010 um ihr politisches Überleben kämpfen.

27.12.2009
23:19
Die CDU stellt die Sinnfrage
von leserin0815 | #4

@Willi WAcker ...geb dir 100% Recht...
diese FDP wird uns Alle in den Abgrund ziehen...
Steuersenkungen in dieser Zeit wo der Staat pleite ist...krank! Kein Bürger würde sich beschweren wenn man damit noch wartet..
Joachim Bovier ist ein Verblendeter, es soll ja noch welche geben..
Eine Kanzlerin die wirklich Alles aussitzt und ein Leichtmatrose der noch vor Kurzem bei Papa wohnte.... was ist aus unserem Land bloß geworden?

27.12.2009
21:35
Die CDU stellt die Sinnfrage
von WilliWacker | #3

#1
Meinen sie die Partei die mit 13% Wählerstimmen
Deutschland verarschen will ?
Und welche Steuern hätten sie den gerne gesenkt,rufen sie mal Guido den Lachsack an,eventuell kann er Helfen.
In 3 Jahren spricht keiner mehr von denen und sie die Neoliberalen sind endlich wieder da angelangt ,wo sie hingehören bei 5-6%
Wetten!?

27.12.2009
19:48
Die CDU stellt die Sinnfrage
von joergel | #2

Das glaube ich kaum. Wenn die Gelben den Bogen überspannen, ist es aus mit der Koalition und den schönen Ministerposten. Dann kann die FDP sich wieder die nächsten Jahre/Jahrzehnte auf die Oppositionsbank setzen. Die CDU findet garantiert in kürzester Zeit einen anderen Koalitionspartner. Die jetzt so geifernde SPD wird sich dann sicherlich gerne wieder zur Verfügung stellen. Da brauchts nicht mal Neuwahlen.

27.12.2009
17:46
Die CDU stellt die Sinnfrage
von Joachim Bovier | #1

Immer mal in Rubhe abwarten und sich von den Drohinstrumenten eines Herrn Schäuble nicht einschüchtern lassen. Ohne Steuersenkungen gibt es keine Koalition der FDP mit der CDU/CSU - und ohne die auch keinen Finanzminister Schäuble. Im Zweifel sitzen die gelben glücklicherweise am längeren Hebel.

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