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Leichenfund

Der Nachbar war schon mehrere Jahre tot

31.07.2009 | 19:34 Uhr

Gelsenkirchen. Wahrscheinlich viereinhalb Jahre blieb die Leiche eines Gelsenkircheners unentdeckt – in einem Vierfamilienhaus. Mitte Fünfzig war er vielleicht, als man ihn aus den Augen verlor, schließlich vergaß. Man dachte wohl auch, er sei endgültig verzogen.

Foto: Cornelia Fischer

Mumifiziert! Das ist das Wort, mit dem die Polizei die Leiche des vergessenen Nachbarn beschreibt. Man muss ihn so nennen, denn seine Identität ist noch nicht geklärt, nur soviel: Er muss ein einsamer Mensch gewesen sein, der alle sozialen Netze verfehlte – dessen Abschied von dieser Welt niemandem auffiel. Mehr als vier Jahre lang lag der vergessene Nachbar wahrscheinlich in seiner Souterrain-Wohnung in Gelsenkirchen-Feldmark und mumifizierte. Wenn es sich denn um den letzten Mieter handelt, wurde er Ende 2004 das letzte Mal gesehen.

Drei weitere Parteien wohnen in dem Haus am schöneren Ende der Fürstinnenstraße, ein gepflegtes, bürgerliches Eckhaus. „Man kennt sich hier”, erklärte eine Mieterin auf Nachfrage. Nur eben diesen einen Nachbarn, mit dem „hatte niemand Kontakt.” Es sei normal gewesen, dass er für Monate verschwand. Mitte Fünfzig war er vielleicht, als man ihn aus den Augen verlor, schließlich vergaß. Man dachte wohl auch, er sei endgültig verzogen.

Kein überfüllter Briefkasten

Schließlich gab es keinen überfüllten Briefkasten, die Stadt Gelsenkirchen hatte den letzten Mieter im Oktober 2004 amtlich abgemeldet, weil eine Wahlbenachrichtigung nicht zugestellt werden konnte. Ob dieses Vorgehen korrekt war, muss nun geklärt werden.

eine mumifizierte Leiche wurde im Souterain eines Hauses in Gelsenkirchen - Feldmark am 30.07.2009 gefunden / 31.07.2009 / Photo: Cornelia Fischer/ Honorarpflichtig

Die Mietzahlungen jedenfalls liefen bis zum heutigen Tag weiter, ebenso die Daueraufträge für Wasser und Strom. Genug Geld war also noch auf dem Konto, obwohl die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte die Rentenzahlungen bereits Anfang 2008 eingestellt hatte – der Grund ist noch nicht bekannt. Ob es Angehörige gab, wird geprüft, die Rechtsmedizin Essen untersucht den Leichnam. Dass er vertrocknete und nicht verweste, ist jedenfalls nicht ungewöhnlich, Polizeisprecher Guido Hesse schreibt es den Luft- und Temperaturverhältnissen zu.

Gefunden durch Wasserschaden

Der vergessene Nachbar hätte wohl auch noch deutlich länger liegen können, wenn nicht ein Wasserschaden im Haus aufgetreten wäre. Der Installateur musste in die Wohnung, im Auftrag der Hauseigentümerin öffnete ein Schlüsseldienst die Tür . . .

Essener blieb sieben Jahre unentdeckt

Der Fall erinnert an den Fund einer Leiche in Essen, die sieben Jahre unentdeckt in ihrer Wohnung lag. Ein Student hatte zuletzt neben dem Mieter gewohnt. Erst nachdem das heruntergekommene Haus in neue Hände gelangte, wurde der Mann gefunden, dem das Amt noch Jahre nach seinem Tod Sozialhilfe überwies. Das war im Mai 2007. Nur wenig später hörte man Schauerliches aus Gladbeck: Zwei Monate lang ignorierten die Nachbarn den furchtbaren Gestank im Flur. Und im Oktober des selben Jahres fand man im Essener Stadtteil Altendorf eine stark skelettierte Leiche – sie hatte ein halbes Jahr gelegen.

„Es gibt nur wenige solche Fälle”, sagt Mirco Theiner, Geschäftsführer des Mieterbundes NRW. „Die, die veröffentlicht werden, sind in der Regel auch die einzigen, die es gibt.” Dennoch: Nachbarschaftliche Aufmerksamkeit will der Mieterbund gezielt fördern. „Wir wollen Stadtteilzentren aufbauen in Kooperation mit den Sozialdiensten. „Aber das fängt gerade erst an.”

