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Der Kaugummi-Profi: Wenn's mal etwas länger klebt

13.04.2009 | 23:58 Uhr
Der Kaugummi-Profi: Wenn's mal etwas länger klebt

Wuppertal. Der Wuppertaler Kommunikationsdesigner Marcus Sonntag befasst sich wissenschaftlich mit der Kaugummi-Entsorgung. 900 Millionen Euro, hat er ausgerechnet, geben die deutschen Städte jährlich dafür aus, ausgespuckte Kaugummis vom Pflaster zu lösen.

„Fünf Jahre Haft” kriegt das Kaugummi, ausgelutscht und ausgespuckt, auf dem Bürgersteig. Ungefähr so lange bleibt es kleben, hat Marcus Sonntag erforscht, (wenn es nicht entführt wird unter leisen Sohlen). Der Mensch aber, der auslutschte und -spuckte, haftet nur, falls er erwischt wird, und dann kostet es ihn vielleicht fünf Euro. Deutschland aber kostet es 900 Millionen.

Beweisfotos zeigen: Man sieht keinen Erfolg

Ungefähr so viel, hat der Wuppertaler Kommunikations-Designer Sonntag ausgerechnet, würden die Städte jährlich für die Beseitigung von Kaugummi-Flecken auf ihren Straßen und Wegen ausgeben – wenn sie es denn überhaupt versuchten. Denn mit den bestehenden Möglichkeiten sind weder Gummi noch das Problem wirklich gelöst: „Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis”, sagen die Entsorger, der Aufwand sei viel zu hoch. Viele haben „Gumlaser”, „Gumfree” und „Gumbuster”, diese Höllenputzmaschinen, wieder in die Abstellkammer verbannt, weil die unterm Strich bis zu drei Euro schlucken, um ein Gummi von der Straße zu holen, das ohnehin ersetzt wird durch ein neues, auf der Stelle sozusagen. „Man sieht keinen Erfolg”, weiß Sonntag. Und er hat Beweisfotos dafür.

Monate ist er durch Wuppertal gestreift für seine Diplomarbeit, den Blick gesenkt, und hat das Grauen im Bild gebannt: 35 bis 40 entsorgte Kaugummis zählte er pro Quadratmeter, „vor Gastro-Betrieben oder an Bushaltestellen sind es bis zu 80”. Ausgetretene, verfärbte Flatschen, verwitterte Flecken, die einst frische Streifen waren oder Dragees zuckerfrei, und grau alles, was einmal rosa angefangen hat, gelb oder himmelblau.

Ausgespuckt, weil seine Zeit gekommen war: das Kaugummi lästig wurde, nicht mehr schmeckte, weil der Kaumuskel müde war oder ein Kaffee gerade heiß.

Vom Zeitvertreib zur Medizin

Übrigens von jedem: 139 Gummis mahlt der menschliche Kiefer im Schnitt pro Jahr, und beileibe nicht nur der junge: Von der blasenwerfenden Süßigkeit, dem coolen Zeitvertreib ist das „Gum” längst zur Medizin mutiert; wird beworben als Rauchentwöhner, Zahnpflege und Mittel gegen Mundgeruch. Und wird, flop, entsorgt, wenn es seine Schuldigkeit getan hat. „Aus Unachtsamkeit oder Leichtsinn”, sagt Marcus Sonntag, der selbst fleißig kaut, aber angeblich immer anständig entsorgt, „vielen Leuten ist gar nicht bewusst, dass das ein Delikt ist”.

Marcus Sonntag hat eine Diplomarbeit über eine Kampagne gegen das Ausspucken von Kaugummis geschrieben. Eine Plakataktion könnte ggf. die Kampagne begleiten. Das Problem ist ein weltweites und eine Entfernung der klebrigen Rückstände kostet allein in Deutschland geschätzte 900 Millionen Euro. (Fotos: WAZ, Matthias Graben)

Und das Kaugummi Müll. Ein „Nebenprodukt von Ordnung”, formuliert der Designer in seiner Arbeit. „Ein Objekt ist Schmutz, wenn es nicht in den Kontext der Gesellschaft passt.” Was gar nicht so schlimm klingt wie es aussieht. „Unart oder Streetart?”, fragt Sonntag, Straßenkunst also? Aber er hat sich entschieden: „Keine Kunst”, schrieb er auf eins seiner Plakate. 163 sind davon entstanden für 105 „Kaugummi-Kommunikationskonzepte für die Straße”.

