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Prof. Reiner Körfer

Der Mann fürs Herz

24.06.2009 | 16:13 Uhr

Essen. Mit 67 Jahren ist für Prof. Reiner Körfer noch lange nicht Schluss: Der Herzchirurg von Weltruf operiert nun in einer Essener Privatklinik.

Prof. Reiner Körfer mit seinem Kunstherz "Rein Heart". Foto: Armin Thiemer

Kollegen, die ihr Geld nicht am Operationstisch verdienen, erklärt er gerne schmunzelnd, dass sie damit leben müssten, dass Herzchirurgen für Patienten die Götter der Götter in Weiß seien. „Denn das Herz ist eben ein ganz besonderes Ding.” Weit über 25 000 Herzen hat Reiner Körfer im Laufe seines Berufslebens in der Hand gehabt, schwerkranke gegen Spenderherzen getauscht, Herzklappen („vielleicht 10 000”) eingebaut und rund 15 000 Bypässe gelegt. 

Der gebürtige Klever ist damit der erfahrenste Herzchirurg Europas. Und auch der beste, wie nicht nur Körfer – ganz unbescheiden – über Körfer sagt. „Das weiß doch jeder, der ein bisschen Insider ist.”

25 Jahre lang war er Ärztlicher Direktor des Herz- und Diabeteszentrums Nordrhein-Westfalen und hat der Einrichtung in Bad Oeynhausen in dieser Zeit zu Weltruf verholfen. Im Alter von 67 Jahren hat sich der Herzspezialist noch einmal einen neuen Arbeitgeber gesucht. Seit Mai ist Körfer Chef der Essener Klinik für Herzchirurgie am „Internationalen Herz- und Gefäßzentrum Rhein-Ruhr”.

„Herr Professor, sind Sie ein OP-Junkie? Einer, der nicht aufhören kann?” Kurzes Überlegen, Lachen. „Ich bin seit 1972 in der Herzchirurgie, habe viel Erfahrung. Und die möchte ich gerne an jüngere Kollegen weitergeben.”

Ein Arzt mit Unterhaltungswert

Körfer liebt die schnörkellose Sprache, ist ein Geradeausmensch. Ein Spitzenmediziner, der sich nie hinter Ärztelatein versteckt, sondern dem es wichtig ist, dass seine Patienten verstehen, was er mit ihnen vorhat und der regelmäßig dafür sorgt, dass diese auch mit ihm gemeinsam lachen können. Motto: Humor hilft heilen. Ein Arzt muss – auch in kritischen Lebenslagen – Unterhaltungswert haben.

Fußballjecke können mit Körfer über die neuesten Bundesliga-Ergebnisse diskutieren. Auch hier ist der Mann ein Insider, der sich seit Jahren mit Herzblut im Aufsichtsrat von Borussia Mönchengladbach engagiert. „Ich bin am Niederrhein geboren. Ich kenne die große Zeit von Borussia. Heute wird ja vergessen, dass wir schon mal gegen Schalke 11:0 gewonnen haben, gegen Dortmund sogar 12:0. Das sieht jetzt natürlich ein bisschen anders aus.”

"Ich bin kein Freund der Zweiklassenmedizin"

Zurück zur Arbeit: Seine Essener Klinik hat zwei Operationssäle und 20 Betten. „Da werden noch 30 Betten hinzukommen”, erklärt der Herzchirurg und betont, dass er diese Privatklinik gerne für Kassenpatienten öffnen möchte. „Ich bin nämlich kein Freund der Zweiklassenmedizin. Jeder muss das Recht haben, wenn es nötig ist, eine solche Medizin zu bekommen.”

Dann spricht der Mann über sein derzeitiges Lieblingsprojekt: die Entwicklung eines voll implantierbaren Kunstherzens, das ohne Schläuche und Drähte nach außen auskommt. Es ist die zweite derartige Entwicklung weltweit. „Die Amerikaner hatten mit Abiocor schon eines. Da es nicht funktionierte, ist es aber wieder vom Markt genommen worden.”

Körfers Kunstherz

Ein Segen könnte Körfers Kunstherz „Rein Heart” vor allem für Menschen sein, die auf ein Spenderherz warten, erklärt der Chirurg, der selbst einen Organspendeausweis in der Tasche hat und dafür auch kräftig die Werbetrommel rührt. „Im Schnitt stehen die Leute anderthalb Jahre auf der Warteliste. Jeder dritte Herzpatient überlebt diese Zeit nicht.” „Rein Heart” wurde im Januar an einem Kalb in Belgien getestet. „In zwei bis drei Jahren könnte es beim Menschen zum Einsatz kommen.”

Körfer hat sportlichen Ehrgeiz. In seiner Jugend war vor ihm kein Fuß- oder Tischtennisball sicher. Heute spielt der Professor Golf. Ist so etwas unvermeidlich? Lachen. „Also, Golf hat mit Sport nichts zu tun, aber einen hohen kommunikativen Stellenwert. Ich habe dabei sehr viele nette Leute kennengelernt. Natürlich gibt's auch überall Bescheuerte.”

Aufgewachsen, so erzählt Reiner Körfer, sei er bei Adoptiv- und Pflegeeltern in Kleve. Er war erst 14 Jahre alt, als seine Adoptivmutter starb. Als er 16 war, verlor er den Adoptivvater. Das Wort Demut ist einem der berühmtesten Herzspezialisten der Welt nicht fremd. Körfer ist dankbar für sein Leben, für das, was er erreicht hat: „Ich habe viel Glück gehabt.”

Jutta Bublies



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