Der G20-Gipfel hat einen historischen Vorläufer
31.03.2009 | 21:01 Uhr 2009-03-31T21:01:00+0200
Essen. Inmitten der Depression sollte 1933 schon einmal ein Gipfel in der britischen Hauptstadt helfen. Zwischen dem damaligen und jetzigen Gipfel gibt es verblüffende Parallelen.
1933 darf sich nicht wiederholen, warnen britische Blätter dieser Tage. Sie erinnern daran, dass schon einmal ein Londoner Gipfel im Fiasko endete – mitten in der Großen Depression der 30er Jahre. Die Parallelen zum heutigen G20-Gipfel sind frappant: Ein frisch gewählter US-Präsident tritt mitten in einer Wirtschaftskrise historischen Ausmaßes sein Amt an und weckt weltweit große Hoffnungen. Ein Gipfel in London soll die Welt im Kampf gegen die Krise einen. Doch Amerikaner und Europäer gehen getrennte Wege.
Historiker betonen gern, die Londoner Gipfel seien nicht miteinander vergleichbar. Damals war der Welthandel längst zum Erliegen gekommen, hatten sich Amerikaner in ihren Staaten und Briten im Commonwealth eingeigelt. Präsident Franklin Roosevelt reiste gar nicht erst nach London, weil er keine Einigung wollte. Der heutige US-Präsident Barack Obama fordert eine gemeinsame Strategie offensiv ein. „1933 war das Kind schon in den Brunnen gefallen, diesmal gibt es die Chance, Protektionismus noch zu verhindern”, sagt der Bielefelder Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser. Doch der historisch korrekten Einordnung folgt ein langes „Aber...” und diesem eine lehrreiche Parallele nach der andern.
Parallele 1: Der Währungsstreit
1933 wie heute spielt die Abwertung der Leitwährung eine große Rolle. Damals war dies das britische Pfund, bis London 1931 die Bindung an den Goldpreis aufhob. Diese Koppelung, verbunden mit der Pflicht, für einen Großteil der Devisen Goldreserven zu hinterlegen, war die damalige Garantie für eine stabile Währung. Mit dem Ende dieses Goldstandards verlor das Pfund auf Anhieb 20 Prozent an Wert. „Damit haben die Briten ihr Heil im Protektionismus gesucht, und die Amerikaner machten es ihnen nach”, sagt Abelshauser. Es folgte ein Abwertungs-Wettlauf zwischen Pfund und Dollar, der für Exportnationen wie Frankreich verheerende Folgen hatte. Deren Waren verloren im Ausland immens an Wert – der Handel lohnte letztlich nicht mehr und kam beinahe völlig zum Erliegen.
Heute befindet sich der Dollar durch die enorme Schuldenaufnahme wieder im Sinkflug, was besonders China als größten Handelspartner erzürnt. „Wir hassen Euch”, schimpfte Chinas Oberster Bankenaufseher Luo Ping und forderte das Ende des Dollar als Leitwährung. Doch Obamas Krisenpolitik auf Pump schwächt den Dollar weiter.
Parallele 2: Der Protektionismus
In der Großen Depression der 30er Jahre schotteten sich die Amerikaner ab. Roosevelt ließ die Londoner Gipfelteilnehmer per Telex wissen, heimische Wirtschaftsinteressen hätten Vorrang. Er setzte mit seinem New Deal auf massive Staatsinvestitionen. Auch die Europäer zogen sich in ihre Nationalökonomien zurück.
Anno 2009 steht bereits vor Gipfelbeginn fest, dass man sich in der Abschlusserklärung gegen Protektionismus aussprechen wird. Doch lassen sich schon wieder protektionistische Tendenzen beobachten, „gerade in Amerika”, wie Abelshauser meint. In den USA propagiert die Politik, amerikanische Produkte zu kaufen. In Frankreich holt Renault die Clio-Produktion „ins Vaterland zurück”, wie die Pariser Regierung lobt. Und Deutschland überlegt, wie es Opel helfen kann, ohne dass Geld in die USA abfließt. Das eigene Land zu schützen, sei „ein archaischer Instinkt”, sagt Abelshauser, der aber in die Katastrophe führen könne – in eine neue Depression.
Parallele 3: Transatlantische Kluft
1933 brüskierte Roosevelt die Delegationen der übrigen 65 größten Wirtschaftsnationen mit seinem Fernbleiben und letztlich seinem gesenkten Daumen. Davon ist Obama weit entfernt, und doch verfolgen die USA eine andere Strategie als die Europäer. Während Obama Banken und Realwirtschaft mit Billionen ans Laufen bringen will, hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel die meisten Europäer überzeugt, von neuen Konjunkturprogrammen abzusehen. Sie setzen ihre Priorität auf die Kontrolle der Finanzmärkte – im Gegensatz zu den Amerikanern.

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das Wichtigste ist jedoch, dass es NIE wieder zu dem kommt, was dann 1939 bis 1945 folgte.