In Gelsenkirchen steht ein ähnliches Projekt kurz vor dem Start: Senioren sollen als „Nachbarschaftsstifter” wirken”, wie Sozialdezernentin Henriette Reker erklärt. „Besonders im Ruhrgebiet hat die Nachbarschaft ja Tradition. Die Menschen, die miteinander arbeiteten, haben oft auch in Siedlungen miteinander gewohnt. Mit der neuen Flexibilität gibt es dieses lange Wohnen nicht mehr.” Das Projekt will hier anknüpfen. „Aber Menschen, die sich zurückziehen wollen, können wir damit auch nicht erreichen.”

Thomas Mader, Nina Estermann

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Kommentare
02.08.2009
20:24
Der Nachbar war schon mehrere Jahre tot
von Ehrenwertes Haus | #23

Nicht nachvollziehbar.
In einem Vier-Familien-Haus!

#4 von radieschen, am 31.07.2009 um 23:00

Zu radieschen

Doch nachvollziehbar, wenn man Wert darauf legt, dass die Miete regelmäßig auf den Konto ist, aber der Mieter die Kellerwohnung möglichst wenig abnutzt und keinen Lärm macht.

02.08.2009
20:19
Der Nachbar war schon mehrere Jahre tot
von Ein ehrenwertes Haus | #22

Wer hat in diesen ehrenwerten Haus eigentlich immer den Briefkasten des Verstorbenen geleert?
Und wer hat eigentlich stillschweigend die Miete für die Wohnung des Verstorbenen kassiert? Der Mieter im Keller hat ja wenigstend pünktlich seine Miete gezahlt.

02.08.2009
20:14
Der Nachbar war schon mehrere Jahre tot
von DieMietekommtpünktlich | #21

Diejenigen, die den Briefkasten des Mannes regelmäßig leerten und diejenigen, die stillschweigend die Miete für die Wohnung kassierten, haben wahrscheinlich kein schlechtes Gewissen. Ein wahrlich ehrenwertes Haus!

02.08.2009
17:56
Der Nachbar war schon mehrere Jahre tot
von ruhiger_nachbar | #20

Schließlich gab es keinen überfüllten Briefkasten, die Stadt Gelsenkirchen hatte den letzten Mieter im Oktober 2004 amtlich abgemeldet, weil eine Wahlbenachrichtigung nicht zugestellt werden konnte. Ob dieses Vorgehen korrekt war, muss nun geklärt werden.

Aha, keine Schreiben der Krankenkasse wg. Patientenkarte, keine vom Rententräger. Keine Versicherungsverträge etc. Keine Werbung. Oder die wurde von Papiermilben vertilgt. Die Geschichte stinkt (so wie der Kommentar von der 11-Parteien-Freundeshausgemeinschaft, wie gut das die alle gerne grillen). Irgendwer hat regelmässig den Kasten kontrolliert und geleert. Bei der Hartnäckigkeit schliesse ich auf eine Frau. Die Abmeldung geht ja wohl nur in Kontakt mit dem Vermieter. Und Der/Die lässt den Vertrag einfach weiter laufen... Was war das für eine Wahlbenachrichtung? Meine liegen einfach im Kasten.
Jedenfalls hat die Hauseigentümerin davon profitiert, ein ruhiger Mieter. Ob jetzt wohl Rückzahlungen drohen? Vielleicht hat man auch gedacht Endlich ist der komische Kerl weg und wir haben unsere Ruhe. Und so soll das auch bleiben...
Ja die anständigen Leute.

02.08.2009
10:30
Der Nachbar war schon mehrere Jahre tot
von sprichdichaus | #19

In diesem Fall spiegelt sich die Anonymität des einzelnen , aber auch eine gewisse Gleichgültigkeit der Mitmenschen wieder .
Wie kann es denn sonst sein das ein Mensch einfach in Vergessenheit gerät, mehrere Jahre Tod in der Wohnung liegt und keiner der direkten Nachbarn hat sich Gedanken gemacht wo ist er hin.

01.08.2009
17:00
Der Nachbar war schon mehrere Jahre tot
von Hartz IV Geißel Deutschlands | #18

