Der schlechte Nahverkehr bremst das Ruhrgebiet aus
26.06.2009 | 13:01 Uhr 2009-06-26T13:01:00+0200
Essen. Nur elf Prozent des Personenverkehrs an Rhein und Ruhr laufen per Bus und Bahn. Das ist im Vergleich mit anderen Metropolen ein schlechter Wert. Beim Pro-Ruhrgebiet-Verkehrsgipfel gab es deshalb scharfe Kritik - etwa an Taktzeiten bis zu einer Stunde und ungesicherte Anschlüsse.
Der Ruhr-Nahverkehr gerät immer heftiger in die Kritik. Die vielen Fahrgäste, die oft erfolglos gegen das teils sehr schlechte Angebot protestieren, bekommen Schützenhilfe. Wirtschaftsförderer, Unternehmer sowie Kultur- und Sozialpolitiker haben das häufige Chaos bei Bussen und Bahnen als riesigen Bremsklotz für eine positive Entwicklung der Region ausgemacht. Fazit: Der schlechte Nahverkehr macht Rhein-Ruhr unattraktiv und schon gar nicht zu einer Metropole.
Der Nahverkehr ist ein wichtiger Standortfaktor
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Da musste der Chef des Vorzeige-Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) einmal ins Revier kommen, um Klartext zu reden, wie man ihn hier sonst zum Thema Nahverkehr kaum hört. Beim „Verkehrsgipfel” des Vereins Pro Ruhrgebiet kritisierte Hans-Werner Franz die Verantwortlichen auf allen Ebenen. Bei den Politikern, die die Gelder für Busse und Bahnen seit Jahren zusammenstreichen, sei offenbar immer noch nicht angekommen, dass der Nahverkehr systemrelevant sei. Und das nicht nur für die Fahrgäste. Auch bei der Wirtschaftsförderung und der Ansiedlung neuer Firmen sei die Qualität des Nahverkehrs inzwischen einer der drei wichtigsten Standortfaktoren. Die Nähe zu einem Flughafen spiele nur eine untergeordnete Rolle.
11 Prozent per Bus und Bahn
Unter diesem Gesichtspunkt hat das Ruhrgebiet schlechte Karten. Denn im Vergleich mit europäischen Metropolen rangiert das VRR-Land weit hinten. Gerade elf Prozent des Personenverkehrs laufen an Rhein und Ruhr mit Bus und Bahn. In Berlin sind es 25 und in der Region Wien 35 Prozent. Dort hat der öffentliche Nahverkehr das Auto als wichtigstes Verkehrsmittel bereits überholt.
Für VBB-Chef Franz ist denn auch klar: „Metropolen zeichnen sich dadurch aus, dass sie Hochburgen autofreier Menschen sind.” Dank des allgemein gut bewerteten Nahverkehrs in Berlin hätten dort von 1000 Erwachsenen nur noch 360 ein Auto. Im VRR-Gebiet sind es über 500, in Mülheim und Bottrop sogar über 530 von 1000. Fachleute sehen darin ein Zeichen für schlechten Nahverkehr. Und so benutzen die Berliner, für die die Busse und Bahnen tagsüber alle zweieinhalb bis 10 Minuten rollen, nur für 39 Prozent ihrer täglichen Wege das Auto. Im Ruhrgebiet liegt dieser Anteil bei 68 Prozent.
Takzeiten bis zu einer Stunde
Bei Taktzeiten im VRR von bis zu einer Stunde, bei drastischen Fahrplan-Ausdünnungen schon ab 18 Uhr und ungesicherten Anschlüssen an vielen Stadtgrenzen, ist das für Experten kein Wunder. Das muss anders werden, fordern deshalb nicht nur Planer der Kulturhauptstadt 2010. Die rund 200 Teilnehmer am Pro-Ruhrgebiet-Verkehrsgipfel, die aus Politik, Wirtschaft und Verkehrswirtschaft kamen, hoben sogar die Hand, um einer Resolution zuzustimmen. Darin heißt es: „Die Ruhrstadt ist eine gelähmte Metropole.” Die geringe Nutzung des hier meist schlecht getakteten und unkomfortablen Nahverkehrs sorge für unnötige Dauerstaus auf den Straßen. Berlin lehre: Gute, schnelle, komfortable Verkehrsangebote würden intensiv genutzt. Die Fahrgastzahlen stiegen und die finanzielle Belastung der Städte sinke langfristig.
Die Bürger wollen auch abends Bus fahren
Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr des Ruhrgebiets seien zugleich Investitionen in Wirtschaftsförderung, Kultur sowie Bildungs- und Sozialpolitik. Die im Vergleich zu Berlin hohen VRR-Fahrpreise seien unsozial und hemmten das Wirtschaftswachstum in der Region. VBB-Chef Franz schrieb den Nahverkehrslenkern zudem ins Stammbuch, dass Nahverkehr nur dann erfolgreich sei, wenn sich das Angebot nicht nur auf Spitzenstunden beschränke. Busse und Bahnen müssten auch abends und nachts rollen, um den Anforderungen der Menschen in einer Metropole gerecht zu werden.
Wie schwer es sein wird, diese Ideen im Ruhrgebiet umzusetzen, darauf weist Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn hin. In Oberhausen, vor 13 Jahren zum Centro-Start zur Verkehrsvorzeigestadt aufgestiegen, sei der Abendverkehr ab 21 Uhr von den Kommunalpolitikern jetzt um die Hälfte gekürzt worden. Ebbers: „Wer dann vom VHS-Kurs, aus dem Theater oder vom Sporttraining nach Hause will, ist ohne Auto meist aufgeschmissen.” Und was tun Arbeitnehmer, wenn ihre Arbeitszeit erst nach 21 Uhr beginnt oder endet?
