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Merkel trifft Obama

Deutschland für USA ein Partner zweiter Klasse

25.06.2009 | 17:20 Uhr
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Deutschland für USA ein Partner zweiter Klasse

Essen. Kanzlerin Angela Merkel besucht US-Präsident Barack Obama. Doch der Austausch von Freundlichkeiten kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland für die USA immer unwichtiger wird.

In der modernen Medienwelt wird Politik über Personen wahrgenommen. Und auch das oft nüchterne Geschäft bilateraler  Beziehungen, also das politische Verhältnis von Nationen und  Regierungen zueinander, wird gern in den Kategorien des Menschlichen  dargestellt: Zuneigung, Liebe, Verachtung, Eifersucht, Zerwürfnis,  Versöhnung. Nur so erklärt sich die mediale Legende von der  männerkumpelartigen Freundschaft zwischen Helmut Kohl und Bill Clinton.

Ihnen  folgten, wenn man den Schlagzeilen glaubt, die erbitterten Erzfeinde  Gerhard Schröder und George W. Bush, bis dann Bush und Merkel die angebliche "diplomatische Eiszeit" beendeten und wieder überraschend gute  Freunde wurden, Nackenmassage und Grillabend inklusive. Nun also Merkel und Obama.

Spät für ersten Besuch

Die US-Flagge vor der Dresdner Frauenkirche. Foto: ddp

In der medialen Klischeewerkstatt sind  längst die ersten Prototypen des neuen deutsch-amerikanischen  Verhältnisses entstanden. Es heißt nun, die beiden könnten nicht gut  miteinander, es ist die Rede von Skepsis, Distanz, Enttäuschung und  Misstrauen. Nachtragend sei Obama, denn er könne der Kanzlerin nicht  verzeihen, dass sie ihm im vorigen Jahr die Wahlkampfrede vor dem  Brandenburger Tor nicht erlauben wollte. Merkel, so sagt man, habe  längst gespürt, dass Obama sie nicht leiden kann, zuletzt bei seinem  Deutschlandbesuch vor wenigen Wochen, als er Berlin links liegen  ließ und sein Programm kaum mit der Kanzlerin abstimmte. Jetzt macht  sich die Kanzlerin nach Washington auf, am Freitag wird sie im Weißen Haus sein. Obama ist schon fast ein halbes Jahr im Amt - für  Merkels ersten Besuch beim neuen Präsidenten ist es reichlich spät,  und auch das wird als Zeichen dafür gedeutet, dass das Verhältnis  der beiden nicht gut ist.

Da mag im übrigen etwas dran sein, aber so genau, wie die meisten  Journalisten das wissen wollen, weiß man es eben doch nicht. Beide,  Merkel und Obama, sind viel zu professionell, um sich von kleinen  Enttäuschungen und Eifersüchteleien leiten zu lassen. Sie sind beide  an einem guten, das heißt: sachorientierten Verhältnis interessiert.  Für menschliche Gefühle, sei es Zu- oder Abneigung, ist im internationalen politischen Geschäft viel seltener Platz, als viele Medien glauben machen wollen. Der Blick auf das deutsch-amerikanische Verhältnis wäre ohnehin  klarer und unverfälschter, wenn man sich von den personalisierten  Polit-Stories lösen würde. Bilder vom Händeschütteln im Oval Office  sind für den Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen weitgehend  bedeutungslos. Mehr noch: Viele der offiziellen Besuche enden ohne  jedes greifbare Ergebnis und dienen, wenn man ehrlich ist, oft nur  dem Zweck, werbewirksame Bilder herzustellen. (Auch Angela Merkel  kann den Auftritt auf der Weltbühne im Wahlkampf gerade gut  gebrauchen).

Nicht mehr so wichtig

Wer in den letzten zehn Jahren die amerikanische Politik aus der  Nähe verfolgt hat, konnte dagegen eine Beobachtung machen, die  erstaunlich wenig mit dem jeweiligen Präsidenten und Kanzler zu tun  hat, aber um so dramatischer ist für das deutsch-amerikanische Verhältnis: Deutschland ist für die USA einfach nicht mehr so  wichtig.

Seit dem Ende des kalten Krieges hat das politische Amerika  das Interesse an Deutschland verloren, nicht vollständig, aber doch  zu einem großen Teil. Niemand in Washington, versteht sich, würde  das so sagen, denn immerhin bleibt Deutschland strategisch,  politisch und wirtschaftlich so wichtig, dass man niemanden unnötig  brüskieren will. Noch heftiger würde das Dementi in Berlin ausfallen, wenn man dort vom Bedeutungsverlust Deutschlands in den  USA sprechen würde.