„Pfui” steht auf den Postern, „igitt” oder „bäh”, und die Pünktchen sind alle – genau: „Ich musste die alle kauen”, eine „Geschmacksreizüberflutung” sei das gewesen oder, deutlicher: „ganz widerlich”. Immerhin hat der Professor das mit einem „Sehr gut” belohnt. Nicht das Kauen, die Kampagne. Graphische Varianten gibt es da, Fotos, die Ekel machen, Schuhsohlen, deren Träger stehend kleben, und gute Sprüche: „Immer mehr Zahnpfleger landen auf der Straße”, „Lieber schlucken statt spucken” oder schlicht: „Schandfleck”.

Mülleimer laden ein: „Gib Gummi”

Für den, der sein Kaugummi da noch immer nicht bei sich behält, hat Marcus Sonntag gleich noch Aufkleber entworfen, etwa die Namen der „Täter”, neben das Corpus delicti auf die Straße zu pappen: Chantal, Dagmar, Achmed. Oder Müllbehälter, die sagen, wo das ausgediente Stück hingehört: „Gib Gummi” oder „Alles im Eimer”. Nun müssen die Städte den 28-Jährigen nur noch entdecken, die Lösungen hat er jedenfalls vorgekaut. Wuppertal will allerdings erst noch seinen Winterdienst abwickeln. Und Berlin hat sich gemeldet – nun, das hat wohl Interesse, aber ja selten Geld.

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Annika Fischer



Kommentare
13.04.2009
23:54
Der Kaugummi-Profi: Wenns mal etwas länger klebt
von scouti | #8

Du hast nie einen Spuck gesucht? Schade Pippi Langstrumpf und Astrid Lindgren würden sich freuen ;-))
Im Gegensatz zu denen, die die künstliche Chemie namens Kaugummi irgendwie vom Pflaster abkratzen müssen.

13.04.2009
23:25
Der Kaugummi-Profi: Wenns mal etwas länger klebt
von Sozialasis ins Abseits | #7

1000,- EURO pro ausgespucktes Kaugummi oder die Summe zu 1, - EURO pro Stund abarbeiten und der SPUCK hat ein Ende.

13.04.2009
23:15
Der Kaugummi-Profi: Wenns mal etwas länger klebt
von dasKollektiv | #6

@scouti
klar und einfach: nein

Selbst die psychologischen Ansätze eines Trolls sind nur voll geschriebene Seiten im Buch ohne Wert.

13.04.2009
23:04
Der Kaugummi-Profi: Wenns mal etwas länger klebt
von scouti | #5

@dasKollektiv:
Du würdest die Diplomarbeit über den Sinn oder die Ernsthaftigkeit eines Forenbeitrages im Forum der WAZ - DerWesten.de schreiben?

13.04.2009
23:01
Der Kaugummi-Profi: Wenns mal etwas länger klebt
von M | #4

Na und was ist denn schon eine Millionen ???

NIX !!!

13.04.2009
22:58
Der Kaugummi-Profi: Wenns mal etwas länger klebt
von scouti | #3

Zumindest mal eine sinnvolle Diplomarbeit. Reduziert die Reinigungskosten für die Gummis! Aber Wie steht im Bericht nicht.

Das Auspucken eines Kaugummis mit einer höheren Gebühr für die Ordnungswidrigkeit bedenken als nur fünf Euro wäre eine Lösung, weitere Alternative wäre mit den Aufklebern oder vermehrtem Einsatz von Abfallbehältern, z. B. an Haltestellen bzw. in viel frequentierten Bereichen (z. B. Fußgängerzonen).

Wenn ich mich recht erinnere kostet der Spaß (auch das hier oft gesehene Auspucken) z. B. im Stadtstaat Singapur ein vielfaches.

13.04.2009
22:27
Der Kaugummi-Profi: Wenns mal etwas länger klebt
von immer ehrlich | #2

...was ein sinnreicher Kommentar! HUT ab! Ein wenig neben der Spur, oder?

13.04.2009
21:47
Der Kaugummi-Profi: Wenns mal etwas länger klebt
von dasKollektiv | #1

Diplomarbeit

zwar geht die Verschmutzung durch Kaugummis seit Jahrzehnten zurück, aber ein Knaller muß seinen Doktor machen? Wir haben auch keine anderen Probleme.., wird Zeit den Unis die Gelder zu kürzen!!!

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