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Der Dank gilt der Polizei

01.12.2009 | 19:05 Uhr

Die Ausbrecher von Aachen haben das Land 120 Stunden lang in Atem gehalten.

Sie haben unschuldige Geiseln genommen, Menschen bedroht und genötigt. Sie haben nicht nur denen Angst gemacht, die ihnen der Zufall in die Arme trieb. Mehr als sonst üblich werden ein langes Wochenende über viele Gartenpforten und Haustüren doppelt verschlossen gewesen sein.

Vorbei. Erst ging Michael Heckhoff ins Netz, gestern Peter Paul Michalski. Beide sind Schwerstkriminelle, hatten schon vor dem Ausbruch wenig Chancen, je wieder legal frei zu kommen. Für sie ist Lebenslang lebenslang. Verurteilungen wegen der Straftaten, die mit dem Ausbruch verbunden waren, werden sie nicht tiefer treffen können.

Wenn zwei kriminellen Großkalibern wie Heckhoff und Michalski die Flucht aus dem wohl bestgesicherten Gefängnis in Nordrhein-Westfalen glückt, haben andere Anlass zu schwitzen. Chefetagen im Strafvollzug, auch in der Politik. Denn der Kernauftrag einer Haftanstalt, Bürger draußen vor gefährlichen Tätern zu schützen, blieb hier in sträflicher Weise unausgeführt. Mögen viele Fragen ungeklärt sein: Ein lapidares „Mist passiert eben” reicht nicht als Antwort. Es gibt eine Verantwortung an höherer Stelle, wenn ein – möglicherweise bestochener – Wachmann mit seinen Gefangenen durch fünf Türen marschiert, sie Waffen kapern und dann laufen lässt. In den Risikoszenarien muss so einem Fall vorgebeugt werden. Und ist es nicht erstaunlich, wenn polizeiliche Vernehmungsprotokolle des Haupttäters in die Öffentlichkeit geraten? Das erste Defizit gefährdet die Sicherheit. Das zweite ist zumindest gegen das Gesetz. Der Landtag muss viel aufklären.

Der Fall Aachen gibt Anlass, Sicherheitsanstrengungen zu verstärken. Der Strafvollzug in NRW ist nicht perfekt. An manchen Stellen ist die Überwachung noch löchrig wie ein Schweizer Käse, auch wenn seit dem Foltermord von Siegburg schon vieles besser wurde. Fast flächendeckend nicht im Griff sind: Überbelegung, interne Gewalt, ein exzessiver Drogenkonsum wie in Kleve und Bochum, ein Mangel an Arbeitsmöglichkeit für die Gefangenen, sogar die äußere Sicherheit wie in Dortmund. All das sind kritisch erwähnte Entwicklungen im Bericht der Werthebach-Kommission, der gerade zwei Jahre alt ist. Die Landesregierung hat also noch manchen Job zu erledigen.

Unangefochten gut gearbeitet haben offenbar die Polizisten vor Ort. Sie bügelten Fehler aus, die andere machten. Sie stellten die Sicherheit wieder her. Dafür: Danke.

Dietmar Seher

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