@ # 15 von Sarah79

Wenn, dann waren SIE es, die die Behauptung aufgestellt hat, dass es sich um einen Hartz IV Bezieher handelt!
Andere Kommentare haben nur auf den Umstand hingewiesen, dass Hartz IV zu ebengleichen Vereinsamungen führen.
Da hat jemand seine Arbeit verloren. So hat man schon keinen Kontakt mehr zu Kreis der ArbeitskollegenInnen. Mit Hartz IV fehlt einem das Geld, um soziale Kontakte aus dem bisherigen Freundes- und Bekanntenkreis zu pflegen. So fehlt es am Geld, gemeinsame Unternehmungen wie z. B. einen Theater- oder Kinobesuch bezahlen zu können oder einen Ausflug in den Zoo oder nach einem gemeinsamen Spaziergang ein Eis einzunehmen oder auch mal die Kirmes zu besuchen. So verliehrt man den Kontakt zu diesen Menschen. Der Betroffene zieht sich von Ihnen zurück oder und die Freunde und Bekannten ziehen sich von dem Hartz IV Bezieher zurück, weil dieser eben für NICHTS auch nur 1 Euro erübrigen kann. Dann kommt Streit wegen des mangelnden Geldes innerhalb der Ehe auf. Die Scheidung oder das dauernd Getrenntleben folgt danach.
UPS!
Plötzlich steht ein zuvor mitten im Leben stehender Mensch ganz allein da.
Dann kommt auch noch von der Stadtverwaltung die indirekte Aufforderung zum Zwangsumzug in eine billige Behausung fern ab vom bisherigen Lebensmittelpunkt dieses Menschen.
Dort neue Freunde schaffen? Nein, wer so von der unmenshclichen und kalten Sozialpolitik von SPD und CDU getroffen wurde (= Hartz IV) ist nur noch enttäuscht und zieht sich von allen und allem zurück.
Und wenn Sie schreiben Ausserdem wird sie wohl kaum arm gewesen sein, denn dann wäre es wohl kaum möglich gewesen das hier noch1,5 Jahre Geld auf dem Konto gewesen ist ... ist festzustellen, dass nicht jeder in Hartz IV geboren wird. Viele Hartz IV Bezieher haben jahrelang, teilweise jahrzehntelang (20, 30, 40 J und mehr) gearbeitet und Geld nach Hause gebracht. Ein Teil dieses Geldes haben sie angespart. Angespartes, das unter ein Schonvermögen bei Hartz IV Beziehern fällt. Oder eben so viel angespart, das der Betrag über dem Schonvermögen liegt und der vermeintliche Hartz IV Bezieher gar kein Hartz IV Emfpänger ist, weil dieser erst einmal sein Erspartes aufzubrauchen hat, bevor er auch nur einen müden Cent aus dieser eisklaten Sozialpolitik von CDU und SPD beziehen darf.

Mit diesen Gedanken sieht Ihre Hartz IV Welt doch schon wieder völlig anders aus, nicht wahr?!

@ Borbeck66

Vielleicht muß Ihr Nachbar auch nur einer staatlich verordneten Zwangsarbeit nachgehen? Vielleicht ist er ja ein 1-€-Jober? Auch so eine kranke Idee der kalten Sozialpolitik von CDU und SPD.
Vielleicht schämt er sich wegen dieser Zwangsarbeit? Wegen Hartz IV allgemein?
Schließlich werden Hartz IV Bezeiehr als Sozialschmarotzer betitelt, und das sogar von unseren so ehrbaren Politikern!

Nein, nein Leute, Ihr macht es Euch viel zu einfach.

Schön in Schubladen denken, das ist ja so bequem und einfach.

01.08.2009
14:09
Der Nachbar war schon mehrere Jahre tot
von Sesselpupser | #17

Er hat es hinter sich, wir haben es noch vor uns. Ansonsten kann man sehr wohl zufrieden sein auch ohne soziale Kontakte. Woher kommen denn solche Begriffe wie buckelige Verwandschaft.

Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben. Konfuzius

01.08.2009
13:39
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #16

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

01.08.2009
12:48
Der Nachbar war schon mehrere Jahre tot
von Sarah79 | #15

Ich finde es ganz schön traurig das hier nun irgendwelche Mutmaßungen stattfinden ohne das irgend jemand etwas weiß. Die Person war kein Hartz4 Empfänger sondern angeblich nachweislich Rentner. Ausserdem wird sie wohl kaum arm gewesen sein, denn dann wäre es wohl kaum möglich gewesen das hier noch1,5 Jahre Geld auf dem Konto gewesen ist um die Miete, Strom, Gas und ähnliches zu zahlen. Aber hauptsache hier wird mal wieder auf die armen Hartz4 Emfänger hingewiesen. Das empfinde ich persönlich als viel trauriger als das es nicht auffällt wenn jemand verstirbt und keiner merkt es. Unabhängig davon tut es mir schon für den Verblichenen sehr leid das es so gekommen ist. Aber warum und wie es ihm ging, das kann und will ich sicher nicht beurteilen. Das sollte man auch aus Respekt gegenüber dem Verstorbenen unterlassen. Jeder fasse sich mal an die eigene Nase. Wenn jemand in einer Wohnung mit einem separten Eingang wohnt, dann ist das wie in einem anderen Haus, da wird man den Mieter auch vorher sicher nicht sehr oft gesehen haben.

01.08.2009
10:24
Der Nachbar war schon mehrere Jahre tot
von vati | #14

das sind doch alles nur Vermutungen.
Nichts genaues weiß man....

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