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Deutsch-dänische Brücke stößt auf viel Kritik

23.10.2009 | 16:57 Uhr

Puttgarden. Noch läuft der Fährbetrieb zwischen der Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland auf Hochtouren. Bis 2018 soll die Verbindung durch eine Brücke oder einen Tunnel ersetzt werden. Kritiker wehren sich.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee und seine dänische Kollegin Carina Christensen unterzeichneten 2008 den Vertrag zum Bau der neuen Verbindung zwischen Fehmarn und Lolland. Foto: afp

Der Border-Shop im Fährhafen von Puttgarden ist ein gigantischer Schnapsladen. Er bietet auf mehreren Etagen 900 Wein-, 250 Whisky- und 40 Cognacsorten an. Die Sonderangebote sind auf dänisch und schwedisch ausgezeichnet. Über breite Rolltreppen schieben die Käufer Bierpaletten in den eigenen Kofferraum. Das auf Pontons schwimmende Kaufhaus ist ein gutes Geschäft. Noch. Es läuft in absehbar Zeit aus. 2018 verliert es seine trinkfeste Kundschaft.

Die rauscht dann mit dem Auto oder der Bahn an verwaisten Kaimauern vorbei. Auch Scandlines-Fähren wie die „Deutschland“ werden anderswo Fahrgebiete finden müssen. Der Belt zwischen dem schleswig-holsteinischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland soll dann durch eine atemberaubende 19 Kilometer lange und 240 Meter hohe Brückenkonstruktion überbaut sein, die die Fahrzeit zwischen Hamburg und Kopenhagen von vier auf drei Stunden verkürzt. Alternativ ist ein Tunnel im Gespräch. Beide Lösungen sind das Ende der legendären Vogelflug-Linie.

Bundestag stimmte nach langen Debatten zu

Die Politik hat den neutral „Querung“ genannten Bau perfekt gemacht. Der Bundestag sagte nach langen Debatten erst ganz zum Schluss der letzten Wahlperiode Ja. Was für die klamme deutsche Staatskasse zunächst gut klingt: Dänemark wird das Bauwerk bezahlen und dafür 4,8 Milliarden Euro hinlegen. Doch immerhin verpflichtet sich die Bundesrepublik, die Zubringerstrecken auszubauen. Die Autobahn A1, die aus dem Ruhrgebiet herankommt, wird zwischen Heiligenhafen und dem Belt um 25 Kilometer verlängert werden müssen, die Bahnlinien sind zu modernisieren – alles in allem auch ein Budget von 800 Millionen Euro.

Die Mega-Konstruktion ist nicht nur bei den wirtschaftlich direkt Betroffenen wie der Fährreederei auf Widerstand gestoßen. Umweltschützer, Rechnungshöfe und Nautik-Experten führen seit Jahren einen verzweifelten Kampf gegen die Verbindung. Jüngst protestierten sie vor dem Reichstagsgebäude in Berlin, symbolisch von einem Spreedampfer aus.

Ihre Argumente sind breit angelegt: Sie bezweifeln die Prognose der Bauherrn, dass gegen Mautzahlung jeden Tag 7000 Autos zwischen Deutschland und Dänemark hin- und herfahren werden. Sie befürchten, dass die 50 000 Schiffe, die jährlich die Beltregion queren, statt einer zehn Kilometer breiten Durchfahrt dann eine allenfalls 700 Meter breite Brückenöffnung passieren müssten, was die Unfallträchtigkeit massiv erhöht. Und sie erinnern daran, dass diese Ostsee-Ecke für sechs bis zehn Millionen Zugvögel eine Art Flaschenhals ist auf der jährlichen Wanderung nach Süden. Zumindest Watt- und Wandervögel hätten doch eine Flughöhe, die im Fall eines (preiswerteren) Brückenbaus der der künftigen Pylone entspricht.

Querungs-Gegner geben nicht auf

Trotz der jetzt gefällten Entscheidung: Auf Fehmarn geben die Querungs-Gegner nicht auf. Versucht nicht die Urlaubsinsel gerade einen Imagewandel hin zur besonderen Naturnähe? „Wir lassen uns nicht zubauen“, steht auf den Protesttafeln im benachbarten Heiligenhafen. Entlang den Bahnlinien an der Ostseeküste rechnen Bürgerinitiativen und selbst Widerständler aus bürgerlichen Parteien vor, dass demnächst zusätzlich 140 Güterzüge und mehr vorbeirollen werden – frei nach der Erkenntnis: Neue Verkehrsverbindungen schaffen neuen Verkehr. Und der macht Krach.

Während vor allem die Skandinavier die Beltverbindung als einen „Katalysator für Wachstum“ bezeichnen und sich auch die EU stark dafür macht, hat der Bundesrechnungshof den brisantesten Sprengsatz gelegt. Er glaubt, dass die deutsche Finanzbeteiligung schlicht schön gerechnet wurde. In Wirklichkeit werde der Ausbau der Zubringerstrecken doppelt so teuer wie von der Bundesregierung angegeben, nämlich 1,6 Milliarden Euro. Hat der Bundestag auf falscher Grundlage entschieden?

In diesem Herbst beginnen an der Nordküste von Fehmarn die Probebohrungen: Wäre ein Tunnel stabil? Wie könnten die 19 Kilometer-Brücke standhaft gemacht werden? Denn Wind weht hier oben kräftig. Auch die viel windgeschützter liegende alte Sundbrücke muss schließlich an 50 Tagen im Jahr für Lkw und Pkw mit Hängern total gesperrt werden…

Dietmar Seher

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Kommentare
28.10.2009
17:05
Deutsch-dänische Brücke stößt auf viel Kritik
von Ruebezahlen | #1

Ich als Bordershop Mitarbeiter halte nichts von dieser Brücke. Aber wir haben keine Chance. Das Wunderwerk wird wohl gebaut werden, dass wir dann unsere Jobs verlieren ist den Herren und Damen von der Politik egal. Da stellt sich mir die Frage, ob es sinnvoll ist weiter zur Wahl zu gehen, wenn die Herren und Damen eh das machen was Sie wollen. Wir auf der Insel haben auf mehrern Demos klar gezeigt, das wir dieses Bauwerk nicht wollen und vorallem nicht benötigen. Unsere Fährverbindung Puttgarden - Rodby ist noch nicht mal ausgelasetet....

Was die Brücke für die Natur und Tierwelt bedeutet mag ich mir garnicht ausmalen. Die wenigsten wissen das durch den Belt viele Öltanker aus den Ostblockländern fahren. Diese sind Einwandig und entsprechen nicht den Sicherheitsbestimmungen.

Was also machen wenn ein Lotze auf der Brücke mal einpennt und die Beltquerung rammt? Das wird ne riesen Sauerei geben. Und Fehmarn als Ulaubsinsel können wir auch knicken, wer will schon auf Europas größter Baustelle Ulaub machen??

Ich werde mich dann schon mal bei der Arge anmelden. Mal sehen was dann 2018 auf die Fehmaraner zukommt...

Nur eins ist gewiss, besser wird es nicht werden.

Wenn die Politiker was ausbauen wollen, sollten die mal die Internetverbindungen erweitern. Wie kann es sein, dass sich bei uns immer noch leute mit einem 56K Modem einwählen müssen....

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