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Der Delfin-Pfleger

30.01.2009 | 19:10 Uhr

Duisburg. Peter Schulz schwamm und tauchte regelmäßig mit seinem „Baby” im Duisburger Zoo. Den seltenen Fluss-Delfin holte er persönlich vor 34 Jahren vom Amazonas ins Ruhrgebiet.

Peter Schulz schnappt sich den Eimer voller edler Forellen. Es ist Essenszeit. Nicht für den 61-Jährigen, sondern für seinen Schützling im Wasser, den alle nur „Baby” nennen. Der zieht langsam seine Bahnen, schnappt sich einen Schlauch als Spielgerät, dreht ausgelassen eine Unterwasserpirouette im 28 Grad warmen Wasser. Erst 34 Jahre alt ist er, aber tierisch gesehen in biologisch vergleichbarem Zustand wie sein Betreuer. Peter Schulz ist Tierpfleger im Duisburger Zoo und der Wasserbewohner ein Tonina. Genauer gesagt, ein Flussdelfin, der in den Nebenflüssen des Amazonas zuhause ist. Jetzt lebt er in der Duisburger „Rio-Negro-Landschaft”. Sein halbes Leben hat Peter Schulz mit dem Delfin verbracht. Vor 34 Jahren war er dabei, als eine Duisburger Expedition unter der Leitung des damaligen Zoo-Direktors Dr. Wolfgang Gewalt in den Gewässern des Orinoko nach zukünftigen Zoo-Bewohnern fischte. Was damals noch ohne großen Aufschrei von Tierschützern möglich war, ist heute verboten.

Peter Schulz erinnert sich, dass bei der Südamerikatour neben fünf Flussdelfinen auch 15 Wasserschweine und ein Ameisenbär für den Zoo in Caracas ins Netz gingen. Schulz: „Im Swimmingpool einer Hacienda in San Fernando haben wir die Delfine vorübergehend einquartiert. Geflogen sind die Tiere 1. Klasse.” Das Material für die Polsterung in den Transportkisten stammte aus VW-Sitzen.

Erst in Duisburg erkannte die Mannschaft, dass die Milch des einzigen weiblichen Tieres voller Pestizide war. Das damals nur wenige Wochen alte Jungtier, „Baby” getauft, überlebte. Die Mutter und später auch zwei weitere Toninas starben. „Vater” und „Baby” bildeten über 30 Jahre ein Team, das Peter Schulz faszinierte. „Ruhig und gelassen zogen sie ihre Bahnen, waren gleichzeitig verspielt und anhänglich.” Jedes Spielzeug untersuchten sie, und wenn Peter Schulz zu ihnen ins Wasserreich kletterte, akzeptierten sie ihn als Spielpartner. „Immer wenn ich aus dem Becken klettern wollte, schubsten sie mich und zeigten mir deutlich, dass ich zu bleiben habe.” Natürlich spielte auch die delikate Feinkost aus Forellen, Karpfen oder auch mal Schleien eine Rolle, die Peter Schulz als Gastgeschenke mitbrachte. Das Vertrauen der Tiere, die Harmonie unter Wasser beeindruckten den Tierpfleger.

Im Gegensatz zu den Flippern im Delfinarium ist in der Welt der Toninas Ruhe angesagt. Große Sprünge machen sie ohnehin nicht. Bei der Futtersuche in den Flüssen suchen sie ihre Beute auf dem Grund zwischen den Wasserpflanzen. „Da ist Beweglichkeit gefragt, um im Dickicht erfolgreich auf Nahrungssuche gehen zu können.” Die nicht verwachsenen Halswirbel garantieren Geschmeidigkeit bei der Jagd. Und besonders kräftige Zähne im Bereich des hinteren Mahlwerks können problemlos auch größere Fische portionieren.

Seit zweieinhalb Jahren schwimmt Baby allein im großen Becken des „Rio Negro”. Peter Schulz schätzt, dass „Vater” biblische 50 Jahre alt war, als er starb. Ein Jahr lang konnte er die großzügig angelegte Wasserwelt noch genießen. Damit es „Baby” nicht langweilig wird, steigen neben Peter Schulz auch immer häufiger Praktikanten ins Wasser.

Doch heute wird Peter Schulz wehmütig in die Unterwasserwelt blicken. Es ist letzte Schicht für den engagierten Tierfreund. Er geht in Altersteilzeit. Sein größter Wunsch: Aus einem Zoo in Venezuela noch eine Partnerin für „Baby” finden. Denn auch in der Dauerfreizeit wird der Delfin im Hause Schulz präsent sein. Ohne Tiere geht's nicht. „Im Zoo hat schließlich mein Leben stattgefunden.”

Klaus Johann

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Kommentare
11.05.2009
06:56
Der Delfin-Pfleger
von Antonietta | #1

Delfine sind für Delfinarienbesitzer ein gutes Geschäft: Sie locken Zuschauer an und lassen die Kassen klingeln. Doch hinter den Kulissen der scheinbar spielerischen Darbietung läuft ein unerbittliches, für den Delfin oft tödliches Geschäft ab: Viele Delfine sterben bereits während des Fanges und des Transports. Im chemisch aufbereiteten Wasser der engen, kahlen Becken und dem fehlenden biologischen und sozialen Umfeld leben die Tiere unter Streß und Haftpsychose. Die Sterblichkeit der gefangenen Delfine ist außerordentlich hoch. Die Tiere sterben häufig an Lungenentzündung, Herzversagen, Kreislaufkollaps und Vergiftungen. Die Lebenserwartung ist entsprechend niedriger als in Freiheit. Es ist unverantwortlich, diese hochentwickelten Tiere in Gefangenschaft zu halten, weil ihnen selbst die elementarsten Grundbedürfnisse vorenthalten werden: In freier Wildbahn leben Delfine in Gruppen von bis zu 100 Tieren zusammen, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h, können bis zu 500 Meter tief tauchen und werden 10 Jahre älter als in Gefangenschaft.

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