Eine nüchterne Bilanz

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Deutsche Diplomaten sind schnell bei der Hand  mit einer langen Liste von Themen, bei denen die Amerikaner, auch  Obama, auf deutsche Hilfe zählen, von Afghanistan bis Iran. Das alles stimmt, aber unterm Strich steht doch eine nüchterne  Bilanz der letzten 20 Jahre: Amerikas außenpolitische Interessen  haben sich komplett verlagert. China und Indien werden als neue  Wirtschafts- und Weltmächte genau beobachtet, die Auseinandersetzung  mit dem Islam und der arabischen Welt dominiert die politischen  Debatten, die potentiellen Krisenherde Iran und Nordkorea machen  Angst, der Dauerkonflikt zwischen Israelis und Palästinensern  fordert die volle diplomatische Aufmerksamkeit, Südamerika hat immer  größeren kulturellen Einfluss auf die USA. Deutschland ist ein  wichtiger Partner, aber doch nur noch ein Partner zweiter Klasse.

Dieses Eingeständnis sollte den Stolz deutscher Politiker nicht verletzen, denn es hat auch viel für sich: Deutschland wird nicht  länger als Problem oder Gefahr wahrgenommen, weder als Zieh- noch  als Sorgenkind. Das schwindende amerikanische Interesse spiegelt so  gesehen auch die politische und soziale Stabilität des wiedervereinigten Deutschland wider.

Markus Günther

Kommentare
26.06.2009
12:51
Deutschland für USA ein Partner zweiter Klasse
von Rentner4r | #45

holt Bush zurück dieser Obama bringt einfach nichts der Predigt wie Jesus oder war das Pater
Leppich ist auch egal last euch einfach weiter veräppeln

26.06.2009
12:31
Deutschland für USA ein Partner zweiter Klasse
von kuba4711 | #44

Das populistische Geschwafel von einer Politik ohne Verschuldung hat mit Politik nichts zu tun.
Auch im Privatbereich nimmt man ja Kredite auf.
Ohne derartige Vorgehensweisen ist ein Wirtschaftsleben gar nicht denkbar.
Es kommt immer darauf an für was man Schulden aufnimmt.
UND die Vorgehensweise von Obama und Merkel unterscheiden sich bei der Finanzkrisenbewältigung nicht in der Qualität ,nur derzeit noch in der Quantität.

26.06.2009
12:04
Deutschland für USA ein Partner zweiter Klasse
von Rutenfried | #43

Ein Stück Bescheidenheit täte Deutschland gut. Eine Politik ohne immense Verschuldung müsste sein. Milliarden unnütze Ausgaben gehören auf den Prüfstand. Leider kennt die Politik nur eine Richtung: Steuern für die kleinen Bürger rauf. Ich könnte kotzen. Auch den Besuch Merkels in den USA hätte man sparen können. Es ist nur Wahlkrampf!

26.06.2009
11:40
Deutschland für USA ein Partner zweiter Klasse
von supply | #42

Die Amis wissen ja nicht mal das Europa ein Kontinent ist, die meinen immer noch sie hätten Anspruch auf die Weltherrschaft...das werden die Chinesen denen schon zeigen...ach ja uns auch!

26.06.2009
09:31
Deutschland für USA ein Partner zweiter Klasse
von Bobo | #41

Das wir den Amis ziemlich egal sind verwundert mich nicht. Vielleicht sollten wir jetzt endlich mal aufhötren, jeden Mist von dort zu übernehmen.

26.06.2009
07:08
Deutschland für USA ein Partner zweiter Klasse
von Neckermann | #40

wechselseitige distanz aus konkurrenzgründen.
deutschland muss sich um die erweiterte EU kümmern, dann um russland, china, indien.
in den aussereuropäischen ländern sind deutschland u. usa starke konkurrenten, jeder will eine grosse scheibe abhaben, das geht nur mit harten bandaagen!
duch ihre masslose verschuldung sind die usa selbst in gefahr 2 - 3 klassig zu werden, da ist es gut, dass merkel abstand hält um nicht mit in den abgrund gerissen zu werden, nur hanswalter säuselt lieber diplomatische losungen daher.

25.06.2009
23:52
Deutschland für USA ein Partner zweiter Klasse
von kuba4711 | #39

@ 36 soll heissen ein Weiter so.

25.06.2009
23:51
Deutschland für USA ein Partner zweiter Klasse
von kuba4711 | #38

Es ist jetzt schon abzusehen ,dass Obama vermutlich scheitert ,weil insbesondere sein Handeln in Sachen Bewältigung der Finanzkrise eben kein change war ,sondern ein Weier so.
Und zwar Hand in Hand mit den Gurus der Wallstreet
Wenn man ein paar Böcke ins Gewächshaus lässt ,dann darf man sich nicht wundern wenn dieses Haus demnächst leer gefressen ist.

25.06.2009
23:39
Deutschland für USA ein Partner zweiter Klasse
von Schnattomat | #37

#29 von Kurt_Schumacher

Ich teile Ihre Meinung....das ist Optimismus den ich mag.

Ich hoffe es kommt so.

25.06.2009
23:34
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Name von Moderation entfernt | #36

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