Deutschland droht ein Mangel an Notärzten

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Essen. Experten erwarten eine dramatische Personalnot bei den Notärzten. Eine der Ursachen: Die in den nächsten Jahren schnell wachsende Zahl älterer Menschen, die medizinische Hilfe häufiger in Anspruch nehmen als Jüngere. Den Ärztemangel könnte der Rettungsdienst auffangen.

Weil Notarzt-Nachwuchs heute schon fehlt – alleine im Rheinland hat sich seit 1996 die Zahl der Weiterbildungs-Abschlüsse halbiert –, suchen die Hilfsorganisationen in ihren Arbeitskreisen Auswege.

Rettungsassistenten statt Ärzten

Neben der Möglichkeit, den Dienst attraktiver zu gestalten, halten sie es nach WAZ-Informationen für denkbar, statt der Ärzte künftig Rettungsassistenten in den Einsatz zu schicken. Diese sollen aber drei Jahre ausgebildet werden – statt zwei, wie heute.

Ohne solche Korrekturen werde das System „kollabieren”, glaubt Prof. Klaus Runggaldier, Leiter Rettungsdienst beim Malteser Hilfsdienst. Zwar verfüge Deutschland über eines der besten Rettungssysteme der Welt. Es müsse aber in Zukunft „bedarfsgerechter” gestaltet sein.

Viele müssen schon heute warten

Die Zahl der jährlich 12 Millionen Einsatzfahrten werde „dramatisch zunehmen”, sagte Runggaldier unserer Zeitung – bis 2050 um 25 Prozent. Alarmierungen wegen Herz- und Kreislaufproblemen würden um die Hälfte steigen, bei Atmungs- und Stoffwechselerkrankungen um ein Drittel.

Viele Patienten müssen heute schon warten. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BaST) untersucht die Frist zwischen Alarmierung und Eintreffen der Hilfsfahrzeuge. Im letzten Report errechnete sie, dass durchschnittlich 10,9 Minuten verstreichen. Kerstin Auerbach von der BaST: „Der Trend in den letzten Jahren geht zu längeren Zeiten, vor allem in den Gebieten, in denen es Notarzt-Mangel gibt”.

Neben der Demografie ist die „Veränderung der Krankenhauslandschaft” Ursache für den Mangel, glaubt Runggaldier. Auf dem Land hätten viele Kliniken zugemacht. Nach der Einführung der Fallpauschalen seien auch nicht mehr alle in der Lage oder bereit, alle eingelieferten Fälle zu behandeln. Notärzte müssen dann weiter fahren.