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Papst in Afrika

Der Papst und sein Amtsverständnis

19.03.2009 | 18:55 Uhr

Papst Benedikt wird die lautstarke Kritik an seinen Kondom-Thesen als oberflächlich, ungerecht und uninformiert betrachten – und sich davon herzlich wenig beeindruckt zeigen.

Das ist zwar schade, liegt aber auch daran, dass es sich die sehr weltlichen, sehr parteipolitischen Kritiker Benedikts mitunter sehr einfach machen.

Erstens: Wer dem Papst Dogmatismus vorhält, verkennt das Wesen einer Kirche: Die ist nicht nur Gemeinschaft der Gläubigen, also abhängig vom Glauben ihrer Mitglieder, sondern auch: Glaubensgemeinschaft. Sie gibt vor, was zu glauben ist. Das ist natürlich nicht liberal, aber welche Kirche wollte je liberal sein?

Zweitens: Benedikt ist kein dogmatischer, verschrobener, alter Einzelgänger. Er bewegt sich in der Kontinuität seiner Vorgänger, auch des weltweit so verehrten Johannes Paul, der Benedikt in puncto Dogmentreue in nichts nachstand.

Drittens: Rom war schon immer weit. Pfarrer vor Ort, der Seelsorge, dem Tagesgeschäft sozusagen meist mehr verpflichtet als dem Prinzipiellen, haben gemacht, was sie für richtig gehalten haben, zum Beispiel in Afrika Kondome verteilt oder schwangeren Frauen in Not geholfen. Will sagen: Das Ausmaß von Barmherzigkeit ist durchaus abhängig von der Entfernung zum Vatikan.

Viertens: Darf man darum den Papst nicht kritisieren? Man muss. Vor allem aus zwei Gründen: Wegen des Bildes, das er malt von seiner Kirche, die eben doch auch unsere ist; und dann wegen der Dinge, die Benedikt nicht sagte. Benedikt erweckt den Eindruck, die Dogmen der Kirche seien immerwährend. Das sind sie nicht. Die katholische Kirche hat sich gewandelt, wenn auch oft spät oder aus Sicht vieler Gläubiger zu langsam. Darum darf sie sich nicht hinter Dogmen verstecken, sondern muss sich auch heute fragen, ob ihre Sexualmoral noch zeitgemäß ist. Wenn die meisten der Gläubigen sich an die Spielregeln nicht mehr halten, dann ist schon die Frage erlaubt, ob daran die Spielregeln schuld sind. Und dann redet Benedikt leider nicht mit heißem Herzen und aus brennender Sorge über die Würde der Frauen, die durch Kondomverzicht existenziell verletzt wird.

Fünftens: Schließlich Benedikts womöglich größtes Defizit: Anders als sein Vorgänger hat er nicht verinnerlicht, dass ein Papst stets auch Politiker ist, wenn auch einer anderer Art. Nähme Benedikt seine Rolle an, er würde in Afrika weit mehr erreichen als durch Ermahnungen, an die sich nicht einmal jene halten, die ihm zujubeln.

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Ulrich Reitz

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