Experten warnen denn auch schon seit Jahren: Da Betriebe immer öfter flexible Arbeitszeiten verlangen, kann eine Verschlechterung des Nahverkehrsangebots für Arbeitnehmer, die sich kein Auto leisten können, zur Existenzfrage werden. Und Wirtschaftsförderern verhagelt es die Erfolgsstatistik, wenn Firmen wegen mangelhafter Flexibilität der Mitarbeiter einen Bogen um das Ruhrgebiet machen.

08:44
Mich wundert es überhaupt nicht warum die Menschen im Ruhrgebiet mit dem Autofahren. Ein Beispiel Strecke Wesel-Dinslaken - Hinrückfahrt mit der Bahn kosten 9.5€ ohne jeweils den Bus zum Bahnhof zu benutzen. Der Preis gilt natürlich pro Person.
Nun rechnen Sie mal aus was diese Fahrt mit 3 Personen kostest und stellen dies dem PKW gegenüber.
20:28
In Sachen Verkehr hinkt der Vergleich Ruhrgebiet und Berlin tatsächlich. Denn was den Stau anbelangt, sind wir auf dem Niveau von London oder Paris (s. http://www.derwesten.de/nachrichten/im-westen/Bericht-aus-dem-Stauland-id3909955.html). Egal, ob Du nun zu den Überzeugungsautofahrern, den Notgedrungenautofahrern oder den Bahnfahrern gehörst: Bei diesem Ausblick ist klar, dass sich der Nahverkehr hier an Berlin orientieren sollte, sonst orientiert sich der Stau an noch größeren Städten.
Der ÖPNV muss sich hier verbessern, da hilft alles nichts. Sonst bleibt das Ruhrgebiet auf der Strecke.
21:10
denn auch in der Wirtschaft ist es ja so, dass ein Angebot gestrichen wird, wenn es nicht mehr nachgefragt wird
@MBSSB, mal das Gehirn einschalten und Nachdenken welche Aufgaben der ÖPNV hat.
18:16
Ich sage nur soviel: Der Fahrpreis müsste eigentlich doppelt so hoch sein, damit alle Kosten gedeckt werden.
Andererseits: Ungenutzte Verbindungen werden halt gestrichen, das ist ganz normal, denn auch in der Wirtschaft ist es ja so, dass ein Angebot gestrichen wird, wenn es nicht mehr nachgefragt wird. Ganz einfach.
Berlin ist auch nicht mit dem Ruhrgebiet vergleichbar, dass ist wie Apfelmit Birnen vergleichen.
Aber ich bin erstaunt, wieviel Halbwissen hier wieder verbreitet wird.
11:20
# Fiona
Klar ist z.B. Berlin Tourismus orientiert. Die Touristen fahren allerdings auch nur im Bereich A bei den ganzen Sehenswürdigkeiten rum. Der gesamte ÖPNV in GANZ Berlin ist aber hervorragend. Hier komm ich auch nachts um 3.00 überall hin.
Nachts um 3.00 in Oberhausen kann man am besten gleich laufen.
07:41
klar muss der ÖPNV mit Bus und Bahn im Ruhrgebiet besser, preiswerter und dichter werden.
Aber kommen Sie mal ins SAUERLAND !
Da ist der ÖPNV im Revier doch noch richtig gut.
12:00
Vergessen wird aber, dass Berlin, München und die anderen genannten Städte Touristenmagnete sind. Die Städte haben ein großes Interesse daran, dass dern ÖPNV reibungslos funktioniert, denn es kommen ja auch Menschen aus dem Ausland oder überhaupt Besucher. Nicht jeder will oder kann da dann Auto fahren.
Hier im Revier hat man noch nicht so richtig kapiert, dass auch das Ruhrgebiet für den Tourismus interessant ist. Spätestens vor 2 (oder schon länger her?) Jahren als bekannt wurde, dass Essen Kulturhauptstadt 2010 sein wird, hätte man sich an einen Tisch setzen müssen und die Verantwortlichen von VRR, Bahn etc. hätten einen aktraktiven Nahverkehrsplan ausarbeiten müssen. Ruhr 2010 ist DIE Chance geseen, unseren ÖPNV endlich aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Jetzt haben sie die Chance vertan. Schade.
Vor 15 Jahren bin ich für 4 Tage in Berlin gewesen. Ich bin in meinem Leben vorher und auch nachher nie wieder so oft Bahn/Bus gefahren und kam auch noch schnell und unkompliziert überall hin. Es war ein Erlebnis. Hier? Nix los mehr abends. Ich kann leider nicht aufs Auto setzen. Ich sehe zu schlecht, um einen Führerschein machen zu können. Ich habe wohl die A...karte gezogen. :(
06:17
und warum sagt OB Reiniger nichts da zu???
20:46
Pünktlich zum Start in die Sommerflaute wie jedes Jahr, der Nahverkehr, sehr viele sind Unzufrieden, weil z.B. die U18 nach 23Uhr nicht mehr fährt, aber hat sich in den letzten Jahren etwas geändert? Nein sogar noch verschlimmert.
15:59
Frogger
Das ist nicht möglich, das die U-Bahn (U18) als Straßenbahn (901) weiter fährt.
Und wer von Essen nach Duisburg fährt, der ist mit dem RE1 viel schneller.