Deutsches Schildbürgertum
21.05.2010 | 16:38 Uhr 2010-05-21T16:38:00+0200
Wer hat das Verkehrsschild erfunden? Wir wissen es nicht. Aber die Deutschen haben es sicher zur Perfektion gebracht. Zumindest quantitativ. Oder wissen Sie, wie viele Schilder in Essen den Weg zur Philharmonie (Bild) weisen?
Die Deutschen pflegen ein besonderes, ein romantisches Verhältnis zu ihrem Wald. Im dunklen Tann ist man Mensch. Das Verhältnis zum Schilderwald gehört ebenfalls zu den besonderen, wenn auch unromantischen. Die Ankündigung eines rigorosen Durchforstens gehört zur beklatschten politischen Folklore, auf die noch kein neuer Bundesverkehrsminister verzichten mochte. Schon gar nicht Herr Ramsauer.
Wie viele Blechtafeln und ihre Haltestangen den Schilderwald bilden, darüber gibt es nur Schätzungen. So um die 20 Millionen könnten es sein. An manchen Stellen, so rücken es geschickte Fotografen ins Bild, sieht man vor lauter Schild nichts mehr - oder: Schilda ist überall.
In einer Stadt wie Mülheim sind es nach amtlichen Angaben 40.000, kaum halb so viele wie Autos, immerhin. Mülheim probte in drei kleineren Modellgebieten das Verhüllen von Schilderwerk durch gelbe Mulltüten, und siehe da: Die Hälfte wurde nach der zweimonatigen Christoisierung als entbehrlich eingestuft. Insgesamt waren es aber nur 350, weniger als ein Prozent des örtlichen Bestandes, an die die Aktion Simply City" die Axt ansetzte. Und somit weniger als die 500 Bleche, die in Mülheim jährlich dem ortsüblichen Vandalismus zum Opfer fallen.
Warum wuchert der Wald eigentlich so? Essen kennt eine Zahl dazu genau: 165 Schilder in der Kulturhauptstadt weisen den Weg zur Philharmonie. Gerade sie zu fällen, wäre ein wahrer Schildbürgerstreich.

10:36
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09:34
Der Schilderwahnsinn hat doch Methode. Wenn man bedenkt, dass es doch fast gelungen wäre, der Schilder-Lobby einen Riesenauftrag zuzuschustern, in dem man einfach nur behauptet, die vorhandenen Schilder seien mit ihren Symbolen überaltert, könnten so nicht mehr gedeutet oder erkannt werden. (alter LKW, alte Dampf-Lok, usw.) und müssten somit sofort ausgetauscht werden. Nicht erst dann, wenn das Schild über die Jahre zu Schrott geworden ist. Ein Geniestreich. Darauf muß man erst einmal kommen.
07:11
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21:56
@Dittsche:
Meinen Sie jetzt pro Achse, pro Rad oder pro vorhandenem Lautsprecher im Auto?
Dachte, innerorts gelte sowieso 50 km/h Höchstgeschwindigkeit?
Oder sollte die 5 eine 3 sein? Dann gebe ich Ihnen auf Nebenstrassen (Nicht-Durchgangs-Straßen) gern recht. Die kann man auch im 4. Gang im Standgas bei niedriger Drehzahl perfekt durchfahren ... wenn bloß das lästige rechts vor links nicht wäre...
21:29
Echt Gut und Sinnvoll sind die 50kmh Schilder innerhalb geschlossener Ortschhaften.
21:02
Ich war neulich in den Niederlanden gewesen.
Einige Verkehrsschilder sahen aus wie handgemalt und individuell für diese Strasse hergestellt, um den Denkmalschutz-Charakter der Gegend nicht zu zerstören.
Und selbst wenn dort das Verkehrsschild 30 km max. erlaubte Höchstgeschwindigkeit in römischen Zahlen ausgewiesen gewesen wäre, hätte ich mich daran gehalten.
Hier gibt es, neben einer Gültigkeitsvorschrift für Verkehrszeichen ja auch
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Haltbarkeitsvorschriften für Salz.
Kein Wunder, dass es mit Rückenwind bergab geht.
Der Deutsche braucht das zum Leben. Sonst könnte es ja sein, dass ...
mit Anlauf.
14:20
Der normale Deutsche braucht Schilder. Es sollen schon welche in der Wüste verdurstet sein, nur weil an einer Quelle kein Schild Trinkwasser vorhanden war. ;o)
12:18
Wir brauchen die Schilder weil wir von ganz oben bis ganz unten bekloppt sind. Ohne wenn und aber.
10:19
Aha, also 165 Schilder auf dem Weg zur Philharmonie, aber ist irgendjemanden schon einmal aufgefallen, dass es kein einziges Schild mit dem Hinweis zum Besucherzentrum der Zeche Zollverein gibt? (Außer den Besuchern natürlich, denen weder ein ordentliches Parkplatzschild noch ein lesbares Hinweisschild auf der Wegfindung hilft, es sei den der Besucher kann schon zwischen Tripple Z und Handwerkerpark 3/7/10 unterscheiden) dafür gibt es immerhin einen Hinweis auf die Designstadt. (kreist der Scheich eigentlich immer noch miit dem Hubschrauber??? :-))
19:40
Es ist nicht nur das Schildbürgertum, bzw. der Schilderwald im Straßenverkehr, der eine Ausgabe im Stadtsäckel einerseits und eine Einnahme der Hersteller andererseits darstellt.
Die Steigerung dieser lukrativen Freude, durch geschäftstüchtige Freunde einer flächendeckenden Verampelung, die die Bürger bezahlen müssen, ist allerorten zu bestaunen. Da stehen mal eben bis zu zehn Ampeln inclusive Schaltanlagen mit Stromverbrauch und Wartungsverträgen an allen Ecken und Enden, die aus Steuergeldernzu bewirtschaften sind, weil sonst Verkehrsfluss und Verkehrssicherheit durch einfachen Kreisverkehr ganz preiswert zustande käme.
Die ökonomischen Vorteile einer kostengünstigen Selbstregulierung für die Verkehrsteilnehmer und Steuerzahler wie auch der ökologische Nutzen, durch deutlich weniger Energieverbrauch liegen zwar auf der Hand. Aber das eingespielte Schildbürgertum arbeitet gern hand-in-hand mit den Herstellern und deren Sicherheitsexperten, koste es was es wolle.